2026 soll Umzug erfolgen

St. Lukas Klinik gibt Ohligser Standort auf - Wechsel nach Hilden

Das 60 Jahre alte Gebäude der St. Lukas Klinik sei nicht wirtschaftlich zu sanieren, erklärte Andreas Degelmann, Sprecher der Geschäftsführung der Kplus Gruppe. Die Fachabteilungen wechseln nach Hilden ans St. Josefs Krankenhaus.
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Das 60 Jahre alte Gebäude der St. Lukas Klinik sei nicht wirtschaftlich zu sanieren, erklärte Andreas Degelmann, Sprecher der Geschäftsführung der Kplus Gruppe. Die Fachabteilungen wechseln nach Hilden ans St. Josefs Krankenhaus.

Die Abteilungen sollen bis 2026 nach Hilden wechseln. Dort werden 50 Millionen Euro investiert.

Solingen. Die St. Lukas Klinik wird ihren Ohligser Standort aufgeben. Das teilte Andreas Degelmann, Sprecher der Geschäftsführung der Kplus Gruppe, am Dienstagnachmittag bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz mit. Die Kplus Gruppe, zu der das Krankenhaus St. Lukas gehört, will an ihrem Hildener Standort neu bauen. 2026 soll dann der Umzug erfolgen – aus St. Lukas Ohligs und St. Josefs Hilden wird ein Krankenhaus. „Alle Abteilungen bleiben erhalten“, betonte Degelmann.

Andreas Degelmann, Sprecher der Geschäftsführung der Kplus Gruppe.

Ein Großteil der rund 550 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sei am Dienstagmorgen vor Ort über die Entscheidung informiert worden. „Die Mitarbeitenden haben das überwiegend positiv aufgenommen, es gab viele Fragen, aber auch viel Verständnis und Zuspruch. Das ist eine Zukunftssicherung“, betonte Degelmann. Die Spitze der Solinger Stadtverwaltung, mehrere Parteien und Abgeordnete bedauerten den Weggang.

Solingen: Notwendige Sanierung der Klinik in Ohligs nicht wirtschaftlich

Die Entscheidung für Hilden sei vor einigen Monaten gefallen, da die dringend notwendige Sanierung der 1961 erbauten Klinik in Ohligs nicht wirtschaftlich möglich sei und dort kein anderes Grundstück zur Verfügung stehe. In Hilden könne man – teils neu und teils im Bestand – bauen und erweitern. Ein Antrag ans Land in Höhe von 50 Millionen Euro sei bereits gestellt. Investitionen in Krankenhaus-Infrastruktur sind Sache des Landes (siehe unten).

Die Versorgung der Patienten verschlechtere sich nicht. St. Lukas sei ein überregionaler Spezialversorger – schon jetzt kämen in einigen Bereichen, etwa der Neurologie, zwei Drittel der Patienten aus dem Kreis Mettmann. „Wir schließen in einigen Jahren zwar ein Gebäude, aber dieselben Ärzte und Pflegekräfte werden dieselben Behandlungen ein paar Kilometer weiter in Hilden erbringen“, erklärte Degelmann. Auch für die Notfallversorgung ändere eine Verlagerung des Standorts um rund fünf Kilometer nichts.

Um Patienten in Solingen und im Kreis Mettmann auch in Zukunft gut versorgen zu können, brauche es größere Fachabteilungen und abgestimmte Schwerpunkte – Kliniken sollen und müssen sich spezialisieren, so Degelmann.

„Hilden wächst zu einem größeren Player in der Region. Auch für die Ohligser ist das eine gute Nachricht.“

Andreas Degelmann, Kplus

Der Umzug löse eine neue regionale Krankenhausplanung aus, das Vorgehen sei daher auch mit den anderen Träger in der Region – dem St. Martinus Krankenhaus in Langenfeld und dem Städtischen Klinikum Solingen – abgestimmt worden. Außerdem hat die Kplus Gruppe ein Krankenhaus in Haan. Bethanien als Spezialklinik ist nicht Teil der Notfallversorgung und spielt bei den Abstimmungen keine Rolle.

