Verkehr

Studie zu Bahnhalten lässt Fragen offen

Der geplante neue Bahnhaltepunkt in Meigen würde im Bereich der Steinackerstraße gebaut. Dieser Abschnitt liegt zwischen den bestehenden Haltepunkten in Schaberg und Solingen-Mitte. Foto: Christian Beier
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Der geplante neue Bahnhaltepunkt in Meigen würde im Bereich der Steinackerstraße gebaut. Dieser Abschnitt liegt zwischen den bestehenden Haltepunkten in Schaberg und Solingen-Mitte.

Ob die angepeilten Bahnhöfe in Meigen und Honsberg in den S-7-Fahrplan passen, ist noch nicht geklärt.

Von Andreas Tews

Solingen. Obwohl eine Studie zu den angepeilten neuen Bahnhaltepunkte in Solingen-Meigen und Remscheid-Honsberg inzwischen vorliegt, ist noch nicht abschließend geklärt, ob die beiden Projekte umgesetzt werden können. Es gebe noch Klärungsbedarf mit der Deutschen Bahn (DB), teilte der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) auf Anfrage mit. In den Rathäusern der beiden benachbarten Städte gibt man sich aber optimistisch, dass die Planungen für die neuen Bahnhöfe in den kommenden Jahren beginnen können.

Die beiden Haltepunkte liegen an der S-Bahn-Linie S 7 (von Solingen über Remscheid nach Wuppertal). Solingen peilt seit Jahren einen kleinen Bahnhof im Stadtteil Meigen an. In Remscheid hat man sich bei der Auswahl zwischen mehreren Standorten schließlich für einen Bahnhaltepunkt im Bereich der Ortsteile Honsberg und Kremenholl entschieden. Die Bahnhaltepunkte in Meigen und Honsberg sind Teil einer Finanzierungsvereinbarung zwischen Bund und Deutscher Bahn zum Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs. Die war vor knapp einem Jahr veröffentlicht worden und galt als positives Signal für beide Bahnhöfe.

Bei der jetzt vorliegenden Betriebsprogrammstudie hat die DB im Auftrag des VRR untersucht, ob die zusätzlichen Haltepunkte in die Abläufe des Schienenverkehrs passen. Aus den Rathäusern von Remscheid und Solingen heißt es, dass dies prinzipiell der Fall sei. Die Formulierung in der Studie fällt aber offenbar denkbar vorsichtig aus. Eine Integration der Haltepunkte in den Fahrplan sei voraussichtlich „regelkonform konstruierbar“, zitiert die Solinger Stadtverwaltung.

Offene Fragen ergeben sich laut VRR-Sprecherin Sabine Tkatzik allerdings dadurch, dass sich seit Beauftragung der Studie einige Rahmenbedingungen (zum Beispiel bei den Takten) geändert hätten. Dazu wolle der VRR „zeitnah“ Gespräche mit der DB aufnehmen. Tkatzik versichert: „Grundsätzlich verfolgt unser Haus nach wie vor die Umsetzung beider Haltepunkte.“

Solingen: Detailplanungen sollen frühestens in einem Jahr beginnen

Nach Kenntnis der Solinger Rathaussprecherin Sabine Rische muss der vorliegenden Studie jetzt eine „Eisenbahnbetriebsprüfung“ folgen. Vom Ergebnis dieser Untersuchung hänge ab, ob die Projekte weiterhin verfolgt würden. Die genaueren Planungen würden laut Rische voraussichtlich im Frühjahr 2022 beginnen.

Remscheids Baudezernent Peter Heinze sieht nach wie vor gute Chancen für beide Haltepunkte. Er versichert, dass die beiden Städte in dieser Sache weiterhin an einem Strang ziehen. Nach seiner Meinung zeigen die Vorprüfungen, dass beide Haltepunkte in die Abläufe des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) passen. Optimistisch ist er auch deswegen, weil er durch künftige elektrisch betriebene Züge neue zeitliche Spielräume sieht, weil sie schneller beim Anfahren seien als die bisherigen Dieseltriebwagen. Außerdem mache es sich bei solchen Planungen bemerkbar, dass der ÖPNV einen höheren Stellenwert habe als noch vor einigen Jahren. Heinze: „Da ist Bewegung drin.“

Der neue Haltepunkt hätte nach Einschätzung des Remscheider Baudezernenten positive Auswirkungen für viele Menschen, die in dessen Umgebung leben. Auch Solingens Stadtdirektor Hartmut Hoferichter sieht positive Potenziale: „Ein Bahnhalt in Meigen hat für Solingen perspektivisch Bedeutung“, erklärt er und fügt hinzu: „Bisher unerschlossene Siedlungsflächen erhielten erstmals einen Zugang zum Schienenpersonennahverkehr. Zudem würde ein solcher Halt das Fahrgastpotenzial nach Düsseldorf erhöhen.“ Deswegen sei der Haltepunkt Bestandteil der Landesinitiative „Bauland an der Schiene“. Hoferichter: „Der grundlegende Bedarf ist damit deutlich anerkannt.“

Der Haltepunkt sei für den ÖPNV-Bedarfsplan, den das Land Nordrhein-Westfalen erstellt, seit 2015 angemeldet. Auch im VRR-Nahverkehrsplan sei der Haltepunkt aufgeführt. Ähnliches gilt für Honsberg.

Derweil prüfen die Verkehrsverbünde eine Verlängerung der S-Bahn-Linie – auch ein Bahnhof in Landwehr spielt dabei eine Rolle. Danach könnte die S 1 bis Bonn durchfahren.

Zukunftspläne für die S 7

Elektrischer Antrieb: Derzeit bedient der Betreiber Abellio die S-Bahn-Linie 7 mit Diesel-Triebzügen. Geplant ist eine Umstellung auf elektrische Bahnen mit Akku-Technologie. Die bräuchten keine teure Kompletterschließung mit Oberleitungen.

Expresszug: Seit Jahren strebt vor allem Remscheid eine durchgehende Verbindung nach Düsseldorf an. Dies würde auch die Anbindung der Solinger Innenstadt verbessern. In diesem Sinne plant der VRR eine zusätzliche Expresslinie mit Ein-Stunden-Takt.

Standpunkt

andreas.tews@solinger-tageblatt.de

Ein Kommentar von Andreas Tews

Die Fahrpläne des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) sind komplizierte Gebilde. Verkehrsverbünde wie der VRR und die Deutsche Bahn bemühen sich dabei um sinnvolle Takte und Anschlüsse. Dass es bei den Abläufen vor allem im Bahnverkehr kaum zeitliche Spielräume gibt, zeigen die häufigen Verspätungen und Ausfälle bei den S-Bahnen, die durch Solingen fahren. Da müssen größere Eingriffe wie der Bau neuer Bahnhaltepunkte besonders gründlich geprüft werden. Dass es allerdings ein Jahr dauert, bis eine Studie erstellt wird, die dann streng genommen schon nicht mehr aktuell oder nur bedingt aussagefähig ist, ist kaum verständlich. Dieses Verfahren ist eindeutig zu langatmig. Die Detailplanungen für den Bahnhof Meigen sollen im positiven Fall zwar erst in gut einem Jahr beginnen. Wenn es jetzt aber heißt, dass die Bahn noch eine weitere Untersuchung starten will, schwant einem nichts Gutes, was diese Zeitpläne angeht. Wer den ÖPNV stärken will, muss ihn attraktiver machen. Und dabei dürfen die Beteiligten bei solch wichtigen Projekten keine Zeit verlieren.

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