Bühne

Viel Applaus für Abend „freier Gedanken“

In abwechslungsreicher Kostümierung präsentierte das Stadtensemble Lieder und Texte alter Meister mit aktuellem Bezug. Foto: Tim Oelbermann
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In abwechslungsreicher Kostümierung präsentierte das Stadtensemble Lieder und Texte alter Meister mit aktuellem Bezug.

Stadtensemble meldete sich mit Potpourri aus Szenen, Texten und Chansons beim Publikum zurück.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Mit einer Zugabe quittierte das Stadtensemble den begeisterten Schlussapplaus, mit dem sich das Publikum bedankte. Knappe anderthalb Stunden hatte das Schauspieler-Team um Regisseur Michael Tesch geradezu genießerisch satirische Texte, Szenen und Lieder serviert. „Ist es Wahnsinn, so hat es doch Methode“ war der Abend überschrieben, mit dem sich das Ensemble nach der Lockdown-Zwangspause zurückmeldete.

Dabei zitierten die Schauspieler des Stadtensemble Verbal-Meister wie Kurt Tucholsky, Bertolt Brecht, Thaddäus Troll oder Karl Valentin. In früheren gesellschaftlichen Krisen entstanden, passten solche „freien Gedanken“, die Lena Hogekamp zu Beginn im gleichnamigen alten Volkslied beschwor, mehr denn je. Michael Tesch hatte zuvor die Intention des Ensembles beschrieben, sich just jetzt des Genres „Satire“ anzunehmen.

Mit viel Spiellust und Detail-Liebe bei der Kostüm-Auswahl, knüpften die Darsteller schnell ein Band zu den rund 40 Zuschauern im Kleinen Konzertsaal des Theaters und Konzerthauses. Immer wieder schlüpften sie in zum Teil bereits aus der Vergangenheit bekannte Rollen.

Schauspieler sinnieren über das Fremde

Renate Kemperdick, Mira Gottfried, und Dajana Berkenkopf etwa sinnierten kopfschüttelnd und Zeitung lesend als „drei alte Damen“ über „Fremde, die „nur in der Fremde fremd sind“. Uwe Dahlhaus und Dajana Berkenkopf ernteten viele Spontan-Lacher für ihre Version des Witz erzählenden Ehepaars, das ihrem Zuhörer Mutz eine Menge Durchhaltevermögen und starke Nerven abverlangte.

Alexander Riedel gab erneut den frustrierten Ossi-Fußball- Trainer aus dem Stück „Leben bis Männer“ von Thomas Brüssig, mit dem er vor zwei Jahren bereits für Furore gesorgt hatte. Im glänzenden unmodern gewordenen Sportdress kübelte er verbal ebenso genial wie bestürzend mit seiner Weltsicht auf die Zuhörer hinunter.

Amira Kemperdick, optisch eher als Bardame ausstaffiert, deklarierte Tucholskys Schulaufsatz von Kaspar Hauser mit dem Titel: „Der Mensch“ und ließ Sätze wie „Der Mensch ist ein nützliches Lebewesen, weil er dazu dient, durch den Soldatentod Petroleumaktien in die Höhe zu treiben, durch den Bergmannstod den Profit der Grubenherren zu erhöhen, sowie auch Kultur, Kunst und Wissenschaft“ mit klimperndem Augenaufschlag im Raum verhallen. Ihr Bruder Leander stellte Karl Valentins Ausführungen zur Behebung der leerbleibenden Theater vor: „Der Staat sollte eine Theaterpflicht einführen, es gibt ja auch eine Schulpflicht.“

Durch die betont glatte Moderation von Nikolaos Georgopoulos im schwarzen Conférencier-Anzug wurden die einzelnen Programmpunkte jeweils noch einen Hauch schwarzhumoriger. Musiker Mutz rahmte das Ganze mit rauen und schrägen Tönen ein und begleitete Chansons wie zum Beispiel Brechts „Lied von der Unzulänglichkeit“. Den Punkt hinter alles setzte Lena Hogekamp mit einer Version des Grimm-Märchens vom Rotkäppchen in konsequentem Amtsdeutsch.

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