Stadtentwicklungskonzepte

Stadt investiert 4,8 Millionen in Stadtteile

In Solingen-Mitte stehen etliche Ladenlokale leer. Eine Zwischennutzung wird vom Land finanziell gefördert.
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In Solingen-Mitte stehen etliche Ladenlokale leer. Eine Zwischennutzung wird vom Land finanziell gefördert.

Vier vom Land NRW geförderte Stadtteilentwicklungskonzepte laufen gleichzeitig.

Solingen. Das Land Nordrhein-Westfalen fördert derzeit vier Integrierte Stadtteilentwicklungskonzepte in Solingen gleichzeitig – so viele wie in kaum einer anderen Kommune. Dies bedeutet nicht nur, dass die Stadtplaner im Rathaus viel Arbeit haben. Es fließt auch viel Geld in die Klingenstadt. Etwas mehr als 4,8 Millionen Euro investiert die Stadt alleine in diesem Jahr auf diesem Weg in Ohligs, Solingen-Mitte, Burg und Wald. Davon steuert das Land fast 3,9 Millionen Euro bei.

In Integrierten Stadtteilentwicklungskonzepte wird nach den Vorgaben des Landes die langfristige Entwicklung der betreffenden Gebiete beschrieben. Mit jedem einzelnen Konzept sind nach Angaben des Stadtplanungsdezernenten Hartmut Hoferichter (parteilos) über einen Zeitraum von acht bis neun Jahren jeweils Investitionen von 15 bis 20 Millionen Euro verbunden. Mit diesem Geld werden sowohl die Planungen als auch die Umbau- und Renovierungsarbeiten selbst finanziert. Der größte Planungsaufwand wird laut Hoferichter derzeit für Wald und Mitte betrieben. In Ohligs und Burg ist die Umsetzung hingegen schon im Gange. Folgendes wird in diesem Jahr in den einzelnen Stadtteilen erledigt:

Der Ohligser Markt ist einer der Punkte, die im Zuge des Integrierten Stadtteilentwicklungskonzepts umgestaltet werden.

Burg: Den größten Betrag hat das Land in diesem Jahr mit knapp 2,3 Millionen Euro aktuell für Burg bewilligt. Der Schwerpunkt liege auf Schloss Burg, beschreibt Hoferichter. Dort werden bis zum Frühjahr 2022 diverse Außenanlagen wie Schlossplatz und Schlossterrasse, aber auch das Mitteltor, das Glockenhaus und der Batterieturm aufgewertet. Die drei bergischen Großstädte müssen als Eigentümerinnen rund 600 000 Euro beisteuern.

786 000 Euro gehen nach Wald

Die Baustellen dort sollen abgeschlossen sein, wenn ab dem kommenden Jahr die vom Bund und dem Land mitfinanzierte Sanierung des Schlosses selbst fortgesetzt wird. Dafür stehen aufwendige Planungen an. Nachdem die Arbeiten am Bergfried und dem Grabentorhaus in den vergangenen Jahren abgeschlossen wurden, ist ab dem kommenden Jahr das Hauptgebäude (Palas) samt Kapelle an der Reihe. Laut Hoferichter laufen derzeit viele Ausschreibungen für die anstehenden Arbeiten.

In Wald soll unter anderem die Friedrich-Ebert-Straße vom Stadtteilentwicklungskonzept profitieren.

Wald: Rund 786 000 Euro an Landesmitteln kann die Stadt in Wald verplanen. Wichtiger Baustein dort sei der Aufbau eines Stadtteilmanagements, erklärt Hoferichter. Es soll im kommenden Jahr an den Start gehen, künftig Ansprechpartner für die Bürger vor Ort sein und die einzelnen Projekte begleiten. Diese Arbeit soll ein externes Büro im Auftrag der Stadt erledigen. Dafür bereite die Verwaltung derzeit die Ausschreibung vor, berichtet der Dezernent. Er hoffe auf gute Bewerbungen. Gute Fachbüros für ein Stadtteilmanagement zu finden, sei schwerer geworden, weil viele Kommunen auf der Suche seien.

In Ohligs wird in den kommenden Monaten sichtbar umgebaut

Mitte: Für das Stadtentwicklungsprogramm „City 2030“ fließen in diesem Jahr 616 000 Euro an Landesmitteln nach Solingen-Mitte. Im Mittelpunkt steht dort laut Hoferichter unter anderem das Thema Verkehr. Der Zuschuss für ein Mobilitätskonzept sei genehmigt. Deswegen könne die Arbeit daran jetzt losgehen. Geld steht aber auch für eine alternative Nutzung leerstehender Ladenlokale zur Verfügung. Bei dieser „Zwischennutzung“ leiste das dortige Stadtteilmanagement erfolgreiche Arbeit, berichtet Hoferichter. Gefördert wird auch ein Hof- und Fassadenprogramm sowie ein Konzept „Stadtgrün“ und damit verbundene erste Arbeiten.

Die Umgestaltung der Unterburger Ortsdurchfahrt ist bereits abgeschlossen. Ab 2022 geht es bei der Sanierung des Schlosses weiter.

Ohligs: Viel Sichtbares wird in den kommenden Monaten in Ohligs passieren. Dort wird die Fußgängerzone samt Ohligser Markt aufgewertet. Dies sei aber bereits „durchfinanziert“ berichtet Stadtdirektor Hoferichter. Darum machen die aktuell bewilligten Landesmittel nach Angaben der Stadtverwaltung dort nur knapp 170 000 Euro aus. Nachdem in der Vergangenheit unter anderem auf der Ostseite des Hauptbahnhofs bereits viel geschehen sei, laufe die Landesförderung für Ohligs langsam aus.

Stadtteilkonzepte

Integrierte Stadtteilentwicklungsprogramme sollen die Basis sein für die Entwicklung der betreffenden Stadtteile. Die Programme haben eine Laufzeit von acht Jahren, während der das Land NRW viele Projekte und Planungen finanziell fördert. Die Umsetzung läuft über einen längeren Zeitraum.

Standpunkt: Planen hier, warten dort

Kommentar von Andreas Tews

andreas.tews@ solinger-tageblatt.de

Mit den Stadtteilentwicklungsprogrammen ist nicht nur viel Geld, sondern auch einiges an Planungsleistung verbunden. Doch der Aufwand lohnt sich. In Ohligs und Burg ist die Gestaltung der Zukunft bereits im Gange, in Solingen-Mitte und noch mehr in Wald geht sie jetzt erst richtig los. Straßen und Plätze werden erneuert, Fassaden saniert und Verkehrsführungen neu geregelt. Mit solchen Programmen verbinden die Bewohner große Hoffnungen. Ein Konzept für die Zukunft eines Stadtteils kann aber immer nur so gut sein wie die Mitwirkung der Betroffenen. Darum ist es wichtig, die Bürger – unter anderem durch Stadtteilmanager – in die Planungen einzubinden. Wenn die Anwohner dabei aktiv mitziehen, wenn Planer und Politik ihre Anregungen berücksichtigen, kann etwas Gutes entstehen. Etwas neidisch blicken aber die Gräfrather und Höhscheider in die benachbarten Stadtteile. Für sie gibt es noch keine Entwicklungskonzepte. Und weil Solingen aktuell vierfach von den Fördertöpfen des Landes profitiert, muss es sich für diese beiden Stadtteile wohl erst einmal hinten anstellen.

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