Andreas Degelmann, Geschäftsführer der St. Lukas Klinik

Der Sozial- und Gesundheitsausschuss der Stadt Solingen hatte den Plänen am Montagabend in einer gemeinsamen, nichtöffentlichen Sitzung mit dem Beteiligungsausschuss zugestimmt. Bezirksregierung und Landesgesundheitsministerium hatten zuvor ebenfalls ihr Okay gegeben.

Die Absprachen sehen unter anderem vor, dass das Städtische Klinikum (SKS) in der Geriatrie (Altersmedizin) tätig werden soll. Die für Solingen besonders wichtige Stroke Unit für Schlaganfallpatienten werde zwar von Ohligs nach Hilden wechseln, dort aber vergrößert. Degelmann: „Hilden wächst zu einem größeren Player in der Region. Auch für die Ohligser ist das eine gute Nachricht.“ Außerdem wollen SKS und Kplus im Bereich Neurologie eng kooperieren: So soll St. Lukas im SKS an der Gotenstraße eine Nebenbetriebsstätte für neurologische Akutbehandlung eröffnen – sie wird nach dem Umzug nach Hilden organisatorisch Teil des St. Josefs und die neurologischen Behandlungen des Klinikums übernehmen.

Bereiche wie die Intensivmedizin werden nicht reduziert

Aus rund 300 Betten der Kplus Gruppe in Ohligs und 180 in Hilden würden insgesamt „mehr als 300 Betten in Hilden“, so Degelmann. Er erklärte diese Reduzierung so: Überall stünden Betten leer – allein in Hilden würden zwei ganze Etagen nicht mehr genutzt. „Es geht um leistungsfähige Versorgung, nicht um die Bettenzahl“, betonte der Sprecher der Geschäftsführung. Bereiche wie die Intensivmedizin würden nicht reduziert.

Die Pflegeeinrichtungen der Kplus Gruppe in Solingen seien von der Maßnahme nicht betroffen, auch die Verwaltung bleibe an der Schwanenstraße in Ohligs. Was mit dem Grundstück, auf dem bis 2026 das Krankenhaus steht, geschehen soll, ist nicht entschieden, die Kplus Gruppe sagte aber eine enge Abstimmung mit der Stadt zu. Wohnbebauung sei naheliegend – das werde aber sicher „acht bis zehn Jahre dauern“.

Klinikum fordert Investitionen

Dr. Martin Eversmeyer, Vorsitzender der Geschäftsführung des Städtischen Klinikums Solingen (SKS), weist auf die Notwendigkeit eines Kooperationsvertrags mit Absicherung über die Krankenhausplanung NRW hin: „Wir haben verdeutlicht, dass ein Ausbau unseres Hauses für die Versorgung der Bevölkerung dringend notwendig ist.“ Man sei auf einem guten Weg, mehr Klarheit brächten Gespräche mit Krankenkassen und Ministerium im Frühjahr 2022. „Wir werden keinen Plänen zustimmen, die die Versorgung der Bevölkerung, insbesondere im Schlaganfallbereich, gefährden. In die Standorte der Kplus Gruppe und des Klinikums müssen zusätzliche Investitionsmittel fließen, dafür ist eine Unterstützung des Landes unumgänglich.“

Standpunkt: Ein herber Schlag

Von Björn Boch

bjoern.boch@solinger-tageblatt.de

Ohligs ohne Krankenhaus? Das ist für viele schlicht nicht vorstellbar. Für so manche verschwindet die Klinik, in der sie selbst oder ihre Kinder das Licht der Welt erblickten. Dass an der Schwanenstraße seit mehr als fünf Jahren keine Neugeborenen mehr dazukamen, war schon damals ein Fingerzeig, wo die Reise im Gesundheitswesen hingeht: weg von der Klinik, die alles macht, hin zu spezialisierten Einrichtungen. Sofern verschiedene Häuser und Träger dann gut zusammenarbeiten – und die Grund- und Notfallversorgung nicht leiden –, muss das nichts Schlechtes sein. Mit Glück und Geschick resultiert aus dem Weggang von Kplus aus Ohligs vielleicht sogar eine Stärkung des Städtischen Klinikums – auch, weil beide Häuser ihre Zusammenarbeit intensivieren wollen. Dennoch ist die Entscheidung der Kplus Gruppe ein herber Schlag für die Klingenstadt: 50 Millionen Euro werden nicht hier, sondern in Hilden investiert, mehr als 500 Arbeitsplätze wandern über die Stadtgrenze. Bei der Entscheidung der Geschäftsführung konnte die Stadtspitze zwar nicht mitreden – eine Niederlage hat sie dennoch erlitten.

