Lösung gesucht

Starkregen: Bürger zweifeln Planungen für Neubaugebiet an der Börsenstraße an

Für das Neubaugebiet an der Börsenstraße laufen letzte Planungen für die Zuwegung, Entwässerung und den Starkregenschutz. Foto:
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Für das Neubaugebiet an der Börsenstraße laufen letzte Planungen für die Zuwegung, Entwässerung und den Starkregenschutz.

Nach dem Hochwasser Mitte Juli erneuert Widderter Bürgerinitiative Kritik an Bauprojekt für Einfamilienhäuser.

Solingen. Norbert Zimmermann betrachtet auf dem Computer die Planungen für sein Bauprojekt in Widdert an der Börsenstraße. Als Geschäftsführer seiner Immobilienfirma ist er aktuell in Verhandlungen mit der Stadt. Es geht um die Ausgestaltung der Sicherungsmaßnahmen zwischen Klingenpfad und Grundstücken am Wüstenhofer Weg. Seine Planer und die Stadt ringen um die beste Lösung. Das auch vor dem Hintergrund des Schutzes vor Starkregenereignissen.

Mögliche Fluten hatten die Widderter Bürgerinitiative, die sich gegen Zimmermanns Pläne wendet, nach dem Jahrtausend-Regen vom 14. Juli jetzt wieder auf den Plan gerufen. Sie fordern die Aufhebung des Beschlusses zum Bebauungsplan H 667. Den will auch die Fraktion die Linke/die Partei Ende September im Planungsausschuss des Rates diskutieren. Stadtdirektor und Baudezernent Hartmut Hoferichter (parteilos) sieht aktuell keinen Ansatzpunkt, die vom Rat am 1. Oktober 2020 beschlossenen Planungen über den Haufen zu werfen.

Im Kern geht es den Widderter Nachbarn des Bauprojekts für 32 neue Einfamilienhäuser jetzt darum, dass die Versiegelung der Wiesen- und Waldflächen für die Neubauten bei Starkregen den Wüstenhofer Weg und die Börsenstraße zusätzlich mit Wasser überlasten würden. Entsprechend hatten sie sich auch mit ihren Sorgen an Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) gewandt, er möge den Plan H 667 wieder einkassieren.

Neubaugebiet: Erst wenn der Vertrag für den Bauplan vorliegt, sind Klagen möglich

Das Stadtoberhaupt überließ die Antwort seinem Stellvertreter Hoferichter. Der verweist in seiner Antwort an die Bürgerinitiative auf die große Sorgfalt in Bezug auf die Betrachtung von Starkregen. Bei den Planungen seien „bislang am intensivsten die Gesichtspunkte von Starkregenereignissen thematisiert“ worden. „Die Entwässerung wurde so geplant, dass der größere Teil des neuen Gebietes nicht nach Norden zur Seite des Wüstenhofer Weges geleitet wird. Neben einem kleineren Anschluss zur oberen Börsenstraße wird der obenliegende Kuppenbereich in ein naturnah zu gestaltendes Rückhaltebecken im Südosten mit Überlauf zum benachbarten Wald geleitet.“

Umsetzen muss das Norbert Zimmermann. Dazu laufen gerade die Planungen, die in einem Vertrag zwischen ihm und der Stadt münden. Erst wenn der Vertrag vorliegt, wird die Stadt H 667 öffentlich verkünden. Dann wäre auch erst eine Klage gegen das Projekt möglich.

Aber da sieht sich die Stadt wegen der genauen Planungen zur Entwässerung auf der sicheren Seite. Die Widderter bezweifeln das. Das Tageblatt fragte deshalb bei Hartmut Hoferichter nach, ob die Starkregenereignisse vom 14. Juli jetzt in die Gespräche mit Zimmermann eingebunden werden.

Versickerung und Stauraumkanal sollen Starkregen aufnehmen

Der Baudezernent verweist auf drei Punkte. Erstens: „Berechnungen zu Regenwasservolumina sind unter Einbezug des Fließwegmodells selbstverständlich im Rahmen der parallelen Entwässerungsplanung vorgenommen worden.“ Zweitens würden zwei Regenrückhaltebecken, einmal als Stauraumkanal, einmal als natürliche Versickerungsfläche, gefordert. Sie seien „größer als bislang üblich geplant und fassen somit deutlich größere Regenwassermengen der künftig versiegelten Flächen als in anderen Baugebieten“. Die Stadt verlangt von Zimmermann zudem Zuwegungen zu den Grundstücken, die ein V-Profil haben und Regenwasser in die Versickerungsfläche und den Kanal ableiten.

Der dritte Punkt ist die Betrachtung der Situation vom 14. Juli, als bis zu 160 Liter Regen pro Quadratmeter aufgetreten waren. Dazu sagt Hoferichter: „Ein so seltenes Starkregenereignis wie am 14. Juli führt dazu, dass nach kurzer Zeit die Versickerungsfähigkeit von Böden – also auch von unbebauten Wiesen- oder Ackerflächen – praktisch keine Rolle mehr spielt.“ Nach Inaugenscheinnahme der Technischen Betriebe Solingen sei es auch „zu keinen signifikanten Überflutungsschäden am Wüstenhofer Weg“ gekommen. Das werde auch künftig durch die angeführten Maßnahmen verhindert werden.

Bebauungsplan H 667

Auch wenn er noch nicht verkündet wurde, sieht sich die Verwaltung an den Bebauungsplan H 667 gebunden. Hartmut Hoferichter erklärt: „Die Verwaltung kann einen Satzungsbeschluss zu einem Bebauungsplan nicht aussetzen oder ignorieren. Der Rat hat als Träger der gemeindlichen Planungshoheit mit dem Satzungsbeschluss der Verwaltung einen Auftrag zur Inkraftsetzung und Realisierung des Bebauungsplanes erteilt.“ Eine Neuplanung sei ohne Grundlage.

Standpunkt: Klimawandel fordert uns

Kommentar von Philipp Müller

philipp.mueller@ solinger-tageblatt.de

In Widdert prallen verschiedene Interessen aufeinander. Nachbarn des geplanten Projekts von Norbert Zimmermann versuchen, es zu verhindern. Nachdem sie im vergangenen Jahr mit dem Hinweis auf den Naturschutz gescheitert waren, führen sie jetzt die Sorgen vor Starkregen wie am 14. Juli an. Die kann die Stadt auch nicht einfach vom Tisch wischen. Macht sie in Person von Stadtdirektor Hartmut Hoferichter auch nicht. Er verweist auf genaue Planungen und Berechnungen. Zudem habe es im angesprochenen Bereich von Widdert am 14. Juli keine Überschwemmungen gegeben, die jetzt ein Umdenken notwendig machen. Aber das ist der Punkt. Das mag für Widdert und den Bauplatz hinter der Börsenstraße zwar gelten. Doch das Rathaus tut gut daran, die angekündigten Betrachtungen des bestehenden Starkregenkonzepts mit Nachdruck durchzuführen. Das machte der Regen vom Juli klar: Wer den Klimawandel nicht leugnet, muss dessen aktuelle Folgen im Auge behalten.

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