Alles andere als mediterran

Solinger stellt nördlichstes Olivenöl der Welt her

Bastian Jordan (r.) und Michael Becker stellen das nördlichste Olivenöl der Welt her. Foto: Stephan Eppinger
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Bastian Jordan (r.) und Michael Becker stellen das nördlichste Olivenöl der Welt her.

Bastian Jordan rief zusammen mit einem Pulheimer Unternehmen ein ungewöhnliches Projekt ins Leben.

Von Stephan Eppinger

Solingen. Die kühlen Temperaturen an diesem Novembervormittag sind alles andere als mediterran – der Herbst hat auch das Rheinland fest im Griff. Da verwundert der Blick auf den Olivenhain in Stommeln, einem Ortsteil der Stadt Pulheim, wo gerade die Ernte in vollem Gange ist. Genau im Blick hat dies der Solinger Olivenölhändler Bastian Jordan, der aus der Ernte das wohl nördlichste Olivenöl der Welt presst. „Es gibt in British Columbia einen kanadischen Olivenhain, aber der liegt vom Breitengrad her etwa 35 Kilometer südlicher als die Fläche hier.“

Der Kontakt zu Michael Becker, der im Pulheimer Stadtteil seinen Gartenhof mit den ungewöhnlichen Bäumen aus dem Süden betreibt, entstand 2010 durch das Olivenfest, das immer im Frühjahr stattfindet. „Zunächst dachte ich, dass hier vielleicht zwei oder drei Bäumchen stehen. Als ich dann den großen Hain gesehen habe, war ich ziemlich beeindruckt. Ich hätte auch nie gedacht, dass wir aus den Oliven einmal Öl machen können“, sagt der Solinger, der gerade den Olivenbrei für die kleine Presse vorbereitet, die er in Italien bestellt hat.

Die Idee mit den Oliven hatte Michael Becker vor 15 Jahren: „Wir haben hier einen Obstbaubetrieb, den mein Vater 1948 gegründet hat. Als ich mit der Idee zum Olivenhain kam, hat er mich für verrückt gehalten. Ich wusste auch selbst nicht, ob daraus etwas werden wird. Der Wunsch vom eigenen Öl war aber von Anfang da“, sagt der Gartenexperte. Möglich sei der Olivenanbau, weil die Kölner Bucht im Winter zu den wärmsten Gegenden in Deutschland gehört. Es habe auch Nachahmer in der Pfalz und in Baden gegeben, da seien die Bäume aber im kalten Winter kaputtgegangen. „Das nächste Anbaugebiet für Oliven findet sich in Europa erst wieder am Gardasee“, berichtet Becker.

Schon nach drei Jahren konnten erste Oliven geerntet werde

Auch er musste im Winter 2008/2009 einen Rückschlag hinnehmen, als der Frost einige Tage anhielt und viele Bäume die eisigen Temperaturen nicht überlebten. „Wir haben den Rest kultiviert und haben so an unserer Idee festgehalten. Heute haben wir 115 Bäume, ein paar davon haben wir inzwischen auch nachgepflanzt.“

Normalerweise dauert es bis zu zehn Jahren, bevor die erste Ernte möglich ist. „Bei uns war das anders. Wir konnten schon nach drei Jahren insgesamt knapp 30 Kilo Oliven ernten. Das hat Mut gemacht. Und dieses Jahr ist ein echtes Olivenjahr in Stommeln, wir ernten aktuell etwa fünf Kilo pro Baum“, sagt Becker, der inzwischen auch Anfragen von Hochzeitspaaren hat, die ein mediterranes Fotomotiv suchen.

Das erste Olivenöl konnten Jordan und Becker schon am Montag verkosten. „Das war sehr lecker, herb und kräftig“, freut sich Becker und Jordan ergänzt: „Das Öl muss natürlich noch etwa zwei bis drei Monate reifen, sonst schmeckt es zu intensiv. Aber es ist faszinierend, dass es tatsächlich geklappt hat.“

Zunächst werden die Oliven zerbrochen, so dass ein grober Brei entsteht. Der wird im sogenannten Malaxierer weiter gewalkt. Durch diesen Prozess werden Enzyme freigesetzt und die Masse verliert vor dem eigentlichen Pressvorgang schon Wasser. „Beim Pressen entsteht weiteres Wasser und das eigentliche Olivenöl schwimmt auf diesem. Lässt man das Wasser dann ab, hat man das reine Öl.“

Zum Olivenöl ist seine Familie gekommen, als Jordans Großeltern 1989 nach Griechenland ausgewandert sind. Dort hatten sie auf der Insel Lesbos ein Grundstück mit 100 Olivenbäumen erworben. Die Arbeit mit den Bäumen hat Jordans Großvater von griechischen Bauern gelernt. 2000 wurde das erste eigene Olivenöl produziert. Das Familienunternehmen führt Jordan in Solingen mit seinen Schulfreunden Nils Georgi, Christian Scheemann und Marc Goßen. „Das, was wir hier in Stommeln machen, ist für uns zunächst einmal ein Projekt, das ich auch als Statement zum Klimawandel betrachte“, betont Jordan.

Oliven

Angepflanzt wird in Stommeln die Baumsorte Leccino. Diese kommt sonst in der südlichen Toskana und in Umbrien zum Einsatz. Dort werden die Bäume auch in höheren Lagen angebaut, da sie nicht so frostempfindlich sind. Geerntet wird mit der Hilfe von Freunden und Verwandten. Der Gartenhof Becker mit dem Olivenhain liegt im Pulheimer Stadtteil Stommeln, Rosenhof 1.

www.gartenhof-becker.de www.jordanolivenoel.de

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