Jahresüberschuss erzielt

Städtisches Klinikum baut Parkhaus und Kita

Das Städtische Klinikum an der Gotenstraße: Weil Besucherparkplätze für ein Bildungs- und Facharztzentrum wegfallen sollen, wird zunächst ein Parkhaus gebaut. Außerdem ist eine „betriebsnahe“ Kita geplant: für die Mitarbeitenden des Klinikums, aber auch für die Allgemeinheit.
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Das Städtische Klinikum an der Gotenstraße: Weil Besucherparkplätze für ein Bildungs- und Facharztzentrum wegfallen sollen, wird zunächst ein Parkhaus gebaut. Außerdem ist eine „betriebsnahe“ Kita geplant: für die Mitarbeitenden des Klinikums, aber auch für die Allgemeinheit.

2021 wurden 1,05 Millionen Euro Überschuss erwirtschaftet. Die Einnahmen müssen weiter steigen.

Von Simone Theyßen-Speich

Prof. Dr. Thomas Standl

Mit einem Überschuss von 1,05 Millionen Euro schließt das Städtische Klinikum das Geschäftsjahr 2021 ab. Das sei in mehrfacher Hinsicht ein Erfolg, betonte Dr. Martin Eversmeyer, Vorsitzender der Geschäftsführung. „Zum einen haben wir den im Wirtschaftsplan angepeilten Wert von 500 000 Euro verdoppelt. Und beachtlich ist das Ergebnis auch, weil 50 bis 60 Prozent der Krankenhäuser in Deutschland derzeit Defizite machen.“

Nach 2020 – mit einem Überschuss von 800 000 Euro – schrieb das Haus nach mehreren defizitären Jahren zum zweiten Mal schwarze Zahlen. „Für das laufende Jahr haben wir im Wirtschaftsplan 2 Millionen Euro Überschuss angesetzt. Das zu erreichen wird aber schwierig, weil es vermutlich keine Corona-Ausgleichszahlungen mehr für Kliniken geben wird“, so Eversmeyer.

Kai Sturmfels

Geschäftsführung und Aufsichtsrat konkretisierten bei einer Pressekonferenz auch bauliche Pläne des „Masterplan 2025“: Als erste Maßnahme soll auf dem jetzigen Frauenparkplatz rechts des Haupteingangs an der Gotenstraße ein Parkhaus mit 350 Stellplätzen und Ladestationen entstehen. „Wir hoffen auf Baubeginn Anfang 2023“, so Eversmeyer. Auf dem derzeitigen Besucherparkplatz soll dann ein Kombigebäude mit Bildungsakademie und 12 bis 15 Arztpraxen gebaut werden. Neu im Plan ist der Bau einer Kindertagesstätte, bei der ein Teil der Plätze für Klinikum-Eltern reserviert ist. Diese könnte an der Herberger Straße oder auf einer Fläche am Botanischen Garten entstehen.

Eversmeyer betonte die Leistungssteigerung, durch die der Erfolg erst möglich geworden sei. „Wir könnten noch mehr Patienten behandeln, wenn wir mehr Pflegepersonal hätten“, so Eversmeyer. 100 Vollzeitkräfte wurden voriges Jahr neu eingestellt, 60 davon alleine in der Pflege. Für den Herbst werden weitere Mitarbeiter aus dem In- und Ausland erwartet, unter anderem von den Philippinen.

Dr. Martin Eversmeyer

Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) lobte – digital zugeschaltet – den Erfolg und das Engagement aller Mitarbeiter. „Wir wollen den Zug weiterfahren lassen und ihm noch mehr Dampf geben“, verwies er auf den Masterplan. Bereits 2020 waren bauliche und konzeptionelle Maßnahmen beschlossen worden, erste Schritte wie Neueinstellungen oder die Auslagerung der Wäscherei bereits umgesetzt.

Noch mehr Dampf, das werde auch in den kommenden Jahren notwendig sein, rechnete der zuständige Beigeordnete Jan Welzel (CDU) vor. „Um die geplanten Investitionen stemmen zu können, muss das Klinikum weiter zulegen.“ Der Masterplan sieht Investitionen von 120 Millionen Euro vor, alleine rund 80 Millionen Euro sollen in den Neubau eines Bettenhauses fließen. „Das sind bislang noch Kostenschätzungen, konkretere Kostenrechnungen sollen Ende des Jahres vorliegen“, verwies Eversmeyer auf aktuelle Teuerungen in der Baubranche.

Jan Welzel

„Für diese großen Investitionen brauchen wir ein starkes Fundament“, betonte der Klinikum-Aufsichtsratsvorsitzende Kai Sturmfels (CDU). So werden alleine in diesem Jahr 32 Millionen Euro investiert. „In früheren Jahren waren es 4 bis 8 Millionen.“ Aber diese Kredite müssten eben auch bedient werden. Bei den geplanten Investitionen rechnet das Klinikum mit 5 bis 7 Millionen Euro für jährliche Abschreibung und Zinsen. Diese Lücke müsse beim jährlichen Ergebnis noch geschlossen werden. „Aber ich bin sehr optimistisch, weil wir einen positiven Stimmungswandel in der Mitarbeiterschaft wahrgenommen haben“, so Welzel.

