Zustand der Wälder ist schlecht

Stadt Solingen warnt vor dem Betreten von Waldwegen

Revierförster Markus Schlösser warnt aktuell vor dem Betreten der Wälder im Bergischen. Archivfoto: Christian Beier
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Revierförster Markus Schlösser warnt aktuell vor dem Betreten der Wälder im Bergischen.

Durch das Hochwasser ist die Standsicherheit vieler Bäume nicht mehr gewährleistet.

Von Kristin Dowe

Solingen. Auch in den Wäldern im Bergischen hat das Jahrtausend-Hochwasser Schneisen der Verwüstung geschlagen. Deshalb warnt die Stadt aktuell vor dem Betreten bestimmter Waldstücke – insbesondere die Wege entlang der Wupper von Burg bis Rüden sollten Spaziergänger zurzeit meiden, appelliert Markus Schlösser, Leiter der Abteilung Wald und Landschaft bei der Stadt. „Weil der Boden stark durchweicht wurde, sind viele Bäume umgefallen. Die Standsicherheit einiger weiterer Bäume kann momentan nicht gewährleistet werden“, mahnt der Revierförster. „Vor allem Radfahren kann auf den Wegen dort gefährlich werden.“

Ein Team der Abteilung Wald und Landschaft erkundet in diesen Tagen die Waldwege, prüft die Standsicherheit der Bäume und fällt instabile Exemplare. Die betroffenen Wege werden mit Hinweisschildern auf Betretungsverbote versehen. „Wir bitten die Solinger noch um ein wenig Geduld, bis wir einen Überblick haben“, so Schlösser. Die Maßnahmen könnten noch einige Wochen in Anspruch nehmen.

Auch Brücken hätten die Wassermassen teils schwer beschädigt – so sei eine kleine Brücke am Obergraben im Bereich des Balkhauser Kottens weggespült worden und bis jetzt nicht wieder aufgetaucht, zwei weitere seien im Sengbachtal weggerissen worden, berichtet der Förster.

„Der Zustand unserer Wälder ist so schlecht, wie er noch nie war.“

Markus Schlösser, Revierförster

Sein Team sei personell wegen der Urlaubszeit dünn besetzt, die Arbeit aufwendig und zeitintensiv. Auch unabhängig von Hinweisschildern sollten Spaziergänger sich zurzeit eigenverantwortlich verhalten und die „waldtypischen Gefahren“ berücksichtigen. Im Falle eines Unfalls hafte der Betroffene selbst. „Im Wald besteht für die Stadt keine Verkehrssicherungspflicht. Eine Ausnahme sind beispielsweise Rastplätze, an denen sich Tische und Bänke befinden.“

Spezielle Maßnahmen zur Wiederaufforstung seien zurzeit nicht geplant, diesbezüglich hielten die Schäden sich noch im Rahmen. Der Wald habe am Tag des Hochwassers aber eine wichtige Schutzfunktion erfüllt und das Ausmaß der Katastrophe zumindest deutlich abgemildert. Ohne die Waldflächen hätte es im Bergischen zu gefährlichen Hangrutschen kommen können.

„Wenn Sie sich bei Regen unter einen Baum stellen, fängt die Krone einiges an Wasser ab. So kann es allmählich über die Vegetation im Boden versickern und tritt nicht plötzlich massenhaft an die Oberfläche. Somit hat der Wald eine Pufferwirkung und erfüllt gleich drei wesentliche Aufgaben: Er bietet Erosionsschutz und erfüllt sowohl eine Rückhalte- als auch eine Speicherfunktion“, erklärt Schlösser.

Gut bestellt sei es um den Zustand der Wälder aber nicht: Die langen Dürre- und Hitzeperioden der vergangenen Jahre hätten den Baumbeständen im Bergischen schwer zugesetzt – dies habe auch der letzte Waldzustandsbericht für NRW gezeigt. So werde die Fichte auf absehbare Zeit komplett absterben. Markus Schlösser: „Der Zustand unserer Wälder ist so schlecht, wie er noch nie war.“

kristin.dowe@solinger-tageblatt.de

Kommentar von Kristin Dowe

Auch wenn es unbelehrbare Leugner des Klimawandels noch immer nicht wahrhaben wollen: Mit dem Hochwasser hat die Natur uns einen schmerzhaften Warnschuss verpasst. Gerade weil wir in Zukunft noch sehr viel häufiger mit solchen Wetterextremen konfrontiert sein werden, kommt der Schutzfunktion des Waldes eine wichtige Bedeutung zu. Nicht auszudenken, welche Zerstörung das Wasser erst angerichtet hätte, wenn die Waldflächen nicht einen beträchtlichen Teil der Niederschläge abgefangen hätten. Umso besorgniserregender ist es, dass sich die Wälder im Bergischen aufgrund langer Dürreperioden und infolge von Schädlingen wie dem Borkenkäfer in einem kranken Zustand befinden. All diese Phänomene sind letztlich auf den Klimawandel zurückzuführen. Deshalb ist es jede Anstrengung wert, die globale Erderwärmung zu stoppen. Die Städte müssen aber auch bauliche Vorsorgemaßnahmen treffen und mehr Versickerungsflächen schaffen. Denn dies wird leider nicht das letzte Hochwasser gewesen sein.

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