Lochbach

Stauraumkanal: Bau könnte sich verzögern

Der geplante Bau eines Stauraumkanals an der Tunnelstraße wird weiter kontrovers diskutiert. Foto: Christian Beier
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Der geplante Bau eines Stauraumkanals an der Tunnelstraße wird weiter kontrovers diskutiert.

Naturschutzbeirat stimmte mehrheitlich für eine Vertagung des Vorhabens an der Tunnelstraße.

Solingen. Es kommt nicht alle Tage vor, dass ein politisches Gremium eine Beschlussempfehlung der Verwaltung ablehnt – im Beirat Untere Naturschutzbehörde ist genau dies am Dienstagabend passiert: Mehrheitlich stimmten die Mitglieder gegen einen Antrag der Technischen Betriebe (TBS), der Beirat möge grünes Licht für eine Befreiung von Verboten des Landschaftsschaftsplans geben, damit an der Tunnelstraße in Ohligs ein Stauraumkanal zugunsten des Gewässerschutzes gebaut werden kann. Dafür müssen – entsprechend den ursprünglichen Plänen der Verwaltung – allerdings 35 Bäume im Bereich der Tunnelstraße und der Deusberger Straße gefällt werden. Dies ist nur eine negative Auswirkung von vielen, die Anhänger einer Bürgerinitiative an dem Projekt kritisieren.

In dem Eingriffsbereich befinden sich vier Regenüberläufe, die nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik entsprechen. Wulf Riedel, Teilbetriebsleiter bei den TBS, drückte es drastischer aus: „Das sind absolute Dreckschleudern“, befand er über den Zustand der Bauwerke, die dazu führten, dass aufgrund ihres mangelnden Fassungsvermögens aktuell große Mengen mit Fäkalien belastetes Schmutzwasser in den Lochbach abgeschlagen würden. Ein neuer Stauraumkanal könne das Abwassersystem entscheidend entlasten.

Das sind absolute Dreckschleudern.

Wulf Riedel, Teilbetriebsleiter TBS

Gleichzeitig wehrte Riedel sich gegen Kritik, die TBS würden vor allem eigene Interessen mit dem Projekt verfolgen. „Der Lochbach liegt auch mir sehr am Herzen. Wasser ist die Grundlage allen Lebens“, so Riedel. Somit bilde der Gewässerschutz die Voraussetzung für ein intaktes Ökosystem, zumal die Stadt zur Reinhaltung der Gewässer gesetzlich verpflichtet sei. Zwar seien die Nachteile im Zuge der Bauarbeiten unstrittig, doch seien diese auch nur für einen begrenzten Zeitraum spürbar. „Was wir jetzt dort planen, hat für die nächsten 100 Jahre Bestand. Dann fassen wir den Bereich nicht mehr an“, versprach Riedel. Die vorgesehenen Ausgleichsmaßnahmen, unter anderem eine Wiederbepflanzung der Böschung an der Tunnelstraße, sollen nach anfänglicher Kritik jetzt im direkten Eingriffsbereich der Baustelle liegen und nicht, wie zunächst geplant, eher außerhalb.

Hinreichend überzeugt haben die Argumente den Beirat dennoch nicht. Auch innerhalb der Bürgerinitiative gehen die Meinungen auseinander: Während die einen den Bau des Stauraumkanals am liebsten ganz verhindern würden, wünschen sich andere vor allem mehr Zeit für eine sorgfältigere Untersuchung der Folgen für die Tier- und Pflanzenwelt, die durch die Arbeiten in Mitleidenschaft gezogenen würden.

