Solinger Hbf

Frust bei den Bahnpendlern ist groß

Die S-Bahn 1 kommt am Solinger Hauptbahnhof immer wieder mit Verspätung an. Häufig fallen die Züge ganz aus. Foto: Tim Oelbermann
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Die S-Bahn 1 kommt am Solinger Hauptbahnhof immer wieder mit Verspätung an. Häufig fallen die Züge ganz aus.

Zu den Problemen bei der S1 der Deutschen Bahn kommen seit Wochen Ausfälle bei der S7 von Abellio.

  • Pendler in Solingen sind bei der Bahn Kummer gewohnt – auf der Linie der S1 häufen sich Ausfälle und Verspätungen.
  • Doch nun meldet auch Abellio für die S7 regelmäßig technische Störungen oder Personalausfall.
  • Die Probleme haben unterschiedliche Ursachen, Abellio und Bahn werben beide für Verständnis.

Von Andreas Tews

Solingen. Begriffe wie „Verspätungskürzung“ oder „Störung am Zug“ kennen bergische Eisenbahn-Pendler besser, als ihnen lieb ist. So begründet die Deutsche Bahn (DB) die nach wie vor häufigen Ausfälle und Verspätungen auf der S-Bahn-Linie 1 von und nach Düsseldorf. In den vergangenen Wochen ist der Frust bei vielen Fahrgästen noch gewachsen. Denn auch der in der Vergangenheit recht zuverlässige Anbieter Abellio meldet regelmäßig technische Störungen oder „Personalausfall“ als Gründe für Probleme auf der Strecke der S7 (Solingen-Remscheid-Wuppertal).

Bei der S1 fuhren vergangene Woche zum Beispiel S-Bahnen aus Richtung Dortmund wegen „Störungen am Zug“ nur bis Düsseldorf oder fielen ganz aus. Den für das ganze Bergische Land wichtigen Umsteigebahnhof in Solingen-Ohligs erreichten sie nicht. Fahrzeugstörungen bei der S7 wurden für Pendler spürbar zuletzt am Mittwoch gemeldet. Hier fuhren mehrere Züge aus Richtung Wuppertal nur bis Solingen-Mitte – erreichten also auch nicht den Hauptbahnhof der Klingenstadt. Auch am Wochenende gab es Probleme.

Solingen: Krankmeldungen bei Abellio führen zu Störungen

Als Gründe für die technischen Störungen nennt eine Abellio-Sprecherin unter anderem Bremsstörungen und „Fehler beim Aufrüsten“ der Fahrzeuge. Darunter verstehen Bahn-Fachleute das Vorbereiten der Züge auf den Einsatz – unter anderem durch Hochfahren der Elektronik oder den Druckaufbau an Bremsanlagen.

„Unsere Fahrzeuge befinden sich zu regelmäßigen Serviceintervallen in der Werkstatt.“

Abellio-Sprecherin

Die Sprecherin versichert, dass die Abellio-Züge in regelmäßigen Intervallen zum Service in der Werkstatt seien. Komme es kurz vor oder nach der Abfahrt aber dennoch zu Störungen, seien Verspätungen oft die Folge. Werden diese zu groß, kehren die Züge an einem bestimmten Punkt um, um so die Verzögerungen wieder aufzuholen. Auf dem Rest der Strecke fällt die Bahn dann aus. Je nach Störung rücke das Werkstattteam auch zum Zug auf der Strecke aus.

Die jüngsten Krankmeldungen haben laut Abellio deswegen zu Störungen geführt, weil sie spätabends oder erst nachts erfolgt seien. Derzeit seien im Bereich der S7 einige Kollegen erkrankt. Von einer erhöhten Ausfallquote könne beim Personal aber nicht die Rede sein. Bei den aktuellen Fällen handele es sich zwar nicht um Covid-19-Erkrankungen. Zum Schutz der Kollegen und anderer Mitmenschen sei das Personal aber angehalten, sehr vorsichtig damit umzugehen, wenn Erkältungssymptome auftreten, erklärte die Unternehmenssprecherin. Grundsätzlich verfüge Abellio über eine Bereitschaft, die einspringen könne. Bei kurzfristigen Ausfällen gelinge dies aber nicht immer umgehend.

