Stadtdirektor geht in den Ruhestand

Hoferichter-Nachfolge: Andreas Budde soll neuer Technischer Beigeordneter der Stadt Solingen werden

Andreas Budde soll Nachfolger von Hartmut Hoferichter werden.
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Andreas Budde soll Nachfolger von Hartmut Hoferichter werden.

Der neue Planungsdezernent kommt aus Viersen – offen bleibt, wer die Funktion des Stadtdirektors übernimmt

Von Andreas Tews

Solingen. Der kommende Planungs-, Umwelt- und Verkehrsdezernent kommt vom Kreis Viersen. Andreas Budde ist dort seit 2009 Technischer Dezernent mit ähnlichen Zuständigkeiten. Der 50-Jährige hat sich bei dem Bewerbungsverfahren durchgesetzt, an dem die Spitzen des Rathauses und der Ratsfraktionen beteiligt waren. Er folgt in dieser Funktion auf den langjährigen Dezernenten Hartmut Hoferichter (67) und ist wie der parteilos. Diese Auswahl kam einmütig zustande. Buddes Wahl am Montag, 6. September im Stadtrat (18 Uhr, Theater und Konzerthaus) gilt damit als sicher. Offen bleibt, wer Hoferichter als Stadtdirektor und damit als Stellvertreter des Oberbürgermeisters beerbt.

Der Beigeordneten-Posten war neu zu besetzen, weil Hoferichter zum Jahresende in den Ruhestand geht. Mit der Vorauswahl der Bewerber hatte die Stadt Solingen eine Personalagentur beauftragt. Die aussichtsreichsten zwei Bewerber hatten sich den Fraktionsspitzen am Wochenende präsentiert.

Hartmut Hoferichter geht in den Ruhestand.

Wann Budde seinen neuen Posten antritt, ist nach Rathaus-Angaben noch nicht sicher. Dies muss Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) noch mit Buddes derzeitigem Chef, dem Viersener Landrat Andreas Coenen (CDU) aushandeln. Aus der Solinger Politik wurde gestern die Hoffnung geäußert, dass Budde zum Jahreswechsel kommt.

Oberbürgermeister Tim Kurzbach.

Coenen erklärte auf ST-Anfrage, dass er den bevorstehenden Wechsel Buddes „fachlich wie menschlich“ sehr bedauere, fügte aber hinzu: „Gleichwohl verstehe ich diesen Schritt, stellt er für ihn doch eine berufliche Weiterentwicklung dar.“ Auch in den Fraktionen des Viersener Kreistages ist von einem Verlust für den Kreis die Rede. Budde selbst will sich erst äußern, wenn er gewählt ist.

Bei den Vorstellungsgesprächen wurde nach Aussagen vieler Beteiligter deutlich, dass Budde sich bereits eingehend mit Solinger Themen wie der Entwicklung der Innenstadt oder dem Nahverkehrsplan beschäftigt habe. Er habe sich gut präsentiert, erklärte der stellvertretende SPD-Fraktionschef Ernst Lauterjung. „Ich denke, dass er gut zu uns passt“, sagte er. Eine gute Zusammenarbeit kann sich auch Jan Michael Lange (BfS/ABI) vorstellen. Dies habe bei der Entscheidung zwischen mehreren guten Bewerbern eine Rolle gespielt.

Sozial- und Ordnungsdezernent Jan Welzel.

CDU-Fraktionsvorsitzender Daniel Flemm hob die Führungs- und Verwaltungserfahrung Buddes hervor. Seine bisherige Funktion in einem Kreis mit vielen Städten könne ihm in Solingen mit seinen Stadtteilen zugutekommen. Flemm betonte, dass sich in dem Verfahren unabhängig von Parteizugehörigkeit der beste Bewerber durchgesetzt habe. Dies hatte auch Erik Pieck (Linke) als wichtig bezeichnet.

Schul-, Kultur- und Sportdezernentin Dagmar Becker.

Grünen-Fraktionsvorsitzende Juliane Hilbricht verspricht sich viel von Budde, weil er fachlich breit aufgestellt sei. Er habe im Kreis Viersen wirtschaftlich „einiges in Gang gebracht. Außerdem habe er in Umweltfragen wie der Verkehrsplanung und der Abfallverwertung überzeugt. Ein weiteres Umweltthema, das Budde im Kreis Viersen konzeptionell vorangebracht habe, ist nach Angaben von FDP-Fraktionschef Jürgen Albermann der Klimaschutz.

Stadtkämmerer Ralf Weeke.

Als neuer Stadtdirektor drängt sich niemand automatisch auf

Jetzt steht bei der Stadt allerdings eine Personalie an, die kontroverser diskutiert werden dürfte. Ungeklärt ist, wen der Rat zum neuen Stadtdirektor wählen wird. Üblich ist in vielen Städten, dass dies der jeweils dienstälteste Beigeordnete ist. Doch Stadtkämmerer Ralf Weeke dürfte für die anderen Parteien ausscheiden, weil er – wie OB Kurzbach auch – SPD-Mitglied ist. Für die Grünen ist ihre Parteifreundin Schuldezernentin Dagmar Becker die Favoritin. Sie gilt aber in den anderen Fraktionen als umstritten. Ein weiterer Kandidat wäre Sozialdezernent Jan Welzel (CDU), dessen Name in dieser Frage aber auffällig selten fällt. Andreas Budde direkt zum Stadtdirektor zu wählen gilt als Risiko, weil man ihn noch nicht gut genug kennt. Fazit: Es drängt sich keiner der Dezernenten automatisch für diesen prestigeträchtigen Posten auf. | Standpunkt

Zur Person

Budde: Der kommende Planungsdezernent Andreas Budde (50) ist seit 2009 Technischer Beigeordneter des Kreises Viersen und damit unter anderem zuständig für Kreisentwicklungsplanung, Bauaufsicht, Umweltschutz, digitale Infrastruktur und Verkehrsanlagen. Bei der Stadt Düsseldorf war er zuvor stellvertretender Abteilungsleiter im Amt für Verkehrsplanung.

Hoferichter: Seit 2001 ist Hartmut Hoferichter Planungsdezernent, seit 2005 Stadtdirektor in Solingen. Er geht Ende 2021 in Pension.

Standpunkt: Hohe Erwartungen

andreas.tews@solinger-tageblatt.de

Kommentar von Andreas Tews

Andreas Budde hat die Spitzen des Rathauses und der Fraktionen überzeugt. Einmütig schlagen sie dem Rat vor, den 50-Jährigen zum neuen Beigeordneten für Stadtplanung, Verkehr und Umwelt zu wählen. Damit ist eine wichtige Personalie bei der Stadt entschieden. Aufgrund seiner bisherigen Erfahrung und seiner Vorstellung im Bewerbungsverfahren sind die Erwartungen in den neuen Mann hoch. Auf ihn warten anspruchsvolle Aufgaben. Unter seiner Führung müssen die Neuausrichtung der Solinger Innenstadt organisiert, ein Stadtteilentwicklungskonzept für Wald auf die Beine gestellt und nicht zuletzt Konzepte für die Verkehrsführung und den Öffentlichen Personennahverkehr erarbeitet werden. Viel Zeit, sich einzuarbeiten, wird Budde nicht bleiben. Er muss schnell und gründlich liefern. Mit Spannung erwartet wird aber auch, wer der nächste Stadtdirektor und damit zum Stellvertreter des Oberbürgermeisters wird. In dieser Prestigefrage ist ein zähes Ringen der Ratsfraktionen zu erwarten. Darüber dürfen aber auch sie die Sachfragen nicht aus den Augen verlieren.

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