Sengbachtalsperre

Stadt pflanzt bald mehr als 60.000 Bäume

Damit die Bäume in Ruhe wachsen können, wurden die Setzlinge in diesen Tagen eingezäunt. Foto: Stadtwerke Solingen
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Damit die Bäume in Ruhe wachsen können, wurden die Setzlinge in diesen Tagen eingezäunt.

Pläne für Gräfrath, Widdert, Aufderhöhe und Burg. Stadtwerke forsten rund um die Sengbachtalsperre weiter auf.

Von Kristin Dowe

Solingen. Noch im laufenden Jahr will die Stadt mehr als 60.000 Bäume in Solinger Waldgebieten neu pflanzen. Das geht aus einer Antwort des Stadtdienstes Natur und Umwelt auf Anfrage unserer Redaktion hervor. In der Planung seien neue Bäume vor allem in den Stadtteilen Gräfrath, Widdert, Aufderhöhe und Burg. „Ab Frühjahr 2022 wird der Natur unterstützend mit standortgerechten, klimastabilen Baumarten geholfen. So entsteht ein klimaplastischer, resilienter Mischwald“, heißt es vom Stadtdienst.

Auch die Aufforstung rund um die Sengbachtalsperre schreitet voran. Hatten die Stadtwerke Solingen seit März vergangenen Jahres bereits rund 14.000 Setzlinge gepflanzt, sollen in diesem Jahr noch einmal weitere 8000 junge Bäume dazukommen, teilt Stadtwerke-Sprecherin Lisa Nohl auf Anfrage mit. Terminiert seien die Pflanzungen aber noch nicht.

Der Solinger Wald ist durch die Folgen des Klimawandels stark betroffen. Die Stadt nehme ihre Verantwortung als Grundstückseigentümerin bei der Verkehrssicherung im Wald sehr ernst. Vor allem geschädigte Fichten in Bereichen mit einem erhöhten Verkehrsaufkommen seien daher sukzessive gefällt worden – unter anderem bei einer Großmaßnahme an der Remscheider Straße und im Müngstener Brückenpark im vorigen Jahr, aber auch an vielen anderen Orten im Stadtgebiet. Die durch den Borkenkäfer entstandenen Freiflächen werden auf ihre mögliche Baumarteneignung untersucht und dann priorisiert.

Folgen der Dürrejahre: 2020 wurden an Straßen dreimal so viele „Gefahrenbäume“ beseitigt wie früher üblich – auch 2021 war die Zahl hoch.

So werden die Setzlinge geschützt

Doch mit dem Pflanzen allein ist es nicht getan – das zeigt sich an der Sengbachtalsperre exemplarisch. Die Setzlinge müssen nicht nur vor Bissen durch Wildtiere geschützt werden, sondern vor allem vor Menschen, die abseits der Wege ihren Müll abladen, so Lisa Nohl. „Deshalb wird die Fläche jetzt eingezäunt, damit die jungen Bäume in Ruhe wachsen können.“ Zusätzlich wurde ein spezieller Verbissschutz angebracht, die Setzlinge wurden freigeschnitten.

Letzteres sei regelmäßig notwendig, berichtet Roland Sorgenicht, Talsperrenmeister bei den Stadtwerken Solingen. „Sonst werden die jungen Bäume schnell mit anderen Pflanzen wie Brombeeren oder Kräutern zugewuchert und können nicht gut gedeihen.“ Ein Verbissschutz gegen Wildbisse sei ebenfalls unverzichtbar. „Tiere wie Rehe fressen die Pflanzen nun mal an. Wir sind deshalb im Interesse der Naturverjüngung in einem gewissen Maße auch auf die Jagd angewiesen. Denn wo nicht gejagt wird, dort wird der Wald nicht groß werden.“

Schlussendlich sei das Ursprungsproblem wiederum der Mensch, erläutert Sorgenicht. „Wenn in einem Gebiet ein hoher Freizeit- und Besucherdruck herrscht, stellt sich das Wild darauf ein. Und wo der Tisch gedeckt ist, greift es auch an.“ Zudem hätten die Stadtwerke in der Vergangenheit häufiger mit Fällen von Vandalismus an den jungen Bäumen zu tun gehabt.

