Stromnetz könnte an Grenzen stoßen

Solingen stellt Energiesparpläne im September vor

Steigende Energiekosten können zu finanziellen Engpässen führen.
+
Steigende Energiekosten können zu finanziellen Engpässen führen.

Die Verwaltung prüft die Zahl ihrer Standorte.

Von Björn Boch

Solingen. Die Verwaltung kündigt für den September detaillierte Pläne an, wie Energie gespart werden soll. „Wir können damit nicht bis zu den Haushaltsberatungen warten“, sagte Kämmerer Daniel Wieneke (SPD) im ST-Interview. Solingen werde mehrere Schritte umsetzen „und jede Kilowattstunde sparen, die wir sparen können“. Die Konzepte würden gerade erarbeitet, im Verwaltungsvorstand beraten und danach der Politik vorgestellt. „Wenn es wirklich kalt wird und wir die Maßnahmen brauchen, werden wir sie auch haben.“

Die Bundesregierung hat bereits Verordnungen verabschiedet, die das Heizen und Beleuchten von öffentlichen, teilweise aber auch privaten Gebäuden einschränken. An die wird die Stadt anknüpfen. So sollen öffentliche Gebäude ab September in der Regel bis maximal 19 Grad beheizt werden, Durchgangsbereiche gar nicht mehr – Ausnahmen gelten etwa für Krankenhäuser oder Pflegeeinrichtungen. Außerdem sollen Gebäude, die aus ästhetischen oder repräsentativen Gründen beleuchtet werden, dunkel bleiben, ebenso Werbeanlagen. Im privaten Bereich werden Mietvertragsklauseln zu Mindesttemperaturen ausgesetzt und es wird verboten, private Pools mit Gas und Strom zu beheizen.

„Das wird auch bei uns ein Problem werden.“

Daniel Wieneke, Kämmerer, über den Fachkräftemangel

Als Vorteil in der Energiekrise sieht Kämmerer Wieneke, dass die öffentlichen Schwimmbäder zum Beispiel über Fernwärme versorgt werden. „Vielleicht muss das aber dennoch reduziert werden, um mehr Strom zu produzieren, weil sich jetzt alle mit Radiatoren eindecken. Dann könnte das Netz an Grenzen stoßen.“

Um zu sparen, überprüfe die Verwaltung außerdem die Zahl ihrer Standorte. „Corona hat den Kolleginnen und Kollegen, aber auch den Führungskräften gezeigt: Home-Office funktioniert. Das müssen wir ausnutzen. Und deshalb fragen wir uns, ob wir noch alle Standorte aufrechterhalten müssen oder ob wir nicht auch um ein oder zwei reduzieren können“, sagte Wieneke, ohne weitere Details zu nennen. „Wir schauen uns die Belegungszahlen da ganz genau an.“ Das werde den Haushalt nicht retten, aber einen kleinen Beitrag leisten.

Home-Office sei in Zeiten fehlender Fachkräfte eine Qualität. In der Verwaltung arbeiteten viele, die weite Anreisen haben. Zwei Stunden weniger am Tag auf der Straße bedeute mehr Lebensqualität und sei gut für die Umwelt.

Der Personalmangel treffe auch die Stadt immer stärker, nicht nur in stark spezialisierten Bereichen wie IT oder Bau, sondern auch im normalen Verwaltungsgeschäft. „Oder bei Erzieherinnen: Düsseldorf hat 25 Kindergartengruppen neu gebaut, kann sie aber nicht öffnen. Das wird auch bei uns ein Problem werden.“

Warum Solingen strukturell zu wenig Geld hat, was Förderprogramme mit Drogenhandel zu tun haben und warum die Grundsteuer eigentlich jedes Jahr steigen müsste, erklärt Daniel Wieneke am Montag im großen ST-Interview.

Passend zum Thema: Unternehmen suchen Alternativen zu Gas

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Am Freitag öffnet der „Ohligser Supermarkt“
Am Freitag öffnet der „Ohligser Supermarkt“
Am Freitag öffnet der „Ohligser Supermarkt“
Entscheidung zwischen Familie und Heim
Entscheidung zwischen Familie und Heim
Entscheidung zwischen Familie und Heim
Vierjähriger schickt Brief an die Feuerwehr
Vierjähriger schickt Brief an die Feuerwehr
Vierjähriger schickt Brief an die Feuerwehr
Lidl eröffnet neue Filiale am Nümmener Feld
Lidl eröffnet neue Filiale am Nümmener Feld
Lidl eröffnet neue Filiale am Nümmener Feld

Kommentare