Energie

Strategie für alte Solaranlagen gesucht

Die Förderung für alte Photovoltaikanlagen, die vor 2001 gebaut wurden, läuft zum Jahresende aus. Die Anlage kann – je nach Zustand – weiterbetrieben werden oder muss ersetzt werden. Foto: Christian Beier
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Die Förderung für alte Photovoltaikanlagen, die vor 2001 gebaut wurden, läuft zum Jahresende aus. Die Anlage kann – je nach Zustand – weiterbetrieben werden oder muss ersetzt werden.

Handwerk und Stadtwerke bieten Lösungen an – Förderung läuft zum Jahresende aus.

Von Philipp Müller

Solingen. Vor 20 Jahren waren Solaranlagen auf den Solinger Dächern noch ein exotischer Anblick. Heute geht ihre Zahl in die Hunderte. Für 30 der Anlagen, die vor 2001 auf den Dächern gebaut wurden, ist der 31. Dezember jetzt aber ein wichtiger Stichtag. Denn ab dem 1. Januar 2021 dürfen sie eigentlich keinen Strom mehr ins öffentliche Netz einspeisen. Denn die Zeit, in der es dafür nach der EEG -Umlage Geld für jede Kilowattstunde gab, ist jetzt vorüber. Doch damit kommt nicht automatisch das Aus für die alten Sonnenkraftwerke. Ein Überblick über eine Strategie für den Neustart:

Was ist die EEG-Umlage, wie geht es mit ihr weiter?

Mit der Umlage sollte der Ausbau der Solartechnik zur Stromerzeugung gefördert werden. Der Solinger Elektromeister Uwe Luchtenberg von der Elektroinnung erklärt: Je mehr Strom erzeugt wurde, umso besser konnten Kaufpreis und Errichtung der Anlage gedeckt werden. Gab es zu Anfang noch 60 Cent pro Kilowattstunde, so sind es heute nur noch 8,3 Cent – 30 Cent kostet der Strom im Einkauf. Auch wenn die Umlage ausläuft, plant die Bundesregierung ein neues Gesetz, das bis 2027 auch für die Altanlagen vorsieht, dass Strom weiter ins Netz eingespeist werden kann. Dann jedoch zu Marktpreisen.

Lohnt sich der Weiterbetrieb alter Anlagen ab 2021?

Das hänge entscheidend zunächst vom Zustand der Anlage ab, erklärt Luchtenberg. Die Solinger Verbraucherzentrale rät daher, die Anlage jetzt überprüfen zu lassen. Florian Bublies, Energieberater der Verbraucherzentrale, erklärt, dafür fielen Kosten von 250 bis 300 Euro an. Das kann Luchtenberg so nicht bestätigen. Sei ein kleines Gerüst oder ein Hubwagen für die Kontrolle aus Sicherheitsgründen notwendig, könne der Preis auch bei 500 Euro oder mehr liegen. Doch auch er rät zur Kontrolle, denn das entscheide, wie man die Anlage künftig weiterbetreiben kann.

Welche Lösungen gibt es grundsätzlich für die Anlagen?

Am Ende stehen drei Möglichkeiten zur Verfügung, die man mit den Beratern der Innung, aber auch der Stadtwerke Solingen besprechen muss.

Weiter Strom einspeisen: Die Stadtwerke bieten – so wie viele andere Netzbetreiber – dieses Modell an. „ In Verbindung mit einem Stromliefervertrag kann der Kunde den erzeugten Strom an uns verkaufen und wir vergüten den im Gesetzesentwurf festgelegten Preis. Dieser orientiert sich am Großhandelspreis und liegt sehr deutlich unter der bisher für die Erzeugung gezahlte EEG-Vergütung“, erklärt Lisa Nohl, Sprecherin der Stadtwerke Solingen. Dazu stelle man den Kunden das „Hausgemacht-Produkt“ der Stadtwerke vor und zeige im Rahmen eines Gesprächs „Möglichkeiten einer Revitalisierung mit EEG-Vergütung“ auf. Diese Art der Direktvermarktung hat auch die Bundesregierung mit ihrer EEG-Novelle im Blick, die aber noch nicht verabschiedet ist.

Strom selbst nutzen: Uwe Luchtenberg rät, unbedingt zu prüfen, ob man den Strom einer intakten Altanlage nicht selbst nutzt. Das heißt, die Solaranlage speist den Strom ins hauseigene Netz ein. Dazu seien aber entsprechende Umbauten notwendig.

Altanlage abschalten: Verbraucherzentrale und Innungsmeister Luchtenberg schlagen diesen Weg vor, wenn die Anlage nicht mehr rentabel umzurüsten ist oder der Ertrag fürs Einspeisen ins Netz zu gering ausfällt.

Lohnt die Anschaffung einer neuen Photovoltaik-Anlage?

Luchtenberg sagt, das hänge entscheidend davon ab, wie viel Strom man selbst verbrauche, da die Einspeisevergütung heute sehr gering sei. Zunächst sei es so, dass moderne Kollektoren auf dem Dach bis zu dreimal mehr Strom pro Quadratmeter erzeugen als die alten Anlagen. Der eigene Strom einer neuen Anlage könne drei Wege gehen: Erstens fließt er direkt ins Netz. Zweitens kann er in einer Batterie zwischengespeichert werden. Der dritte Weg ist die Strom-Cloud. Dazu wird nicht benötigter Strom bei darauf spezialisierten Anbietern „geparkt“ und später wieder abgerufen. Fazit: Kostengünstig sei am Ende der Direktverbrauch des Solarstroms. „Die Wasch- und die Spülmaschine sollten am Tag laufen, wenn es besonders hell ist und viel eigener Strom zur Verfügung steht“, sagt Luchtenberg. So amortisiere sich die Anlage schon nach zehn Jahren.

Energieberater Florian Bublies erklärt, worauf Verbraucher bei erneuerbaren Energien achten müssen. Er gibt Tipps für die Nutzung von Solarstromanlagen.

Solarkataster

Die Stadt Solingen hat eine digitale Karte erstellt, anhand der jeder Grundstückseigentümer sehen kann, ob es an seinem Stadtort Sinn macht, Photovoltaik-Anlagen zu bauen:

https://www.solingen.de/de/inhalt/solarkataster/

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