Gewerbegebiet

Stadt will Geld für Fürkeltrath II einplanen

Planungen sehen das Gewerbegebiet Fürkeltrath II an der Stadtgrenze zu Haan, direkt am Autobahnzubringer Roggenkamp, vor. Archivfoto: Uli Preuss
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Planungen sehen das Gewerbegebiet Fürkeltrath II an der Stadtgrenze zu Haan, direkt am Autobahnzubringer Roggenkamp, vor.

Bürgerinitiative befürchtet Beschluss für umstrittenes Gewerbegebiet „durch die Hintertür“.

Solingen. Die Debatte um das geplante, umstrittene Gewerbegebiet Fürkeltrath II nimmt wieder Fahrt auf. Die Bürgerinitiative „Rettet das Ittertal“ kritisiert, dass im Haushaltsentwurf der Rathausspitze für dieses Jahr 250 000 Euro für eine Zufahrt zu dem Gebiet vorgesehen sind. Da die Politik noch nicht darüber entschieden habe, ob die Gewerbeflächen überhaupt geschaffen werden, werfen die Vertreter der Initiative die Frage auf, ob Fürkeltrath II auf diesem Weg „durch die Hintertür“ komme. Beschlossen ist der Etat für 2021 noch nicht. Eine Entscheidung soll im Frühjahr fallen.

Fürkeltrath II gehört zu mehreren Gewerbegebieten die am oberen Rand des Ittertals geplant sind (siehe Kasten). In unmittelbarer Nähe befindet sich das ebenfalls umstrittene Areal Piepersberg-West und ein weiteres Gebiet auf der Haaner Seite der Stadtgrenze. Sie alle sollen über den Autobahnzubringer Roggenkamp an das Verkehrsnetz angeschlossen werden. Durch die neuen Gewerbegebiete befürchten die Aktiven der Bürgerinitiative Auswirkungen auf die Natur und auf das Stadtklima.

„Es sollen Fakten geschaffen werden.“

Dr. Cornelius Arendt, Umweltwissenschaftler, Bürgerinitiative „Rettet das Ittertal“

Die Politiker der Bezirksvertretung Gräfrath haben sich bisher stets mehrheitlich gegen das neue Gewerbegebiet nahe der Autobahn-Anschlussstelle Haan-Ost ausgesprochen. In der gesamtstädtischen Politik – die am Ende entscheidet – sind die Mehrheitsverhältnisse aber anders. Zuletzt wurde über das Gräfrather Gewerbegebiet im Zusammenhang mit einer Prioritätenliste zur mittelfristigen Stadtplanung diskutiert. Die wurde im Sommer 2020 beschlossen.

Nach Informationen der Bürgerinitiative sind die 250 000 Euro dafür vorgesehen, eine Anbindung des Gewerbegebiets an den Autobahnzubringer vorzubereiten. „Mit der Ausweisung der Vorlaufkosten und deren Umsetzung in diesem Jahr sollen Fakten geschaffen werden, die später die Rücknahme der Planungen eines Gewerbegebietes schwieriger machen würden“, moniert Dr. Cornelius Arendt von der Bürgerinitiative. Wenn das Geld erst einmal verbaut sei, werde es unwirtschaftlicher, die Planung eines Gewerbegebietes aufzugeben. Wegen der Hanglage werden die Erschließungskosten nach seiner Einschätzung besonders hoch sein.

Eine Stellungnahme gab die Stadtverwaltung am Mittwoch nicht ab. Als Grund nannte Sprecher Lutz Peters krankheitsbedingte Ausfälle an den zuständigen Stellen. Peters kündigte aber eine Antwort für die nächsten Tage an.

Die Bürgerinitiative bekräftigte am Mittwoch noch einmal ihr „Nein“ zu Fürkeltrath II. Ein solches Gewerbegebiet, für das landwirtschaftliche Flächen aufgegeben werden müssten, widerspreche der städtischen Nachhaltigkeitsstrategie. Nach der sollen Flächenpotenziale vor allem im Innenbereich genutzt werden. Umweltwissenschaftler Dr. Arendt befürchtet „Klimafolgeschäden“, weil die wasserspeichernde Funktion des Bodens entfalle. Ingo Hill, Sprecher der Bürgerinitiative, ergänzt: „Jede zusätzliche versiegelte Fläche am oberen Rand des Ittertals erhöht die Gefahr von Überschwemmungen oder zieht weitere teure Kanalbauten entlang der Itter nach sich.“ Hill befürchtet einen ähnlichen Effekt wie aktuell an der Tunnelstraße.

Befürworter des Gewerbegebiets verweisen darauf, dass für erweiterungswillige Firmen oder Unternehmen, die sich neu ansiedeln wollen, die nötigen Flächen fehlen. Wegen der Umweltschutzbedenken wurde das Plangebiet zuletzt auf einen Streifen entlang des Autobahnzubringers beschränkt. In früheren Überlegungen sollte es näher an die Itter heranreichen.

Gewerbegebiete

Ursprünglich wurden am Rand des Ittertals vier Gewerbegebiete geprüft. Nach einem Gutachten zur Umweltverträglichkeit hielt man – zumindest eingeschränkt – an den Gräfrather Gebieten Piepersberg-West und Fürkeltrath II fest. Ein Gewerbegebiet am Keusenhof (Ohligs) wurde verworfen. Auch die Gewerbepläne für den Buschhof (Wald) werden bei der Stadt nicht weiter verfolgt. Im Regionalplan der Bezirksregierung ist das Gebiet aber noch aufgeführt.

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