ST vor Ort

Fotosammlung erzählt Burgs Geschichte

Ein Stück lebendige Zeitgeschichte: Wolfgang Gomille zeigt ein Foto vom Besuch des früheren Bundespräsidenten Theodor Heuss im Batterieturm auf Schloss Burg. Foto: Kristin Dowe
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Ein Stück lebendige Zeitgeschichte: Wolfgang Gomille zeigt ein Foto vom Besuch des früheren Bundespräsidenten Theodor Heuss im Batterieturm auf Schloss Burg.

Solinger hat rund 600 Aufnahmen und Postkarten digitalisiert

Von Kristin Dowe

Solingen. Manchmal verliert Wolfgang Gomille beinahe ein wenig den Überblick, wenn er an seinem Bildschirm zwischen den Jahrzehnten hin und her springt. Gut 600 Fotos und historische Postkarten aus etwa über 100 Jahren hat der Solinger aus seiner Heimat Burg mittlerweile gesammelt, chronologisch sortiert und digitalisiert. Darunter echte Raritäten wie der Besuch des ehemaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss, der am 21. Oktober 1951 die Gedenkstätte des Deutschen Ostens im Batterieturm auf Schloss Burg einweihte. „Das war schon etwas Besonderes, dass Herr Heuss nach Solingen kam“, erinnert sich der heute 75-Jährige an den Tag, der damals selbst noch ein kleiner Junge war. Heuss habe sich auch ins Goldene Buch des Schlossbauvereins eingetragen, bei dem auch Wolfgang Gomille lange aktiv war.

Zwar sei er in Remscheid geboren, aber „bis auf die ersten acht Tage meines Lebens war ich Bürger der Stadt Burg“, hält Gomille rückblickend auf die Zeit fest, als Burg eine eigenständige Stadt war und noch nicht im Zuge der Gebietsreform 1975 Solingen zugeschlagen wurde.

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Seine beeindruckende Fotosammlung möchte der Rentner auch der Öffentlichkeit zugänglich machen und sie dem Solinger Stadtarchiv anbieten. Die Aufnahmen werfen Schlaglichter auf die Geschichte des heutigen Stadtteils, den das Hochwasser kürzlich in den niedrigen Lagen, sprich in Unterburg, so hart getroffen hat. „In der Dimension haben wir so etwas in all den Jahren hier noch nicht erlebt“, ist sich Wolfgang Gomille sicher.

Fotos künden von unbeschwerten Zeiten

Seine Fotos künden von unbeschwerteren Zeiten – etwa als Dieter Backhaus, der Erbauer der Seilbahn in Burg, 1952 mit seiner Frau die erste Fahrt über die Wupper wagte. Dies sei damals eine kleine Sensation gewesen. „Das waren ja immerhin 88 Höhenmeter! Das war wirklich ein Erlebnis.“ Backhaus habe damals eine Vision gehabt und damit Recht behalten: „Er war begeistert von den süddeutschen Seilbahnen und wollte so etwas auch für Burg“, schildert Gomille. Heute gehört die Seilbahn mit Schloss Burg zu den Wahrzeichen Solingens. Wolfgang Gomille nutzte sie als Kind auf dem Rückweg von der damaligen Grundschule Burg, um hoch zurück nach Hause zu fahren – eine Möglichkeit, die wohl nicht jeder hat.

Der Burger stammt aus der alteingesessenen Gastronomenfamilie Kalkum, bekannt durch das Café Kalkum auf Schloss Burg. Wolfgang Gomilles Großmutter Ernestine hat den Familienbetrieb 1923 gegründet, 1973 übernahm seine Mutter Elsbeth dort das Ruder, bis 1999 Wolfgang Gomilles Frau Adelheid die Leitung übernahm. 2015 gab die Familie das Café endgültig aus der Hand, das heute noch immer als Café-Restaurant Kalkum weitergeführt wird. Auch aus den frühen Jahren des bis heute beliebten Ausflugsziels besitzt Wolfgang Gomille noch viele Fotos.

1952 machte Dieter Backhaus, der Erbauer der Seilbahn, mit seiner Frau die erste Fahrt über die Wupper. Rechts im Bild ist Josef Ring, der damalige Betriebsleiter.

Worüber er heute schmunzeln muss: Obwohl seine Großmutter das Café gegründet hat, dies für eine Frau aber damals sehr unüblich war, trug der Betrieb eine Zeit lang den Namen „Café Frau Franz Kalkum“. „Damals war man mit der Emanzipation noch nicht so weit. Dabei war das Café all die Jahre fest in Frauenhand!“

ST-Stadtteilserie

Morgen erscheint der letzte Teil unserer Stadtteilserie über Burg. Darin wird es um die Bemühungen einer Bürgerinitiative in Höhrath gehen, die sich dafür einsetzt, dass der heutige Solinger Ortsteil wieder Wermelskirchen zugeordnet wird. Die Zugehörigkeit zu Solingen ist aus ihrer Sicht mit vielen praktischen Nachteilen im Alltag verbunden.

Alle Teile der ST-Stadtteilserie finden Sie hier.

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