Stadt sucht „Klimabäume“

Folgen der Dürrejahre: Stadt muss viele Bäume fällen

Gefahrenbäume Gräfrath
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Bei einem Sturm stürzten im Herbst unter anderem im Bereich Gräfrath mehrere Bäume auf die Straßen und mussten von der Feuerwehr beseitigt werden. Um solche Vorfälle zu vermeiden, lässt die Stadt auch vorbeugend Bäume fällen, die nicht mehr standsicher sind.

2020 wurden an Straßen dreimal so viele „Gefahrenbäume“ beseitigt wie früher üblich – auch 2021 war die Zahl hoch. Die Stadt versucht mit dem Pflanzen von „Klimabäumen“ den Fällungen entgegenzusteuern.

Von Andreas Tews

Solingen. In Folge der Dürrejahre mussten entlang der Solinger Straßen extrem viele Bäume gefällt werden. Sie drohten umzustürzen und stellten somit eine Gefahr dar. Im Jahr 2020 waren es nach Angaben der Stadtverwaltung 318 Bäume, im Jahr davor 196. Auch 2021 war mit 128 „Gefahrenbaum“-Fällungen noch überdurchschnittlich. Üblich waren in den Jahren vor den Dürren nach Rathaus-Angaben 80 bis 120.

Vor allem die Dürren der Jahre 2019 und 2020 setzten Bäumen und anderen Pflanzen stark zu. Auch das feuchtere Jahr 2021 half nicht, die Böden wieder bis in ausreichende Tiefen zu befeuchten. Dies setzt Bäume unter Stress. Haben sie nicht genug Wasser, vertrocknen sie. An Straßen müssen sie abgesägt werden, wenn sie nicht mehr standfest sind. Im vergangenen Herbst stürzten bei Stürmen dennoch etliche Bäume um. In einigen Fällen – unter anderem in Gräfrath – fielen sie auf Straßen.

Die dramatische Entwicklung wird durch weitere Zahlen der vergangenen Jahre belegt. Von den 128 im Jahr 2021 gefällten Bäumen waren 105 bereits abgestorben. In den Jahren davor waren es 259 und 94. Zuvor bewegte sich diese Zahl pro Jahr zwischen 25 und 34. Die meisten Fällungen der Technischen Betriebe (TBS) habe es an den Straßenrändern gegeben, berichtet Rathaussprecher Daniel Hadrys.

Wir sprachen mit dem Wupperverband über den Klimawandel im Bergischen.

Die TBS testen die Verwendung von sogenannten Klimabäumen.

Daniel Hadrys, Rathaussprecher

Besonders betroffen seien Birken, Ebereschen und Fichten. Verstärkt wird der Stress für Bäume, die nicht nur unter Trockenheit litten, sondern auch unter sonst ungünstigen Standortverhältnissen. Seit Jahren versuchen die TBS gegenzusteuern. Hadrys: „Der Teilbetrieb Stadtgrün und Stadtbildpflege testet die Verwendung von sogenannten „Klimabäumen“, also Baumarten, die in der Lage sind, die Trockenheit und Hitzeabstrahlung der innerstädtischen Standorte zu tolerieren.“

Mitte, Ohligs und Wald sind Hitzeinseln - Stadtgrün kann dagegen helfen.

Dies reiche aber nicht aus. Zugleich müssen die Bäume zum Beispiel Anforderungen an das Lichtraumprofil erfüllen und frosthart sein. Viele für die Trockenheit geeignete Baumarten aus dem mediterranen Bereich sind laut Hadrys für das Solinger Klima nicht ausreichend winterhart. Dennoch hätten sich bereits einige Baumarten bewährt. Dazu zählen die Blumenesche oder die Ungarische Eiche.

Abgeschlossen sei dieser Prozess noch nicht. Zu den Arten, die sich nach Einschätzung der Technischen Betriebe bereits bewährt haben, werden regelmäßig weitere Baumarten getestet. Je nach Erfolg nehmen die TBS diese Arten in das Standardsortiment für Bäume im Solinger Stadtbild auf. In der Versuchsphase sei man zum Beispiel bei der Zelkove, dem Eisenbaum und dem Burgenahorn. In der Burger Landstraße wurden nun 23 Bergahorne gepflanzt.

Aber auch an den Standortbedingungen für die Bäume werde gearbeitet. „Bei der Neuanlage von Baumstandorten wird darauf geachtet, dem Baum möglichst viel Wurzelraum zu Verfügung zu stellen“, berichtet Hadrys. Davon versprechen sich die Fachkräfte der TBS, dass ein Baum in Zukunft eher in der Lage sein werde, längere Dürreperioden zu verkraften. In der Vergangenheit sei dies bei den eher verregneten bergischen Sommern nicht unbedingt nötig gewesen.

Erprobt werden auch neue Techniken. Dazu gehören laut Hadrys die Baumrigolen. Bei denen werde Regenwasser aktiv in den Baumstandort eingeleitet, um dort zu versickern. Vor allem bei sommerlichen kurzen und heftigen Gewittern könne dies für eine zusätzliche Bewässerung sorgen, erklärt Hadrys.

Waldumbau

Auch die Wälder sind stark von den Dürren betroffen. Für die Wiederaufforstung hat der Stadtdienst Natur und Umwelt das Konzept „Umbau der Solinger Wälder“ erarbeitet. Es besagt in erster Linie, dass die Förster auf Baumarten setzen, die mit Trockenheit zurechtkommen. Detailliert ist aber auch festgehalten, welche Behandlung die verschiedenartigen Flächen benötigen.

Standpunkt:

Ein Kommentar von Andreas Tews

andreas.tews@solinger-tageblatt.de

Um jeden Baum, der gefällt werden muss, ist es schade. Es ist aber davon auszugehen, dass die Technischen Betriebe nur solche Gehölze beseitigen, bei denen es nötig ist, weil sie eine Gefahr für Fußgänger oder Kraftfahrer darstellen. Diesen Nachweis müssen die TBS in jedem Einzelfall erbringen. Die gestiegene Zahl an Baumfällungen zeigt in erster Linie, wie dramatisch die Situation für unsere Natur ist. Der Klimawandel ist nicht mehr zu übersehen. Extreme Wetterlagen wie Dürren und Starkregen häufen sich. Dies darf uns nicht kalt lassen. Dringend müssen wir daran arbeiten, uns vor den Folgen dieser Umwälzungen zu schützen. Dazu gehören ein optimierter Hochwasserschutz, Frühwarnsysteme sowie Wälder und Straßen mit Bäumen, die mit der Trockenheit zurechtkommen. Dies ist aber nur ein Herumdoktern an den Symptomen. Wichtig ist, die Ursachen zu bekämpfen. Der Klimawandel ist keine Naturkatastrophe, die einfach nur über uns kommt. Er ist menschengemacht. Jeder von uns kann dazu beitragen, ihn durch entsprechendes Verhalten wenigstens noch abzumildern.

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