Erster Schneefall

Stadt prüft Winterdienst für Radstrecken

Wenn es geschneit hat, ist Radfahren auf der Korkenziehertrasse teilweise tagelang nicht möglich, kritisiert Bernhard Stoer vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club. Der Grund: Schnee und Eis, die sich wegen des fehlenden Winterdienstes hartnäckig halten. Foto: Christian Beier
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Wenn es geschneit hat, ist Radfahren auf der Korkenziehertrasse teilweise tagelang nicht möglich, kritisiert Bernhard Stoer vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club. Der Grund: Schnee und Eis, die sich wegen des fehlenden Winterdienstes hartnäckig halten.

Der ADFC kritisiert, dass die Korkenziehertrasse nach Schneefall zu lange nicht befahrbar ist.

Von Manuel Böhnke

Solingen. Wer nach dem jüngsten Wintereinbruch auf der Korkenziehertrasse spazieren wollte, brauchte gutes Schuhwerk. Für Radfahrer ist die Situation auf der beliebten Strecke im Winter noch unangenehmer. „Es bildet sich schnell nach dem ersten Schneefall eine gefährliche Schicht aus Eis und Neuschnee, die ein Befahren oftmals für Tage, manchmal sogar bis zu zwei Wochen unmöglich machen“, schildert Bernhard Stoer. Er ist Sprecher der Ortsgruppe Solingen des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). Doch diese Probleme könnten bald der Vergangenheit angehören. Wie die städtische Pressestelle erklärt, prüft die Verwaltung derzeit, wie sie zukünftig auch auf Radwegen den Winterdienst gewährleisten kann.

Damit wäre ein Problem gelöst, auf das der ADFC Stoer zufolge bereits mehrfach beim Runden Tisch Radverkehr aufmerksam gemacht hat. Dass es auf der Trasse, die Teil der künftigen Veloroute ist, bislang keinen Winterdienst gibt, führe die Beteuerungen für die Verkehrswende sowie die Gleichberechtigung der Verkehrsmittel ad absurdum. Die Stadt stehe in der Verantwortung, die Strecke „im Winter vollständig zu räumen oder verlässliche Regelungen zum Winterdienst zu erlassen“.

„Es bildet sich schnell nach dem ersten Schneefall eine gefährliche Schicht aus Eis und Neuschnee.“
Bernhard Stoer, ADFC-Sprecher

Dem ADFC geht es in erster Linie um die Korkenziehertrasse. Durchaus denkt Bernhard Stoer aber auch weiter. Er regt an, die Winterdienstregelung auf die übrigen Teile der Veloroute und weitere, für den Radverkehr bedeutsame Abschnitte auszuweisen. „Es muss nicht jeder Feldweg geräumt werden, sondern nur die wichtigsten Strecken“, betont der Ohligser. Als Radfahrer müsse man sich darauf verlassen können, dass zentrale Wege auch im Winter befahrbar sind.

Im Rathaus arbeitet man an dem Problem. „Gerade vor dem Hintergrund, dass sich Mobilität derzeit deutlich verändert und die Verkehrswende das Ziel ist“, wie Pressesprecherin Sabine Rische betont. Einige Voraussetzungen seien allerdings noch zu klären. Die Corona-Pandemie habe den Prozess im abgelaufenen Jahr verzögert.

In einem ersten Schritt habe die Stadt ein Hauptradwegenetz definiert. Dies beinhaltet die wichtigsten Verbindungen, etwa zur Arbeit und zur Schule. Für diese Strecken werde nun geprüft, ob die Voraussetzungen für den Winterdienst erfüllt werden: Können Maschinen die Bodenbeläge reinigen? Sind Poller vorhanden, die die Zufahrt erschweren? Welche Ertüchtigungen sind notwendig? „Oberste Priorität hat dabei die Korkenziehertrasse“, betont Rische.

