Energieversorgung

Strompreisbremse: Das müssen Sie jetzt wissen

Der Strompreis für Bestandskunden liegt in Solingen derzeit unter der staatlichen Strompreisbremse von 40 Cent.
+
Der Strompreis für Bestandskunden liegt in Solingen derzeit unter der staatlichen Strompreisbremse von 40 Cent.

Viele Themen bei der Energieversorgung bringen viele Fragen mit sich.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Abschlagserhöhung, Gaspreisbremse, Dezember-Aussetzung, Strompreisbremse, Mehrwertsteuersenkung: Bei der Energieversorgung gibt es viele Themen, die Verbraucher betreffen und teils für fragende Gesichter sorgen. Stefan Ziebs, Vertriebschef der Stadtwerke Solingen (SWS) für Geschäftskunden, und Katrin Gransee, SWS-Gruppenleiterin Vertrieb für Privatkunden und kleine Geschäftskunden, geben im Tageblatt Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Dezember-Abschlag: Ist die finanzielle Entlastung durch die Aussetzung bei allen Kunden angekommen?

Der Dezember-Abschlag wurde von den Stadtwerken nicht eingezogen oder konnte bei Daueraufträgen von den Kunden ausgesetzt werden. „Einen Monatsabschlag auszusetzen, war ein unkonventionelles Verfahren, damit die Hilfe schnell bei den Kunden ankam“, erklärt Ziebs. Mit der Jahresabrechnung müsse der Betrag aber noch, wie vom Gesetz vorgegeben, exakt abgegrenzt werden. „In der Regel zahlen SWS-Privatkunden pro Jahr elf Abschläge, im zwölften Monat wird die Jahresabrechnung erstellt.“ Somit haben die SWS im Dezember also ein Elftel des prognostizierten Jahrespreises erlassen, der Bund erstattet aber nur ein Zwölftel. Für die exakte Abrechnung wird deshalb ein Zwölftel des Jahresverbrauchs – auf Grundlage des im Dezember geltenden Gaspreises – ermittelt und verrechnet. „Bei diesem ganzen Verfahren haben wir keinen Spielraum. Das wird genau vom Bund kontrolliert“, erklärt Ziebs.

Mehrwertsteuer: Ab wann gilt die Senkung bei Gas von 19 auf 7 Prozent?

Die Senkung der Mehrwertsteuer auf Gas gilt ab dem 1. Oktober 2022. „Ab dem Zeitpunkt haben wir die Systeme umgestellt“, erklärt Katrin Gransee. „Das wird sich auch genau abgegrenzt auf den Abrechnungen widerspiegeln“. Bei Strom bleibe allerdings die Besteuerung mit 19 Prozent.

Gaspreis: Wie weit liegt Solingen über der Gaspreisbremse?

Beim Tarif für die Bestandskunden liegen die Stadtwerke nur minimal über der Gaspreisbremse von 12 Cent pro Kilowattstunde. Ein Beispiel: Im Klingengas-Plus-Tarif liegt der Preis bei einem üblichen Jahresverbrauch von 20 000 kWh bei 12,72 Cent pro kWh. „Da greift die Bremse, die ja für 80 Prozent des Verbrauchs gilt, nur minimal“, rechnet Stefan Ziebs vor. „Aber natürlich rechnen wir auf den Cent genau ab.“

Neue Abschläge: Wie wirkt sich die Gaspreisbremse aus?

Die Gaspreisbremse greift ab März, gilt aber rückwirkend ab Januar. „Das alles zu programmieren, ist sehr aufwendig, dafür brauchen wir die Zeit bis März“, erklärt Ziebs. Für die gesetzeskonforme Umsetzung haben die Stadtwerke Solingen mit anderen großen Stadtwerken gemeinsame Tools aufgebaut. „Unsere Kunden werden wir bis Ende Februar informieren“, beschreibt Katrin Gransee die Mitteilungspflicht. Den Kunden werden dann die neuen Abschläge ab 1. März mitgeteilt. „Die Wirkung soll ja auch direkt bei den Verbrauchern ankommen“, ergänzt Ziebs. Wo ein Vermieter oder Verwalter ein Haus mit mehreren Miet- oder Eigentumswohnungen betreut, wird die Ersparnis am Ende des Wirtschaftsjahres über die Nebenkosten-Abrechnung ausgeglichen.

Strompreisbremse: Wie wirkt die sich aus?

Der Strompreis für Bestandskunden mit einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden liegt bei den SWS derzeit bei einem Arbeitspreis von 38,56 Cent pro Kilowattstunde und damit unter der vom Bund festgelegten Strompreisbremse von 40 Cent. „In dem Fall hat die Strompreisbremse keine Auswirkung“, verweist Ziebs auf den günstigen SWS-Tarif. Der Preis für Neukunden läge mit 47,75 Cent über der Strompreisbremse.