Setzlinge sind momentan sehr gefragt, überall wird aufgeforstet.

Roland Sorgenicht, Talsperrenmeister

Insgesamt will das Unternehmen in den kommenden fünf Jahren rund 50.000 Bäume an der Sengbachtalsperre, einem Gebiet von circa 30 Hektar Fläche, pflanzen – hauptsächlich Eiche, Buche, Linde und Kirsche. Dabei werden die Setzlinge immer zu kleinen Gruppen von etwa 20 Bäumen zusammengefasst.

Anfängliche Lieferprobleme seien inzwischen behoben, eine Baumschule in Hünxe hat die jungen Pflanzen zur Verfügung gestellt, freut sich Sorgenicht. „Es war gar nicht so einfach, da heranzukommen, da Setzlinge momentan sehr gefragt sind und einfach überall aufgeforstet wird.“

Mit den Problemen in den Wäldern steht die Stadt Solingen nicht allein da. Der Befall des Borkenkäfers und lange Dürreperioden haben Fichtenbeständen überall stark zugesetzt (siehe unten). Das regenreiche, weitgehend frostfreie Wetter der vergangenen Monate sei für das Wachstum der Bäume gut gewesen, Schäden durch den Sturm kürzlich hätten sich in Grenzen gehalten, sagt der Talsperrenmeister. Im Frühjahr und Sommer gehe die Arbeit bei der Baumpflege erst richtig los: „Dann haben wir noch viel zu tun.“

Stadt pflanzt kostenlos Bäume in den Gärten der Bürger

Hintergrund

Die Einschätzung des Stadtdienstes Natur und Umwelt: Durch die Dürrejahre, darunter insbesondere das Jahr 2018, haben die Wälder in ganz Europa sehr gelitten. Ein massiver Borkenkäferbefall – vor allem an der Fichte – sowie Trockenstress an fast allen anderen Baumarten sind die Folge. Bei den örtlichen Fichten ist durch den Borkenkäfer ein beachtlicher Schadholzanteil angefallen.

Standpunkt: Eine Mammutaufgabe

Ein Kommentar von Kristin Dowe

kristin.dowe@solinger-tageblatt.de

Eine Stadt forstet auf: Dass die Solinger Verwaltung mehr als 60 000 Bäume allein in diesem Jahr pflanzen will und die Stadtwerke sich perspektivisch bis zu 50 000 Neupflanzungen vorgenommen haben, ist schon ein Wort. Angesichts des angeschlagenen Zustands der Solinger Wälder und des dramatisch fortschreitenden Klimawandels ist Abhilfe aber auch bitter nötig. Anhaltende Dürrephasen und Borkenkäferbefall haben den Bäumen bundesweit stark zugesetzt, und immer mehr versiegelte Flächen treiben die Erwärmung der Städte zusätzlich voran. Die Stürme der vergangenen Wochen haben weiteren Schaden an den Baumbeständen angerichtet. Wie groß das Problem auch für andere Kommunen ist, zeigt die enorme Nachfrage nach Setzlingen, die für die Stadtwerke lange nicht zu haben waren. Solingens Wälder als grüne Lunge der Großstadt sind mehr als Erholungsräume, sie erfüllen eine unerlässliche Kühl- und Schutzfunktion. Mit Neupflanzungen allein ist es aber nicht getan, denn die jungen Bäume sind erst mal durchaus pflegeintensiv. Die Mammutaufgabe der Waldsanierung wird die Stadt auch in den kommenden Jahren begleiten.
Mitte, Ohligs und Wald sind Hitzeinseln - Stadtgrün hilft

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