Dies fordert auch ein Antrag des Beiratsvorsitzenden Enrique Pless, den die Mitglieder einstimmig annahmen: Demnach will der Beirat Untere Naturschutzbehörde erst im Herbst über das Vorhaben abstimmen. Weiterhin spricht er sich für die bauliche Variante aus, bei der elf Bäume ab der Kreuzung Mittelstraße von einer Fällung verschont werden könnten, indem man die Bautrasse teilweise in den Straßenraum verlegt. Nach Angaben der Verwaltung würde dies Mehrkosten in Höhe von circa 1,65 Millionen Euro zusätzlich zu den veranschlagten 5,9 Millionen Euro verursachen und die Bauzeit um anderthalb Jahre verlängern. Zudem müsse die Tunnelstraße für die Dauer der Arbeiten gesperrt werden.

Darüber hinaus sollen nach dem Willen des Beirats weitere Untersuchungen im Hinblick auf „planungsrelevante Arten“ angestellt werden. Dabei geht es um Nist- und Brutstätten von Fledermäusen und Vögeln sowie Lebensräume von Amphibien. Diesem Wunsch, so kündigte Daniela Mittendorf von den TBS in der Sitzung an, wolle die Verwaltung entsprechen. Eine Expertin von der Biologischen Station Mittlere Wupper werde die Baumkronen künftig mit einem Hubsteiger in Augenschein nehmen.

Bürgerinitiative kritisiert zunehmende Verdichtung in Ohligs

Sabine Vogel, stellvertretende Vorsitzende des BUND Solingen und Mitstreiterin der Bürgerinitiative, kritisierte die aus ihrer Sicht unzureichende Kommunikation des Projekts. Es gehe den Aktivisten keineswegs „nur“ um den Erhalt der Bäume, sondern um die gesamte Entwicklung des Stadtteils vor dem Hintergrund des Klimawandels. Ohligs werde im Zuge zahlreicher Bauprojekte, etwa im Hansaviertel und im Monhofer Feld, immer stärker zubetoniert und verdichtet. „Die Stadt stellt zwar immer den Gewässerschutz in den Vordergrund. Allerdings hängen an dem Kanalbau auch Bebauungspläne, die sonst nicht umgesetzt werden können“, so Vogel. Auch sei der zu erwartende Erfolg für den Gewässerschutz eher gering: „Der Lochbach wird in 30 Jahren immer noch bedingt naturfern sein.“

Prozedere

Wenn der Ausschuss für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität und Wohnungswesen (AKUMW) die Bedenken des Beirats teilt, muss die Untere Naturschutzbehörde den Bau erst mal ablehnen und das Projekt würde vertagt. Ist dies nicht der Fall, müsste laut Landesnaturschutzgesetz innerhalb von sechs Wochen die Untere Naturschutzbehörde Stellung dazu beziehen.

Standpunkt: Transparenz gefordert

Von Kristin Dowe

kristin.dowe@ solinger-tageblatt.de

Der Beirat Untere Naturschutzbehörde tritt bei den Plänen für den Bau eines Stauraumkanals an der Tunnelstraße auf die Bremse. Sein Veto wiegt für den Fortgang des Projekts schwer und ist – ungeachtet der triftigen Argumente der Verwaltung für das Vorhaben im Interesse des Gewässerschutzes – ein Zeichen dafür, dass viele Bürger sich dabei im Vorfeld übergangen gefühlt haben. Im Herbst 2019 wurde erstmals über das Projekt informiert und die Pläne kurz darauf zurückgezogen. Grund dafür war der schadstoffbelastete Unterboden, so dass der Baustart zunächst torpediert wurde. Dann herrschte ein Jahr lang Funkstille, bis das sensible Thema im Dezember 2020 wieder in den Fokus rückte. Zwar ist Nachkarten müßig, doch muss man die unglückliche Kommunikation für eine ehrliche Manöverkritik berücksichtigen. Sie macht den teils heftigen Widerstand in den Reihen der Bürgerschaft nachvollziehbar. Nun zeigt die Verwaltung Kooperationsbereitschaft, wie an den zusätzlichen Untersuchungen im Eingriffsbereich und Informationsveranstaltungen wie dem Runden Tisch zu erkennen ist. Diesen Kurs sollte sie beibehalten.

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