Ruhestand

Schwester Eugenie Kober hat 47 Jahre lang Patienten gepflegt

Eugenie Kober, für viele Schwester Eugenie, ist zum Jahresende 2022 in den Ruhestand gegangen. Sie würde wieder in die Pflege gehen, sagt die 64-Jährige. „Das ist einfach mein Ding.“
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Eugenie Kober, für viele Schwester Eugenie, ist zum Jahresende 2022 in den Ruhestand gegangen. Sie würde wieder in die Pflege gehen, sagt die 64-Jährige. „Das ist einfach mein Ding.“

Schwester Eugenie Kober verbrachte ihr gesamtes Berufsleben in der St. Lukas Klinik. Warum sie das noch einmal genauso machen würde, verrät sie im Gespräch mit dem ST.

Von Anja Kriskofski

Solingen. Als Eugenie Kober 1975 ihre Ausbildung in der St. Lukas Klinik begann, leiteten noch viele Ordensschwestern die Stationen. „Ich wollte ein paar Jahre bleiben und dann vielleicht in ein anderes Krankenhaus wechseln.“ Aus „ein paar Jahren“ ist fast ein halbes Jahrhundert geworden: 47 Jahre hat Schwester Eugenie an der Schwanenstraße Patienten gepflegt. Jetzt ist die langjährige Stationsleiterin in den Ruhestand gegangen. „Ich würde jederzeit wieder in die Pflege gehen, trotz der heute schwierigen Umstände wie Personalmangel“, sagt die 64-Jährige. Sie könne aber verstehen, dass viele Pflegekräfte ihren Beruf heute aufgeben.

Über eine Anzeige in der katholischen Kirchenzeitung kam sie als 17-Jährige nach Solingen. „Ich wollte direkt nach der Schule mit der Ausbildung beginnen“, erzählt sie. In ihrer Heimatstadt Mönchengladbach wäre Ausbildungsstart jedoch erst im April gewesen, in Ohligs hingegen im Oktober. Dort bekam sie nach dem Vorstellungsgespräch direkt eine Zusage. Die Pflegeschule befand sich damals noch an der Schwanenstraße, mit Unterkunft im selben Gebäude, direkt gegenüber der St. Lukas Klinik. „Wenn ich abends weggehen wollte, musste ich mich austragen. Aber ich habe mich von Anfang an wohlgefühlt.“ 1978 machte sie ihre Examen, lernte ihren Mann Detlev kennen, der ebenfalls in der St. Lukas Klinik arbeitete. Und blieb.

20 Jahre lang leitete sie die Privatstation

Kober hat immer in Vollzeit gearbeitet. Auch nach der Geburt ihres Sohnes 1980 fing sie nach einem halben Jahr Elternzeit wieder an. Im Zusammenspiel mit ihrem Mann, mit klinikeigenem Kindergarten – den es damals noch gab – und Tagesmutter habe das wunderbar geklappt. Sie pflegte Patienten auf der chirurgischen und auf der gynäkologischen Station, leitete schließlich mehr als 20 Jahre die Privatstation.

„Die Nähe zum Patienten hat mir am meisten Spaß gemacht.“ Ihnen morgens früh beim Waschen, Anziehen und Kämmen zu helfen: „Es hat mich immer gefreut, wenn der Patienten glücklich am Frühstückstisch saß.“ Weil weniger erfasst und dokumentiert werden musste, hätten die Schwestern früher mehr Zeit für die Patienten gehabt. „Die Schülerinnen sind auch mit ihnen spazieren gegangen.“

Zum Berufsalltag gehörten auch viele schwierige Situationen

Zudem blieben die Patienten auch viel länger im Krankenhaus, als das heute der Fall ist. „Nach großen Operationen drei Wochen. Da war die Bindung eine ganz andere. Wenn Patienten schwer krank waren, die wir lange gepflegt haben, haben wir mitgelitten.“ Manche Geschichten beschäftigen Schwester Eugenie bis heute. So hat sie auf der gynäkologischen Station auch Frauen versorgt, die ihr Kind tot zur Welt gebracht haben.

„Aber ich erinnere mich auch an viele schöne Erlebnisse. Zum Beispiel an eine Patientin, die kaum laufen konnte, als sie zu uns kam.“ Nach erfolgreicher Hüft-OP haben sie mit einem Strahlen das Krankenhaus verlassen – „schmerzfrei und gehend“. Oder wenn Patientinnen sich freuten, sie wiederzusehen: „Schwester Eugenie, Sie sind noch hier!“

Der Fortschritt hat auch für das Pflegepersonal vieles einfacher gemacht: Mussten früher die Kopfteile der Betten mit viel Kraft hochgestellt werden, funktioniert das heute meist auf Knopfdruck. Aus Wasserbetten habe man Patienten kaum heraushieven können.

„In der Pflege zu arbeiten, ist sehr erfüllend gewesen. Ich habe gesehen, was ich getan habe.“ Doch ihr Beruf brachte auch mit sich, dass Freunde sich zurückzogen, weil sie häufig arbeiten musste, wenn andere frei hatten. „Und nach dem Dienst war ich oft k. o.“ An die Politik hat sie einen Wunsch: „Sie muss Sorge tragen, dass die Krankenhäuser ausreichend Geld bekommen und in Ruhe ihre Arbeit machen können.“

Den Ruhestand will Eugenie Kober nun mit ihrem Mann genießen, Ausflüge machen, Museen besuchen („das liebe ich“) und endlich lang geplante Städtereisen nachholen. Mehr Zeit hat das Paar nun auch, um die drei Söhne und sechs Enkelkinder zu sehen.

Ausbildung

St. Lukas Klinik: Jedes Jahr beginnen dort 20 Auszubildende die dreijährige Ausbildung zum/zur Pflegefachmann/Pflegefachfrau, so Kplus-Sprecherin Cerstin Tschirner. Hinzu kommen vier in der einjährigen Pflegefachassistenz.

Mitarbeiter: Etwa 300 Mitarbeitende arbeiten an der St. Lukas Klinik in der Pflege.

Mangel: Man betreibe einen hohen Aufwand, um die Kurse zu füllen und eigenen Nachwuchs auszubilden. „Noch gelingt das.“

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