Erinnerungskultur

Stauffenberg: Der Mann, der Hitler umbringen wollte

Karl Graf Stauffenberg, Enkel von Hitler-Attentäter  Claus Schenk Graf von Stauffenberg, spricht in der Alexander-Coppel-Gesamtschule mit Oberstufenschülern
+
Karl Schenk Graf von Stauffenberg sprach am Donnerstag vor 200 Schülern und Lehrern in der Alexander-Coppel-Gesamtschule.

Der Enkel Claus Schenk Graf von Stauffenbergs, Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944, sprach am Donnerstag in der Alexander-Coppel-Gesamtschule über Politik, Macht und Gewalt.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Widerstand zu leisten gegen einen, der mit Gewalt alle Macht an sich reißt, der vor Krieg und Völkermord nicht zurückschreckt, um seine Ziele zu erreichen, um dieses Thema ging es am Donnerstag in der Alexander-Coppel-Gesamtschule – ganz aktuell, aber auch historisch beim Blick in die deutsche Geschichte. Dazu hatte die Schule Karl Schenk Graf von Stauffenberg eingeladen. Der 51-Jährige ist Enkel von Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der nach dem Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 von den Nazis ermordet wurde.

Sehr persönlich, sehr nahbar, mit hochgekrempelten Ärmeln, Jeans und Turnschuhen – so präsentierte sich Stauffenberg den mehr als 200 anwesenden Oberstufenschülern. „Diese Veranstaltung, die im Rahmen der Erinnerungskultur an unserer Schule stattfindet, ist eine interessante Gelegenheit, über die politische und moralische Tat Stauffenbergs und den aktuellen Bezug seines Handelns zu sprechen“, so Schulleiter Andreas Tempel. Mit einem Zitat aus einem Brief Stauffenbergs forderte er die Schülerinnen und Schüler auf, sich politisch zu interessieren und politische Teilhabe zu zeigen: „Es wird Zeit, dass jetzt etwas getan wird. Demjenigen, der etwas tut, muss bewusst sein, dass er als Verräter in die Geschichte eingeht. Tut er nichts, wird er zum Verräter vor sich selbst.“

Bildung soll Antisemitismus verhindern

Es sei ihm ein Anliegen, die Geschichte seines Großvaters unaufgeregt zu erzählen, betonte der 51-jährige Enkel. „Mir ist es wichtig, dass sein Tun nicht instrumentalisiert wird, weder von rechts noch von links.“ Sein Großvater sei kein Demokrat im heutigen Sinne gewesen. Als Sohn eines Oberhofmarschalls am Württembergischen Hof aufgewachsen mit vielen Privilegien einer adligen Familie und als junger Offizier sei er nicht unzufrieden gewesen, als Hitler 1933 an die Macht kam. „Hitlers Versprechen, Arbeitsplätze zu schaffen, die Reichswehr wieder zu stärken und die nach dem Ersten Weltkrieg von den Franzosen annektierten Gebiete zurückzuholen haben vielen Menschen gefallen – meinem Großvater auch.“

Jetzt macht der Narr Krieg.

Aus einem Brief Claus Schenk Graf von Stauffenbergs

Aber schon früh sei ihm auch der Wahnsinn von Hitlers Handeln bewusst geworden. „Jetzt macht der Narr Krieg“, habe sein Großvater schon 1938 in einem Brief an seine Großmutter geschrieben. Nach seiner schweren Verwundung im Afrika-Feldzug habe der Offizier Stauffenberg dann Kontakt zur Widerstandsgruppe deutscher Offiziere gesucht. „Großvater hat angeboten, das Attentat auf Hitler durchzuführen, weil er einer der wenigen war, die noch in seine Nähe kamen.“ Hitler überlebte das Bomben-Attentat, Claus Schenk Graf von Stauffenberg wurde mit vielen seiner Mitstreiter noch in der Nacht von den Nazis hingerichtet. „Meine Großmutter, die damals mit ihrem fünften Kind schwanger war, wurde verhaftet.“ Der Enkel möchte seinen Großvater nicht als strahlenden Helden darstellen, „aber er hat irgendwann erkannt, dass er Verantwortung übernehmen muss“.

„Stay away from Gretchen“: Erzählung aus der Nachkriegszeit wirkt bedrückend aktuell

Stauffenberg warnte die Schüler

Dazu ermunterte Karl Schenk Graf von Stauffenberg am Donnerstag auch die Schüler an der Wupperstraße. Etwa beim Wählen. „Seid wachsam vor Parteien, die unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung abschaffen möchten“, warnte er. Und er forderte Aufrichtigkeit im Alltag: „Greift ein, wenn andere ausgegrenzt werden, weil sie anders sind, anders aussehen oder vielleicht auch nur sich die teuren Markenklamotten nicht leisten können.“

In der anschließenden Gesprächsrunde mit den Schülern wurde schnell der Bezug zum aktuellen Krieg Russlands in der Ukraine hergestellt. „Der Internationale Gerichtshof muss sich nach dem Krieg sicherlich mit Russland beschäftigen“, bezog Stauffenberg Position.

NRW-Check: Bergische fordern Härte gegenüber Putin

Es sei ihm ein großes Anliegen, vor jungen Menschen zu sprechen, betonte Stauffenberg, der in Bayern lebt und derzeit auf Vortragstour in NRW ist. „Dabei ist es mir wichtig, positiv die Demokratie mit all ihren Vorteilen in den Mittelpunkt zu stellen.“ Auch die Schüler waren beeindruckt: „Solch persönliche Einblicke bieten eine besondere Sicht auf die Geschichte“, so Justin Verschitz aus der Q1.

Karl Schenk Graf von Stauffenberg (51)

Sein Vater Franz Ludwig Schenk Graf von Stauffenberg, der für die CSU im Bundestag und im Europäischen Parlament war, ist das mittlere der insgesamt fünf Kinder von Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der 1944 von den Nazis hingerichtet wurde. Er selbst ist neben seiner Tätigkeit als Eventmanager der Gräflichen Eventmanufaktur Stauffenberg, die er mit seiner Ehefrau Anna führt, auch Buchautor und Redner. Zudem engagiert er sich in Bayern für die FDP. Mit seinem Verein „Mittendrin statt extrem daneben“ spricht er Jugendliche an.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare