Zu wenig Kunden

Stadt-Sparkasse in Solingen schließt zwei Filialen

Auch die Sparkasse an der Krahenhöhe wurde nicht mehr in ausreichendem Maße von Kunden für Beratungen genutzt. Sie wird bis Anfang Mai ebenfalls in einen SB-Standort umgewandelt.
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Auch die Sparkasse an der Krahenhöhe wurde nicht mehr in ausreichendem Maße von Kunden für Beratungen genutzt. Sie wird bis Anfang Mai ebenfalls in einen SB-Standort umgewandelt.

Gräfrath und Krahenhöhe werden SB-Standorte, dafür eröffnet ein digitales Beratungscenter.

Von Björn Boch

Die Höhscheider Filiale zieht vom bisherigen Standort in die früheren Räume des „Anderen Ladens“. Das rote Gebäude – hier im Hintergrund zu sehen – gehört der Stadt-Sparkasse.

Solingen. Die Solinger Stadt-Sparkasse wird zwei ihrer derzeit neun Filialen mit Beratung schließen und zu SB-Standorten umbauen. Betroffen sind Gräfrath und die Krahenhöhe. Das teilte das Kreditinstitut am Dienstag auf der Jahrespressekonferenz mit. Die Sparkasse reagiere damit auf ein verändertes Kundenverhalten, erklärte Vorstandsmitglied Sebastian Greif – die Kundenfrequenz sei an beiden Standorten zu gering. Die Entscheidung sei gemeinsam mit dem Verwaltungsrat getroffen worden. In dem Gremium unter Vorsitz von Oberbürgermeister Tim Kurzbach beraten Politiker den Vorstand und fassen Beschlüsse – die Stadt ist alleinige Trägerin der Stadt-Sparkasse.

Die beiden Umwandlungen sollen bereits zum 1. Mai vollzogen werden. Die Gräfrather Kunden werden künftig in der Geschäftsstelle am Central betreut, die Kunden von der Krahenhöhe in Mitte und Höhscheid. Auch die Kundenberater wechseln in andere Filialen, Kündigungen gibt es nicht. In Höhscheid gibt es eine weitere Veränderung: Die Sparkasse zieht vom bisherigen Standort in das Gebäude auf der anderen Straßenseite – in die früheren Räume des „Anderen Ladens“. Auch dieser Umzug soll Ende April abgeschlossen sein.

Sebastian Greif, Vorstandsmitglied der Solinger Stadt-Sparkasse, erklärt die Neuausrichtung im Filialgeschäft der Sparkasse. Video: Björn Boch

„Wir müssen wirtschaftlich arbeiten. Nur so bleiben wir wettbewerbsfähig.“

Sebastian Greif, Vorstandsmitglied

Es gebe einen deutlichen Wandel im Kundenverhalten, erklärte Sebastian Greif: „Wir müssen wirtschaftlich arbeiten, um die Bürgerdividende auszahlen zu können – und um investieren zu können. Nur so bleiben wir wettbewerbsfähig.“ Als Bürgerdividende bezeichnet die Sparkasse die Summe aus Geld, das sie an die Stadt abführt, Sponsoring und Spenden an Vereine und Institutionen. Wie in den Vorjahren wird die Sparkasse 2021 einen Bilanzgewinn von rund 4 Millionen Euro ausweisen – 1,6 Millionen fließen in den städtischen Haushalt, rund 1 Million sind Spenden und Sponsoring. Der Rest fließt in die Rücklagen.

Das Kundenverhalten führt zu einer Neueröffnung: Die Sparkasse will noch in diesem Jahr mit einem digitalen Beratungscenter starten – es wird am Ohligser Standort am Markt angesiedelt. Von dort können Kunden beispielsweise per geteiltem Bildschirm oder Videochat beraten werden. Start soll mit vier Mitarbeitern sein. Außerdem werden Öffnungszeiten der verbleibenden Filialen leicht ausgebaut.

Der Neubau der Sparkassen-Hauptstelle in Mitte: Zwei Kräne sind schon da, ein dritter folgt bald. Anfang März soll die Bodenplatte gegossen sein, dann wächst der Bau in die Höhe.

„Die Standorte haben dann eine gute Größe, um die Kunden mit Qualität und Perspektive zu begleiten“, betonte der Vorstandsvorsitzende Stefan Grunwald. Die Stadt-Sparkasse habe immer noch die meisten Filialen in Solingen – und sei gut beraten, dieses Alleinstellungsmerkmal langfristig zu erhalten. Der stationäre Wettbewerb sei da, aber der digitale mindestens genau so wichtig. „Wir wollen nicht einfach reduzieren und sparen, sondern uns darauf ausrichten, wo unsere Kunden sind.“ Mit der Kombination aus Filialen und digitalen Angeboten sei man „sehr wettbewerbsfähig“.

