Illegale Entsorgung von Abfall

Stadt beseitigt 1041 wilde Müllkippen

Ein schmales Bachbett voller Müll: Dieses Bild bot sich vor dem Wochenende in der Ohligser Heide. Mitten im Naturschutzgebiet haben Unbekannte ihren Abfall entsorgt. Die Technischen Betriebe haben eine zeitnahe Beseitigung angekündigt.
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Ein schmales Bachbett voller Müll: Dieses Bild bot sich vor dem Wochenende in der Ohligser Heide. Mitten im Naturschutzgebiet haben Unbekannte ihren Abfall entsorgt. Die Technischen Betriebe haben eine zeitnahe Beseitigung angekündigt.

2021 konnten nur in 31 Fällen Verfahren gegen die Verursacher eingeleitet werden.

Von Manuel Böhnke

Solingen. Eine Matratze, Stühle, gefüllte Müllsäcke und etwas Geschirr. Das schmale Bachbett in der Ohligser Heide gleicht einer Sperrgut-Sammelstelle. Mitten im Naturschutzgebiet haben Unbekannte ihren Abfall entsorgt. Fälle wie dieser werden der Stadt Solingen immer häufiger gemeldet. 2021 beseitigten die Technischen Betriebe (TBS) 1041 wilde Müllkippen, im Jahr zuvor waren es 964.

Innerhalb von zehn Jahren hat sich der Wert laut Angaben der städtischen Pressestelle mehr als vervierfacht. 2011 lag er bei 236, vier Jahre später bereits bei 419. „Einen hohen Anteil an dieser Entwicklung hat der weiter zunehmende Anteil an Einwegverpackungen und sicherlich auch das verstärkte Verpackungsaufkommen durch den Versandhandel“, nennen die Verantwortlichen einen Erklärungsansatz. Ein zusätzlicher Faktor sei, dass moderne Kommunikationsmöglichkeiten das Melden wilder Müllkippen vereinfacht haben.

Die illegale Abfallentsorgung schadet nicht nur der Umwelt, sondern verursacht zudem Kosten. 150 000 Euro waren laut Rathaus-Angaben im vergangenen Jahr notwendig, um die Schandflecken zu beseitigen. Und die Schuldigen? Ihnen drohen im Ernstfall Bußgelder in Höhe von bis zu 5000 Euro. Doch meist bleiben sie unerkannt. „Städte haben es oft schwer, Umweltsünder ausfindig zu machen“, erklärt die Verwaltung.

Zwar gibt es bei den TBS zwei Stadtbildwarte, die den Unrat auf seinen Verursacher hin untersuchen. Ihr Erkenntnisse leiten sie an die Ordnungsbehörde weiter. Konkrete Anhaltspunkte gibt es allerdings nur selten. Finden sich keine Hinweise wie Adressaufkleber, gebe es „meist kaum eine Chance, die Umweltsünder aufzuspüren“, erklärt die Stadt. Die ernüchternde Bilanz: 2021 wurden 31 Verfahren wegen wilder Müllkippen eingeleitet – bei mehr als 1000 Fällen.

Aktionen gegen wilde Müllkippen

Die Technischen Betriebe setzen auf Aktionen, „um die breite Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren und weitere Verschmutzungen des Solinger Stadtgebietes zu vermeiden“. 2019 wurden etwa wilde Müllkippen mit Plakaten markiert. Im vergangenen Jahr fanden zudem der stadtweite Dreck-Weg-Tag sowie die 13. Müllsammelwoche statt, an der mehr als 7500 Kindergartenkinder und Grundschüler teilnahmen. Mit ihren  Erziehern und Lehrern sammelten sie rund 2,3 Tonnen Müll.

Die wilde Müllkippe in der Ohligser Heide möchten die TBS zeitnah beseitigen. Sie befinde sich in einem „ökologisch sehr wertvollen Bachbett“. Die Stelle liegt wenige Hundert Meter von der Langhansstraße entfernt. Genau solche abgelegenen Wege und Plätze in unbebauten Gebieten sind bei den Verursachen wilder Müllkippen beliebt, erklärt die Stadt. Doch auch aus eher anonymen Wohnsiedlungen mit mehrstöckigen Häusern erreichen die Verwaltung immer wieder Meldungen. Grundsätzlich gelte: „Insgesamt betrachtet werden wilde Kippen aus dem gesamten Solinger Stadtgebiet angezeigt.“

Was entsorgt wurde, unterscheide sich von Fall zu Fall. Die Mitarbeiter der Technischen Betriebe stoßen auf Haushaltsmüll, Renovierungsreste, Entrümpelungen, Mobiliar und Gartenabfälle genauso wie auf gewerblichen Unrat wie Bauholzreste, Altreifen und Grünschnitt.


Melden

Es gibt verschiedene Wege, der Stadtverwaltung wilde Müllkippen zu melden. Einerseits ist dies telefonisch unter Tel. (02 12) 2 90-45 03 möglich. Darüber hinaus stehen eine E-Mail-Adresse und der städtische Mängelmelder zur Verfügung. Wichtig ist, den Fundort exakt zu beschreiben, damit die Mitarbeiter der Technischen Betriebe die Stelle finden können. Eine beigefügte Karte kann hilfreich sein. Zudem sind Fotos nützlich, um zu priorisieren, wie dringend die Beseitigung ist.

wildekippen@solingen.de; melder.solingen.de

Standpunkt: Muss man aushalten

Kommentar von Manuel Böhnke

manuel.boehnke@ solinger-tageblatt.de

Die Zahl der in Solingen gemeldeten wilden Müllkippen nimmt seit Jahren zu. Eine gute Nachricht ist das beileibe nicht. Doch auf den zweiten Blick hat die Entwicklung eine positive Seite. Denn die Zahlen spiegeln nicht automatisch wider, dass es in der Klingenstadt mehr Umweltsünder gibt. Der Anstieg zeigt gleichermaßen, dass immer mehr Solinger die Initiative ergreifen und der Stadt wilde Müllkippen melden. Sie wollen es nicht hinnehmen, dass sich Abfall um Glascontainer oder auf Wanderparkplätzen stapelt. Der Effekt: Die Technischen Betriebe erfahren rasch von den Schandflecken und können sie frühzeitig beseitigen. Damit werden jedoch nur Symptome bekämpft. Gegen die Ursachen helfen nur empfindliche Strafen für die Schuldigen und ein gesamtgesellschaftlich steigendes Bewusstsein für Umwelt- und Naturschutz. Trotzdem wird es immer einige Menschen geben, die für die simpelsten Regeln zivilisierten Zusammenlebens nicht empfänglich sind. Das muss man wohl aushalten. Wenn im Schnitt nicht mehr fast drei wilde Müllkippen pro Tag gemeldet würden, wäre das schon ein Schritt in die richtige Richtung.

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