Tradition

Stefan Schreiner betreibt einen eigenen Kotten

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Stefan Schreiner arbeitet nebenberuflich im Kotten, den sein Vater aufgebaut hatte.

Der Geschäftsführer der Bergischen Symphoniker schleift und montiert Messer in seinem Wohnhaus.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Dort werden Zöppken gefertigt.

Solingen. Die Schleifmaschinen und die Waschbecken von damals sind nicht mehr da. Dafür Bohrmaschinen oder Kreissägen – und Regale mit jeder Menge Kartons voller fertiger oder halbfertiger Küchenmesser, den Zöppken. Schöne Griffe, zum Beispiel aus gemasertem Pinienholz warten darauf, montiert zu werden.

Im Nebenraum arbeitet Stefan Schreiner, im Hauptberuf Geschäftsführer der Bergischen Symphoniker, bei Lampenlicht am frühen Samstagmorgen an der Montage von langen Sägemessern wie sie zum Brotschneiden Verwendung finden.

„Sowas macht mir richtig Spaß: eine Tätigkeit, die den Kopf frei macht, weil man sich mal auf was komplett anderes konzentrieren muss und die am Ende ein sichtbares handfestes Ergebnis hat.“

Dort werden Zöppken gefertigt.

Als sein Vater, gelernter Schleifer und Inhaber der Schreiner GmbH, vor 24 Jahren überraschend starb, sprang Sohn Stefan in die Bresche. Gemeinsam mit Ehefrau Cornelia, die unter der Woche im Kotten vor Ort ist und zusammen mit einer Hand voll Aushilfskräften das Alltagsgeschäft stemmt, hatte er sich damals entschieden, den väterlichen Betrieb, der ausschließlich auf Handarbeit setzt, weiterzuführen. „Mit Blick auf die Belegschaft wollten wir zumindest so lange weitermachen bis der letzte Mitarbeiter ordnungsgemäß im Rentenalter angekommen, war – und das hat auch so funktioniert.“

Schritt für Schritt aber haben er und seine Frau den Betrieb abgespeckt, inzwischen werde nur noch gereidet und ausgemacht – also die Griffe an die Klinge montiert und das Holz feinpoliert. Schließlich habe er selbst wenig Zeit aktiv dabei zu sein. „Das war von Anfang an klar“, erzählt Stefan Schreiner, der auf Wunsch seines Vaters nach dem Abitur nicht in dessen Handwerks-Fußstapfen getreten war, sondern andere berufliche Wege gesucht hatte. „Obwohl ich als Teenager schon immer gerne mal mitgearbeitet hatte. Ich bin ja quasi hier drin groß geworden.“

„Sowas macht mir richtig Spaß, eine Tätigkeit, die den Kopf frei macht.“ 

Stefan Schreiner

Als Geschäftsführer der Bergischen Symphoniker dauern seine Arbeitstage auch schon mal bis in den späten Abend hinein. „22 Uhr als Ende ist keine Seltenheit.“

Außerdem gibt es noch weitere Einsatzorte des rührigen Mannes: Seit 45 Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr, sind seine Uniformstreifen inzwischen silbern. Trotz Corona habe er gerade gut für die Wehr zu tun, sagt er und schafft es trotzdem, seine aktuelle Präsidentschaft bei den Solinger „Kiwanis“ auch noch in seinen Terminkalender zu packen.

Im Kotten habe er aber immer noch gut zu tun: „Wir sind ein sogenannter Nischenbetrieb geworden und montieren viele Spezialmesser“, sagt Stefan Schreiner. Ein Kunde in den Niederlanden beziehe zum Beispiel solche, die gut zum Paprika-Schälen geeignet sind, erläutert Cornelia Schreiner und zeigt die besonderen Klingen.

Trotzdem ist sich das Ehepaar sicher, dass die nächste Generation den Familienbetrieb nicht weiterführen wird: Der Sohn habe schon abgewunken, sagen beide, die inzwischen zweifache Großeltern sind. „Wir wohnen obendrüber und das wir den Kottenbetrieb so laufenlassen können wie jetzt, ist auf unser Leben maßgeschneidert. Aber eben nur für uns, für jeden anderen wäre das zu aufwendig und zu kostenintensiv.“

Kotten

Ein Kotten war die Bezeichnung eines einzelnen einfachen Wohnhauses oder einer einzelnen Werkstatt in oder abseits der dörflichen Gemeinschaft. In Solingen hat diese Mischung aus Wohnen und Arbeitsstätte durch die Klingenherstellung eine lange Tradition. Bekannt und augenfällig sind die wassergetriebenen Kotten, etwa der Balkhauser Kotten, an der Wupper.

Die Firma Zimmerei und Holzbau Hirsch besteht seit einem halben Jahrhundert.

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