Solingen: Deutsche Bahn wirbt um Verständnis für Verspätungskürzung

Auch bei der DB wirbt man um Verständnis. Deren Sprecher verweist in erster Linie auf die voll belegten Gleise in Nordrhein-Westfalen, die sich die S1 mit anderen Zügen teilen müsse. Schaukeln sich dadurch zu große Verspätungen auf, drehen die Züge – zumeist in Hilden – um. Der Solinger Hauptbahnhof liege am Ende der Strecke. Darum sei er davon besonders häufig betroffen, erklärt der DB-Sprecher. Verfügbarkeitsprobleme bei Zügen oder Lokführern gebe es bei der DB hingegen nicht.

Die teilweise Kappung der S1-Strecke in Duisburg habe nicht zum erhofften Erfolg geführt. Auch der in Essen stationierte Einsatzzug könne nicht alle Ausfälle auffangen. Er werde auf den Linien S1 und S4 aber regelmäßig eingesetzt. Der DB-Sprecher sieht die Ausfallquote bei der S1 unter einem Prozent. Dennoch sei man bei der DB an dem Thema dran.

S1: Einsatzzug steht jetzt in Essen

Lange haben Vertreter der bergischen Städte um einen Einsatzzug der Deutschen Bahn gekämpft, der einschert, um Ausfälle bei der S-Bahn-Linie 1 zu mildern. Vor fünf Jahren wurde er fest am Düsseldorfer Flughafen stationiert. Er fing zwar nicht alle Unregelmäßigkeiten auf, als er vor drei Jahren wegen Personalmangels aber nicht einsatzbereit war, fiel dies auf. Jetzt ist der Zug nach Angaben eines DB-Sprechers in Essen stationiert – und fängt Ausfälle bei der S1 und der S 4 auf.

Glimpflich ausgegangen ist kürzlich ein Zugunfall am Bahnübergang Schnittert am Caspersbroicher Weg: Dort entgleiste eine historische Lokomotive, die abgeschleppt werden musste. Der Bahnübergang Schnittert wurde gesperrt.

Nicht nur verspätete oder ausfallende Züge nerven die Fahrgäste: Auch fehlende Fahrkartenautomaten und verdreckte Bahnhöfe sorgen für Unmut.

Im Juli wurde der Solinger Hauptbahnhof Schauplatz eines tragischen Unfalls: Eine 26-Jährige hatte ihr Handy im Zug liegen lassen und wollte wieder einsteigen, als der Zug schon anfuhr. Dabei war sie unglücklich zwischen Bahnsteigkante und Zug gestürzt und wurde mitgerissen.

Standpunkt: Es fehlt an vielen Stellen

Von Andreas Tews

andreas.tews@solinger-tageblatt.de

Die sogenannte Verkehrswende ist derzeit in aller Munde. Erst am vergangenen Donnerstag hat sich der Stadtrat dafür ausgesprochen, dass der Solinger Linienbusverkehr in den Händen der Stadtwerke bleiben solle, damit die Politik steuern kann und damit Entscheider vor Ort schnell auf Veränderungen reagieren können. Von einem solchen Zustand sind die Bahnunternehmen und ihre Fahrgäste aber meilenweit entfernt. Wenn Probleme seit Jahren bekannt sind und zurecht von den Kunden kritisiert werden, dann ist es ein Unding, wenn nichts Entscheidendes geschieht, um dies zu ändern.

Es ist zwar nicht erstrebenswert, den Bahnverkehr wieder zu verstaatlichen. Es ist aber an der Zeit, dass der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr die Unternehmen mehr in die Pflicht nimmt – und bei nicht erbrachter Leistung die Zahlungen kürzt. Damit ist es aber nicht getan. Eine Ursache des Problems ist das fehlende Geld. Unter Kostendruck leidet die Qualität des Angebots. Wer eine Verkehrswende will, muss vonseiten der Politik deutlich mehr Geld für den ÖPNV und seine Infrastruktur zur Verfügung stellen.

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