Nachhaltige Ideen

Stadt möchte Solinger Holz selbst nutzen

Prototypen existieren bereits, in den kommenden Monaten möchten die Technischen Betriebe 100 Hochbeete für Kitas vor Ort fertigen. Das Holz dafür stammt von abgestorbenen Fichten aus Solinger Wäldern. Das Projekt ist nur der erste Schritt eines geplanten Strategiewechsels im Umgang mit dem Solinger Stadtholz. Foto: Michael Schütz
+
Prototypen existieren bereits, in den kommenden Monaten möchten die Technischen Betriebe 100 Hochbeete für Kitas vor Ort fertigen. Das Holz dafür stammt von abgestorbenen Fichten aus Solinger Wäldern. Das Projekt ist nur der erste Schritt eines geplanten Strategiewechsels im Umgang mit dem Solinger Stadtholz.

Verwaltung sieht sich als „bundesweiter Vorreiter“ – Wert des Waldes betrage jährlich 31 Millionen Euro

Solingen. Die Stadt möchte ihr Holz aus Solinger Wäldern zukünftig nicht mehr in die Welt verkaufen. Stattdessen soll es vollständig für eigene Zwecke verwendet werden. Der Stadtdienst Natur und Umwelt, die Technischen Betriebe (TBS) und die Wirtschaftsförderung haben ein entsprechendes Konzept erarbeitet und gestern Nachmittag bei einem Pressegespräch vorgestellt. Mit diesem „Leuchtturmprojekt“ sei Solingen bundesweit Vorreiter.

Holz nach China zu verschiffen ist nicht nachhaltig - deshalb gibt es nun eine Alternative

Würde man den Wert des Solinger Waldes in Geld ausdrücken, ergäbe sich laut Angaben der Verwaltung eine Summe von 31 Millionen Euro pro Jahr. Den Löwenanteil machen schwer messbare Aspekte wie Naherholung, Rückhalt von Starkregen sowie Erosions-, Lärm- und Artenschutz aus. Ein verhältnismäßig kleiner Teil sind die tatsächlichen Holzerlöse: Sie liegen bei rund 365 000 Euro pro Jahr für den Waldbestand der Stadt.

„Bisher sind die Hauptabnehmer die Sägeindustrie und Holzhändler“, erklärte Markus Schlösser, Abteilungsleiter Wald und Landschaft beim Stadtdienst Natur und Umwelt. In den vergangenen Jahren führte das Fichtensterben zu einem Preisverfall. Das Holz zum Beispiel nach China, wo die Nachfrage zwischenzeitlich wieder erheblich gestiegen ist, zu verschiffen, sei mit Blick auf das Thema Nachhaltigkeit fragwürdig. Im Juni 2020 begannen Matthias Sinn, Leiter des Stadtdienstes Natur und Umwelt, und Wirtschaftsförderer Frank Balkenhol deshalb, über Alternativen nachzudenken. „Es braucht einen Strategiewechsel“, betonte Balkenhol.

Pilotprojekt: Aus Solinger Fichtenholz entstehen 100 Hochbeete inklusive Mulch für Kitas in Solingen

Der Plan sieht vor, dass die in Solingen gefällten Bäume vor Ort zurechtgeschnitten, gelagert und weiterverarbeitet werden. „Das Holz verlässt die Stadt nicht mehr“, verdeutlichte Christoph Dorenbeck, TBS-Abteilungsleiter Gebäude- und Anlagentechnik. Möglich macht das zum einen das Sägewerk Stricker mit Sitz in Höhrath. Solingens einziger Betrieb dieser Art hat zugesagt, das städtische Holz zurechtzuschneiden. Die TBS verfügen über eine eigene Schreinerei, in der zukünftig die Verarbeitung erfolgen soll.

Wie es laufen kann, haben die Beteiligten in den vergangenen Wochen ausprobiert. Das Forstamt stellte der Wirtschaftsförderung nicht mehr marktfähiges Fichtenholz zur Verfügung. Die Stücke wurden auf Länge gebracht und bei den TBS an der Tersteegenstraße getrocknet. Als Pilotprojekt sollen daraus 100 Hochbeete inklusive Mulch für hiesige Kindertagesstätten entstehen. Einige Prototypen existieren bereits, die Produktion startet voraussichtlich nach den Sommerferien.