Abrechnung: Kommt die Jahresschlussrechnung immer zum 31. Dezember?

Tatsächlich sind die Jahresschlussrechnungen der SWS bei den Solinger Kunden über das Jahr verteilt. „Dazu haben wir die Stadt nach Straßenzügen in 32 Bezirke aufgeteilt“, erklärt Katrin Gransee. Solch ein monatlich rollierendes Abrechnungssystem für die Jahresabrechnung sei in Großstädten üblich, so Stefan Ziebs. „Alle Abrechnungen zum Jahreswechsel zu erstellen, wäre für uns vom Arbeitsaufwand nicht leistbar.“

Online-Tarifsuche: Warum bieten die SWS nur den Klingenstrom-Tarif an, nicht aber die derzeit günstige Grundversorgung?

„Mit der Grundversorgung kommen wir unserer Versorgungspflicht in Solingen nach – auch für Kunden, die nicht aktiv einen Versorgungsvertrag abschließen oder einen solchen bei einem anderen Anbieter gar nicht bekommen“, erklärt Kerstin Griese, Leiterin der SWS-Unternehmenskommunikation. Deshalb – und weil die Grundversorgung üblicherweise immer teurer war – werde dieses Angebot nicht aktiv vermarktet und auch nicht im Online-Portal hinterlegt. Durch die Energiekrise komme es aktuell am Markt zu Verwerfungen, die dafür sorgen können, dass der Grundversorgungstarif – für den Energie oft zugekauft werden muss – kurzzeitig unter dem Sondertarif liege, so Stefan Ziebs. Mittelfristig werde sich der Markt aber regulieren, so dass Sonderverträge wieder günstiger als die Grundversorgung sein werden. „Sonderverträge ermöglichen es uns, langfristig und geplant am Strommarkt einzukaufen und so auch günstigeren Strom zu beschaffen.“ Nach wie vor seien aber die Sonderverträge der Bestandskunden günstiger als die aktuelle Grundversorgung. „Der höhere Preis für Sonderverträge gilt nur für Neukunden, die vorher bei einem Fremdversorger waren und aufgrund der Preissteigerungen aktiv nach einem günstigeren Anbieter suchen“, so Griese.

Abrechnung

Für Irritationen sorgten die Stadtwerke beim Versand der Abschlagspläne. Trotz Senkung der Mehrwertsteuer auf Gas waren dort 19 Prozent angegeben. Sprecherin Lisa Nohl versichert: Nur im Anschreiben sei versehentlich die Rede von 19 Prozent, der Bruttobetrag sei mit 7 Prozent richtig berechnet und die Rechnung somit korrekt. -bjb-

Standpunkt von Simone Theyßen-Speich: Transparenz ist gefragt

simone.theyssen-speich@solinger-tageblatt.de

Viele Verbraucher blicken nicht mehr durch. Mehrere Erhöhungen angesichts der steigenden Energiepreise im vergangenen Jahr, Anpassungen der Abschläge, die aber zum März wieder gesenkt werden, weil die Gas- und Strompreisbremsen greifen. Wer das noch für seinen Verbrauch und die eigene Rechnung genau nachhalten will, der muss sich den Taschenrechner und viel Zeit nehmen – und regelmäßig seine Zählerstände im Blick haben.

Deshalb ist es umso wichtiger, dass die Stadtwerke, bei denen die meisten Solinger Kunde sind und die auch eine Versorgungspflicht für die Stadt haben, umfassend informieren. Transparenz ist das Gebot der Stunde. Wenn die Kunden in übersichtlichen und möglichst einfachen Abrechnungen nachvollziehen können, was passiert, dann können viele Nachfragen vermieden werden.

Die nächste SWS-Mitteilung zur Preisbremse kommt Ende Februar. Rund um das Thema Energieversorgung kann es derzeit gar nicht zu viele Informationen geben.

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Rund 200 Menschen ziehen durch Solingen
Rund 200 Menschen ziehen durch Solingen
Rund 200 Menschen ziehen durch Solingen
Polizei stoppt angetrunkenen Solinger
Polizei stoppt angetrunkenen Solinger
Polizei stoppt angetrunkenen Solinger
Karnevalisten feiern ausgelassen im Stadtsaal
Karnevalisten feiern ausgelassen im Stadtsaal
Karnevalisten feiern ausgelassen im Stadtsaal
Hotel am Hauptbahnhof: Termin für Baustart bleibt offen
Hotel am Hauptbahnhof: Termin für Baustart bleibt offen
Hotel am Hauptbahnhof: Termin für Baustart bleibt offen

Kommentare