Auf ST-Anfrage zeigt sich Bernhard Stoer zufrieden, dass Bewegung in die Sache kommt: „Dieser Fall scheint ein versöhnliches Ende zu nehmen.“ Überhaupt stellt der ADFC-Sprecher fest, dass der Radverkehr in der öffentlichen Wahrnehmung eine immer wichtigere Rolle einnimmt. Daran möchten Stoer und seine Mitarbeiter weiter arbeiten: „Man muss die Situation für Radfahrer verbessern, damit es einfacher wird, häufiger vom Auto aufs Rad umzusteigen.“

Nun gehe es jedoch erst einmal darum, sich weiter für den Winterdienst auf der Trasse einzusetzen. Geräumt werden sollte nicht nur auf einer Breite von 1,2 Metern, wie bei Gehwegen vorgeschrieben ist, fordert der ADFC. Dieser Platz reiche nicht aus, um Begegnungsverkehr weiterhin zu ermöglichen.

Voraussetzung für den Winterdienst auf Radwegen ist, dass die Straßenreinigungssatzung geändert und die Gebührensatzung angepasst werden, erklärt Sabine Rische. Denn der klassische Winterdienst beziehe sich bislang auf Straßen und Fußwege. Diesem Schritt muss die Politik zustimmen. Die Stadt möchte den Prozess so schnell wie möglich abschließen. Noch 2021 soll sich der Rat mit dem Thema beschäftigen und die notwendigen Satzungsbeschlüsse treffen. Bis zur Entscheidung will der ADFC für das Projekt werben, die nötige Mehrheit erkämpfen. „Das wäre ein schönes Signal“, findet Bernhard Stoer. 

Veloroute

Bei der Veloroute handelt es sich um eine geplante Radverbindung von Düsseldorf nach Wuppertal über Hilden und Solingen. Teil der gut ausgebauten und ausgeschilderten Strecke ist die Korkenziehertrasse. Für den Ausbau der Veloroute gibt es Fördermittel vom Land. Um die zu erhalten, muss die Route bestimmte Standards erfüllen. Einer davon: möglichst wenige Hindernisse. Außerdem haben Radfahrer teils Vorrang vor dem Autoverkehr. Das Angebot soll dazu beitragen, dass Pendler vom Auto aufs Fahrrad umsteigen.

Standpunkt: Umdenken erforderlich

Von Michael Albrecht

Wer in den verschneiten Solinger Wäldern als Spaziergänger Erholung sucht, der weiß, dass es glatt werden kann. Niemand käme da auf die Idee, dass die Wanderwege gestreut oder geräumt werden müssen. Im Winter gehören verschneite Wege und Glatteis nun einmal dazu. Mehr noch, sie machen die Wanderung durch den verschneiten Wald erst zu einem echten winterlichen Vergnügen.

michael.albrecht@solinger-tageblatt.de

Etwas anders sieht es hingegen bei der Trasse aus. Sie ist nicht nur für viele Solinger eine beliebte Strecke für erholungssuchende Fußgänger oder Radfahrer. Sie hat auch eine Funktion als gefahrlose Verbindungen zwischen Ortsteilen. 

Es gibt auch hier Solinger, die das Auto in der Garage lassen, um mit dem Fahrrad zur Arbeitsstelle zu kommen. Dieser Umstieg wird durch den E-Bike-Boom noch befeuert. Diese Radler im Winter wieder auf die Straßen zu verweisen, ist nicht zielführend. Deshalb ist in Sachen Winterdienst auf wichtigen Radverbindungen wie der Korkenziehertrasse ein Umdenken zeitgemäß und erforderlich.

Hatte der Winter sich in den vergangenen Wochen zunächst noch zurückgehalten, bricht die kalte Jahreszeit nun spürbar über Solingen herein. In den kommenden Tagen sinkt die Temperatur regelmäßig unter die Null-Grad-Marke und es ist immer wieder mit Glätte zu rechnen. Die wichtigsten Fragen und Antworten rund um die frostigen Tage im Überblick.

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