Helferin berichtet

Stimmung gegenüber Flüchtlingen aus der Ukraine kippt

Gabriela Fritz hat bereits 75 Wohnungen an ukrainische Geflüchtete in Solingen vermittelt.
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Gabriela Fritz hat bereits 75 Wohnungen an ukrainische Geflüchtete in Solingen vermittelt.

Gabriela Fritz vermittelt Wohnungen an Geflüchtete und beobachtet einen zunehmend rauen Ton in der Debatte.

Von Kristin Dowe

Solingen. Gabriela Fritz kennt sie zur Genüge: Jene abfälligen Kommentare in sozialen Netzwerken wie Facebook über Geflüchtete aus der Ukraine, dass diese in Deutschland „alles in den Hintern geschoben bekommen“ und „dass Deutsche ja auch Wohnungen suchen“ würden. „Ich rege mich da jedes Mal fürchterlich darüber auf und habe selbst schon Anfeindungen erlebt, weil ich den Menschen meine Hilfe anbiete“, ärgert sich die 48-Jährige, die nach eigenen Angaben in Solingen in Kooperation mit dem Immobilien-Unternehmen Lürwer in Ohligs, wo Fritz beschäftigt ist, bereits gut 75 Wohnungen in der Klingenstadt an geflüchtete Ukrainer vermittelt hat.

Manchen Solingern ist Gabriela Fritz als Entwicklerin einer Plattform für Händler in der Krise während der Corona-Pandemie bekannt, was ihr 2021 eine Nominierung für den Solinger Bürgerpreis einbrachte. Als im März dieses Jahres die ersten Frauen mit Kindern aus der Ukraine in Solingen eintrafen, habe sie erneut einfach nur helfen wollen. Die Solidarität mit den Geflüchteten sei anfangs insgesamt enorm gewesen, doch mittlerweile beobachte sie auch: „Die Stimmung gegen die Ukraine kippt. Dabei können die Menschen nicht das Geringste für ihre Situation.“

So unterstützt sie die Betroffenen bei der Wohnungssuche, indem sie als Schnittstelle agiert und Wohnungssuchende mit Eigentümern zusammenbringt und etwa Formulare für die Betroffenen ausfüllt. An die Eigentümer möchte sie einen dringenden Appell richten, da es aus ihrer Sicht grundsätzlich genügend freie Wohnungen in der Klingenstadt gebe: „Ich bitte alle Eigentümer, ihren Wohnraum auch freizugeben. Und zwar nicht nur an Ukrainer, sondern auch an andere sozial bedürftige Menschen.“

Sie wolle keineswegs pauschalisieren, dass alle Eigentümer Vorbehalte gegenüber Geflüchteten hätten, doch gebe es in einigen Fällen noch eine Hemmschwelle, an diese Gruppe zu vermieten. „Einige Eigentümer möchten tatsächlich generell nicht an sozial schwache Menschen vermieten.“ Sie rechne damit, dass perspektivisch auch Russen, die den Kriegsdienst verweigern, Zuflucht in Deutschland suchen werden. In der deutschen Politik wird die Frage nach dem Umgang mit russischen Flüchtlingen zurzeit kontrovers diskutiert.

Gabriela Fritz' Hilfsangebot hat sich auch bei der Stadt herumgesprochen: „Das Jobcenter schickt die Ukrainer mittlerweile oft direkt zu mir. Das ist auch in Ordnung so.“ Insgesamt arbeite sie mit den beteiligten Behörden sehr gut zusammen.

Abgesehen von der Wohnungssuche sei es für die ukrainischen Familien häufig schwierig, zeitnah eine Erstausstattung zu erhalten. „Man darf nicht vergessen, dass die Leute mit nichts zu uns kommen – und zwar vom Handtuch bis zum Löffel. Manchmal sitzen sie wochenlang ohne alles in der Wohnung.“ Auch müsse der Transport von Möbelspenden und anderen Dingen aufwendig organisiert werden.

Trotz der gegenwärtigen Wirtschaftskrise, in der viele Solinger mit eigenen Problemen zu kämpfen haben, wirbt Fritz dafür, die Solidarität mit der Ukraine jetzt nicht bröckeln zu lassen. „Wenn wir ohne alles in einem fremden Land ankommen würden, wären wir auch für jede Hilfe dankbar.“

Hintergrund

Kontakt: Eigentümer, die Wohnraum zu vermieten haben, können sich unter Tel. 0159 / 03 01 00 27 an Gabriela Fritz wenden. Ansprechpartner bei der Stadt ist darüber hinaus der Stadtdienst Wohnen, Tel. (0212) / 290-22 40.

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