Duales Studium

Stadt bildet Sozialarbeiter selbst aus

Hannah Möller (von links), Jona Heckmann und Monique Müller sind die angehenden Sozialarbeiter, die das Duale Studium beim Allgemeinen Sozialen Dienst absolvieren. Mike Wetzel (2. v.l.) ist der zuständige Abteilungsleiter. Foto: Christian Beier
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Hannah Möller (von links), Jona Heckmann und Monique Müller sind die angehenden Sozialarbeiter, die das Duale Studium beim Allgemeinen Sozialen Dienst absolvieren. Mike Wetzel (2. v.l.) ist der zuständige Abteilungsleiter.

Drei junge Menschen absolvieren das Duale Studium

Solingen. Sie sind die ersten Sozialarbeiter, die die Stadt Solingen selbst ausbildet: Hannah Möller, Jona Heckmann und Monique Müller absolvieren ein Duales Studium. „Wir haben auch in diesem Bereich einen Fachkräftemangel und müssen darauf reagieren“, erklärt Mike Wetzel, Abteilungsleiter Allgemeiner Sozialer Dienst (ASD), dem Jugendamt. Die Studenten werden nun darauf vorbereitet, Familien bei Trennungen zu beraten, über Inobhutnahmen von Kindern zu entscheiden und Hilfen einzuleiten.

Gestartet haben sie ihre Ausbildung im September 2020. Die Stadt Solingen arbeitet dafür mit der Fliedner Fachhochschule in Düsseldorf zusammen, mit der auch andere Kommunen wie Essen, Düsseldorf und Monheim kooperieren. Rund 50 Mitarbeiter beschäftige der ASD in Solingen, so Wetzel. Aufgeteilt sind sie in vier Bezirke; Mitte, Ohligs, Höhscheid und Wald. „Das ist ein sehr anspruchsvoller Bereich, und es schwierig, dafür Fachkräfte zu finden.“ Viele Hochschulabsolventen hätten im Studium vor allem Theorie kennengelernt. „Für viele ist die Praxis dann eine wahnsinnige Umstellung.“ Mit dem Dualen Studium, das drei Jahre dauert, setzt die Stadt auf eine praxisnähere Ausbildung.

Zwei Tage Hochschule, drei Tage ASD

Drei Tage in der Woche arbeiten die Studenten beim ASD, an zwei Tagen sind sie an der Hochschule. Wegen der Pandemie finden die Lehrveranstaltungen allerdings derzeit nur online statt.

Bei ihrer Arbeit in den ASD-Büros lernen die angehenden Sozialarbeiter die Arbeit mit den Familien. Sind Eltern überfordert? Braucht eine Familie Unterstützung bei der Erziehung? Auch wenn Kinder ein Elternteil treffen, das nur Umgangsrecht hat, sind Mitarbeiter des Jugendamts dabei. Schwerpunkte des Studiums seien neben Verwaltung und Recht auch Psychologie und Sozialwissenschaften. „Wenn wir mit den Eltern arbeiten, müssen die Kollegen einschätzen können, ob Hilfe erforderlich ist und wenn ja, welche.“

Gute Vorbereitung soll verhindern, dass Mitarbeiter gehen

Bei Kindeswohlgefährdung muss das Jugendamt entscheiden, ob ein Kind in Obhut genommen wird – in einer Pflegefamilie oder einem Heim. „Wenn die Eltern das ablehnen, müssen wir einen Antrag beim Familiengericht stellen.“ Bei Gerichtsverfahren muss das Jugendamt deshalb auch Stellungnahmen abgeben.

„Wir wollen die Mitarbeiter gut vorbereiten, denn der ASD ist zwar eine vielseitige, aber auch belastende Tätigkeit“, betont Wetzel, der selbst Sozialpädagoge und ausgebildeter Mediator ist. „Man kommt an Grenzen, wenn man tragische Situationen in Familien und Trennungsschlachten miterlebt. Das nimmt einen mit.“ Durch eine gute Vorbereitung und einen intensiven Austausch im Kollegenkreis soll verhindert werden, dass Mitarbeiter hinschmeißen. „Denn das betrifft das Team ebenso wie die Klienten“, erklärt Mike Wetzel. Wenn Familien einem Sozialarbeiter ihre ganze Lebensgeschichte erzählen, erzeuge das eine hohe Intimität. „Kommt ein neuer Kollege, ist da erst mal Distanz.“

Ein ASD-Mitarbeiter sei für 30 bis 35 Fälle zuständig. „Das ist abhängig davon, wie schwer diese sind.“ Um rund 1100 Fälle kümmere sich das Solinger Jugendamt. Dabei könnten Kinder mehrfach auftauchen, wenn es für sie mehrere Hilfemaßnahmen gibt. Durch die Corona-Pandemie seien die Zahlen nicht exorbitant gestiegen. „Zugenommen haben die Meldungen für Kindeswohlgefährdung“, berichtet der Abteilungsleiter. Das heiße jedoch nicht, dass immer Hilfemaßnahmen hätten ergriffen werden müssen. Auch nach der Tragödie an der Hasseldelle im September 2020, als eine Mutter mutmaßlich fünf ihrer Kinder tötete, seien vermehrt Anrufe eingegangen. „Das hat die Bevölkerung sensibilisiert. Und es spricht dafür, dass es soziale Kontrolle gibt.“

Soziale Arbeit

Studium: Das Duale Bachelor-Studium Soziale Arbeit an der privaten Fliedner Fachhochschule dauert sechs Semester. Die Studiengebühren übernimmt die Stadt Solingen. Die Studierenden erhalten zudem 1018 Euro im ersten Ausbildungsjahr. Ob Solingen weitere Sozialarbeiter auf diese Weise ausbildet, soll geprüft werden.

Voraussetzungen: Sozialarbeiter sollten Empathie, Klarheit, Sensibilität und Durchsetzungskraft mitbringen, so Wetzel.

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