2021 brachte erneut ein Rekordjahr: Die Bilanzsumme stieg um 8 Prozent auf 3,6 Milliarden Euro. Grunwald sprach von einem „lebhaften Kreditgeschäft“, das 2,76 Milliarden Euro betragen habe – ebenfalls ein Plus von knapp acht Prozent. Das verwaltete Vermögen stieg auf 3,87 Milliarden Euro – ein Zuwachs von rund zehn Prozent. Mit 18 Prozent Gesamtkapitalquote sei das Haus gut aufgestellt, sowohl im Sparkassenvergleich, als auch gegenüber anderen Kreditinstituten, betonte Grunwald.

Die Höhscheider Filiale zieht vom bisherigen Standort in die früheren Räume des „Anderen Ladens“. Das rote Gebäude – hier im Hintergrund zu sehen – gehört der Stadt-Sparkasse.

Größte Investition ist der Neubau der Hauptgeschäftsstelle am Neumarkt – rund 80 Millionen Euro sind veranschlagt. 20 Millionen wurden in die neue Ohligser Filiale investiert. Saniert werden soll die Walder Filiale, Details gibt es dazu noch nicht – ebenso wenig wie zur Nachnutzung der Immobilien in Höhscheid oder am Bremsheyplatz.

Noch offen ist, wann der SB-Standort in Burg wieder eröffnet werden kann. Das habe die Sparkasse fest vor, es seien aber zahlreiche Voraussetzungen zu prüfen, etwa beim Thema Sicherheit. Das sei in jüngster Zeit durch viele Automatensprengungen in der Region immer wichtiger geworden, betonte das stellvertretende Vorstandsmitglied Andreas Tangemann.

Auch interessant: Stadt-Sparkasse in Solingen setzt auf Online-Service

In Zahlen

Filialen: Sieben Filialen ab 1. Mai 2022 (Ohligs/Wald/Central/Aufderhöhe/Höhscheid/Mitte plus S-Point im Hofgarten für junge Kunden)

Mitarbeiter: 541, davon 43 Auszubildende

SB: Ab 1. Mai dann 14 SB-Standorte (Ein- und Auszahlung, Kontoauszüge, Überweisungen), Geldautomaten: 35

Bilanzsumme 2021: 3,6 Milliarden Euro (plus 8 Prozent)

Erste Meldung von 13 Uhr

Stadt-Sparkasse schließt zwei Filialen

Die Stadt-Sparkasse schließt zwei Filialen und wandelt sie in SB-Standorte um.

Solingen. Die Solinger Stadt-Sparkasse wird zwei ihrer derzeit acht Filialen schließen: die bisherigen Filialen in Gräfrath und an der Krahenhöhe werden in SB-Standorte umgewandelt. Das teilte das Kreditinstitut auf der Jahres-Pressekonferenz mit. Man reagiere damit auf ein verändertes Kundenverhalten, erklärte Vorstandsmitglied Sebastian Greif - die Kundenfrequenz an den Standorten sei zu gering.

Die Gräfrather Kunden sollen künftig in der Geschäftsstelle am Central betreut werden, die Kunden von der Krahenhöhe in Mitte und Höhscheid. Auch dort steht eine Veränderung an: die Sparkasse zieht vom bisherigen Standort in das Gebäude gegenüber - in die früheren Räume des „Anderen Ladens“. Umgesetzt werden sollen die Umzüge bis Mai 2022. bjb

Standpunkt: Besondere Verantwortung

Von Björn Boch

bjoern.boch@solinger-tageblatt.de

Geld ist Vertrauenssache. Zwar erledigen Kunden das normale Tagesgeschäft heute zum größten Teil online. Die meisten Beratungen zu Finanzierungen oder Geldanlagen finden aber persönlich in Filialen statt. Doch auch das wird sich ändern – worauf die Sparkasse mit mehr digitaler Beratung reagiert, während zwei Filialen zu SB-Standorten ohne Mitarbeiter werden. Die Verantwortlichen wissen um die besondere Bedeutung der Sparkasse, vor der nicht umsonst „Stadt-“ steht. Beim Pressetermin wurde der gesellschaftliche Auftrag mehr als einmal betont. Ja, die Sparkasse investiert in großem Umfang, um die Zukunft zu sichern. Das Konzept klingt schlüssig und nachvollziehbar. Und es macht keinen Sinn, Filialen aus Prinzip zu erhalten. Beratung muss in erster Linie gut sein – egal, ob digital oder vor Ort. Was fehlt, ist eine Antwort auf die Sorgen vor allem älterer Kunden, die nur eingeschränkt mobil sind und ihre vertraute Filiale vor Ort nicht ohne weiteres ersetzen können.

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