Das Holz soll den Bürgerinnen und Bürgern zugutekommen.

Frank Balkenhol, Wirtschaftsförderung

Außerdem planen die TBS, das Holz in Zukunft für die Reparatur von Spielgeräten zu verwenden. Doch welche Nutzungen wären darüber hinaus denkbar? „Das Holz soll den Bürgerinnen und Bürgern zugutekommen“, erklärte Frank Balkenhol. Perspektivisch könne man etwa über Stadtmöbel nachdenken. Dabei handelt es sich allerdings noch um Zukunftsmusik. Zunächst müssen die politischen Gremien dem Strategiewechsel zustimmen. Im Herbst kommt das Thema auf die Tagesordnungen.

Klar ist, dass das Holz zunächst nicht auf dem freien Markt verfügbar sein wird. „Wir suchen aber nach Lösungen, dass auch die Solinger Wirtschaft davon profitieren kann“, versicherte Balkenhol. Zuvor gebe es jedoch einige wettbewerbsrechtliche Hürden zu nehmen.

Unabhängig vom Fichtensterben fallen laut Markus Schlösser jährlich 5000 Kubikmeter Holz als Abfallprodukt der Waldpflege an. 50 Prozent könne man sinnvoll weiterverarbeiten. Die andere Hälfte möchten die TBS dem Kompostierungsprozess zuführen oder zu Hackschnitzeln verarbeiten. TBS-Leiter Martin Wegner betonte: „Ziel ist eine Kreislaufwirtschaft.“ | Standpunkt

Expertenteams

Den Strategiewechsel im Umgang mit Stadtholz erörtert die Verwaltung in Workshops mit Expertenteams. Thema dabei sind unter anderem konkrete Verwendungsmöglichkeiten für den Rohstoff. An dem Prozess sind beispielsweise Unternehmer, das Institut für Produktentwicklung und Innovationsmanagement und die Neue Effizienz GmbH beteiligt.

Kommentar von Manuel Böhnke

manuel.boehnke@ solinger-tageblatt.de

Holz ist in den vergangenen Monaten zu einem raren Gut geworden. Erst fielen die Preise in den Keller, weil kaputte Fichten den Markt schwemmten. Dann fegte der Bauboom im In- und Ausland eben jenen leer. Inmitten dieser Phase verkündet die Stadt, ihr eigenes Holz zukünftig nur noch lokal weiterverarbeiten zu wollen. Diesen Schritt begründen die Verantwortlichen vor allem mit mehr Nachhaltigkeit: Der Rohstoff wird nicht mehr auf mit Schweröl angetriebenen Schiffen ans andere Ende der Welt transportiert, sondern kommt den Solingerinnen und Solingern zugute. Doch der Strategiewechsel, dem die Kommunalpolitik im Herbst zustimmen muss, erfüllt noch einen weiteren Zweck. Man macht sich damit zumindest ein kleines Stück unabhängig von den Schwankungen auf dem globalen Markt. Die Corona-Pandemie mit ihren zahlreichen Auswirkungen auf die internationalen Wertschöpfungsketten hat gezeigt, dass das nicht die schlechteste Idee ist.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Bergische Messer aus 100 Prozent Abfall
Bergische Messer aus 100 Prozent Abfall
Bergische Messer aus 100 Prozent Abfall
Bahnstraße in Ohligs nach schwerem Unfall wieder frei
Bahnstraße in Ohligs nach schwerem Unfall wieder frei
Bahnstraße in Ohligs nach schwerem Unfall wieder frei
Solinger bei Unfall mit Falschfahrer verletzt
Solinger bei Unfall mit Falschfahrer verletzt
Solinger bei Unfall mit Falschfahrer verletzt
Doppelspitze kostet die Technischen Betriebe 120.000 Euro
Doppelspitze kostet die Technischen Betriebe 120.000 Euro
Doppelspitze kostet die Technischen Betriebe 120.000 Euro

Kommentare