Investitionen wie das Parkhaus sollen sich über Parkgebühren finanzieren, man setzt aber auch auf Mehreinnahmen: „Die Neu- oder Nachbesetzung von zehn medizinischen Führungskräften in den vergangenen zwei Jahren hat sich bewährt“, betont der Medizinische Geschäftsführer Prof. Dr. Thomas Standl. So habe der Einsatz des Da-Vinci-Roboters in der Urologie – und bald auch in Allgemeiner Chirurgie und Gynäkologie – Patienten und Operationen ans Klinikum geholt. „Aber in allen Bereichen haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen großartigen Job geleistet“, so Standl.

Mitarbeiter

Rund 1950 Menschen arbeiten am Städtischen Klinikum (umgerechnet etwa 1300 Vollzeitstellen). Die Bettenzahl beträgt derzeit 650. Sie wird sinken. Auch das ist Teil des „Masterplans 2025“.

Standpunkt von Simone Theyßen-Speich: Nur der Weg nach vorn

simone.theyssen-speich@solinger-tageblatt.de

Wie wichtig eine gut funktionierende Krankenhauslandschaft in der Stadt ist, hat nicht zuletzt die Corona-Pandemie eindrücklich gezeigt. Deshalb ist der Weg, das Städtische Klinikum zukunftsweisend aufzustellen, alternativlos. Aber da gute Medizin nur funktioniert, wenn sie wirtschaftlich auf sicheren Füßen steht, sind eben nicht nur Ärzte und Pfleger, sondern auch Betriebswirte gefragt.

Die letzten beiden Jahre haben bewiesen, dass das Klinikum offensichtlich auf dem richtigen Weg ist – und es außerdem geschafft hat, die 1950 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dabei mitzunehmen. Dass der einzige Weg der Weg nach vorn ist, daran hat im Klinikum offensichtlich niemand mehr Zweifel. Deshalb wird investiert – und zwar im großen Stil. Modern, umweltfreundlich, energiesparend soll gebaut und umgestaltet werden – die Herausforderungen sind groß. Aber falls all das gelingt, wird sich der Einsatz langfristig für alle lohnen.

Ticker der Pressekonferenz: Städtisches Klinikum erzielt Jahresüberschuss

Das Städtische Klinikum hat 2021 einen Jahresüberschuss von 1,05 Millionen Euro erzielt.

Solingen. Das Ergebnis liege damit deutlich über den knapp 500.000 Euro, die im Wirtschaftsplan angesetzt waren. Aufsichtsrat, Geschäftsführung und die Stadt als Gesellschafter sehen angesichts dieser Entwicklung den Modernisierungskurs bestätigt. Auch für 2022 werde mit schwarzen Zahlen geplant. Das hänge aber mit dem weiteren Pandemieverlauf zusammen. Corona sorge weiterhin für drei bis vier Millionen Euro Mehrkosten pro Jahr. Details zur weiteren Entwicklung und dem Masterplan für die kommenden Jahre werden aktuell auf einer Pressekonferenz vorgestellt:

Der medizinische Geschäftsführer im größten Solinger Krankenhaus, Prof. Dr. Thomas Standl, berichtet. Links der kaufmännische Geschäftsführer Dr. Martin Eversmeyer. In der Mitte: Kai Sturmfels, Vorsitzender des Aufsichtsrats.

+++ 120 Millionen Euro sollen ins Städtische Klinikum investiert werden +++ In den kommenden Jahren sollen 120 Millionen Euro ins Städtische Klinikum investiert werden. Kai Sturmfels (Foto mitte), Vorsitzender des Aufsichtsrats, kündigte 32 Millionen Euro allein in diesem Jahr an. „Wer in die Zukunft investiert, muss aber auch Abschreibungen bedienen können. Wir werden also Jahresabschlüsse brauchen, die höhere Ergebnisse vor Steuern und Abschreibungen ausweisen als aktuell.“

+++ Parkhaus und Kita kommen +++ Noch in diesem Jahr, eher aber Anfang 2023, soll laut dem kaufmännischen Geschäftsführer Dr. Martin Eversmeyer (Foto links) der Baubeginn für ein Parkhaus mit ungefähr 350 Parkplätzen sein. Die Ausschreibung laufe bereits. Es entsteht auf dem bisherigen Frauenparkplatz rechts des Haupteingangs (nahe des Eingangs zum Botanischen Garten). Auf dem bisherigen Besucherparkplatz gegenüber des Haupteingangs an der Gotenstraße soll ein Bildungszentrum/Facharztzentrum entstehen. Außerdem kündigen Stadt, Geschäftsführung und Aufsichtsrat den Bau einer Kita an.

+++ Parkhaus soll über Parkgebühren finanziert werden +++ „Wir sind im Moment bei einer Kostenschätzung, noch nicht mal bei einer Kostenberechnung.“ Eversmeyer ist daher zurückhaltend, was das Gesamtvolumen der Investitionen angeht. Ende des Jahres soll eine Kostenberechnung folgen. Beispiel: Zunächst sei für das Parkhaus mit rund 3 Millionen gerechnet worden, jetzt sind sie bei 4,2 Millionen. Das Parkhaus soll sich über Parkgebühren selbst finanzieren. -bjb-

Passend zum Thema: Städtisches Klinikum investiert 120 Millionen Euro 

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