Unsere Erstmeldung:

St. Lukas Klinik gibt Solinger Standort bis 2026 auf

Ohligser Klinik plant Standort-Aufgabe bis 2026. Dependance der Notfall-Neurologie im Klinikum angedacht.

Solingen. Die St. Lukas Klinik wird ihren Ohligser Standort aufgeben. Das teilte Andreas Degelmann, Sprecher der Geschäftsführung der Kplus Gruppe, am Dienstag bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz mit. Die Gruppe, zu der das Krankenhaus gehört, baut in Hilden neu. Vier Jahre sind dafür geplant, anschließend folgt der Umzug.

Die Pläne seien eine Reaktion auf große Veränderungen in der Kliniklandschaft. Sie seien mit anderen Betreibern von Krankenhäusern in der Region abgestimmt - auch mit dem Städtischen Klinikum Solingen. Am Montagabend hatten der Sozial- sowie der Beteiligungsausschuss der Stadt nichtöffentlich getagt. Ein Tagesordnungspunkt war die Kooperation mit der Kplus Gruppe hinsichtlich der Krankenhausplanung.

Reaktionen der Stadtspitze zur Standortaufgabe

Obwohl die Kplus-Gruppe die Öffentlichkeit erst in diesen Minuten über den Rückzug aus Solingen informiert, gibt es bereits erste Reaktionen: Die Stadt Solingen und die Geschäftsführung des Städtischen Klinikums bedauern die Entscheidung der Kplus-Gruppe, sich mittelfristig aus Solingen zurückzuziehen und den Standort der traditionsreichen St. Lukas Klinik am Rande der Ohligser Heide aufzugeben sehr, heißt es in einer Pressemitteilung.

Bereits zur Jahresmitte hatte die Geschäftsführung der Kplus-Gruppe der Stadt und der Geschäftsführung des Städtischen Klinikums Solingen mitgeteilt, dass sie eine Umstrukturierung ihrer Standorte vornehmen wolle. In diesem Rahmen sollen die medizinischen Fachabteilungen der St. Lukas Klinik in Solingen auf die anderen Standorte, insbesondere in Haan und in Hilden, verlagert werden. Inzwischen hat die Kplus-Gruppe die Stadt darüber informiert, dass die Verlagerung bis 2026 erfolgen soll. Die Kplus-Gruppe schlägt vor, die neurologische Notfallbehandlung von der St. Lukas Klinik nach Hilden zu verlegen und zusätzlich eine vollwertige Dependance im Städtischen Klinikum Solingen zu betreiben.

Oberbürgermeister Tim Kurzbach: „Wir bedauern sehr, diesen Krankenhausstandort in Solingen zu verlieren. Ich hätte mir eine andere Entscheidung des Krankenhausträgers gewünscht. Nun werden wir alles daransetzen, dass diese Umstrukturierung nicht zu einer Schwächung der Gesundheitsversorgung der Solinger Bürgerinnen und Bürger führt und die hohen Standards erhalten bleiben. Das Städtische Klinikum hat bereits Kurs aufgenommen und ist auf dem Weg zu wirtschaftlicher Gesundung. Auf die Übernahme von medizinischen Leistungen der Kplus-Gruppe ist es nicht angewiesen. Im Interesse der Solinger Bevölkerung werden wir uns aber auch nicht davor scheuen, hier zusätzliche Verantwortung zu übernehmen. Die optimale medizinische Versorgung der Solingerinnen und Solinger ist unser Auftrag.“ Dem schließt sich der Solinger Beigeordnete Jan Welzel, zuständiger Dezernent für das Klinikum, an: „Es wird jetzt darum gehen, dass sich die Versorgung der Bevölkerung der Stadt Solingen, aber auch der umliegenden Regionen, nicht verschlechtert, sondern vielleicht sogar verbessert. Im Mittelpunkt steht vor allem die Schlaganfallversorgung unserer Bürgerinnen und Bürger.

Dr. Martin Eversmeyer, Vorsitzender der Geschäftsführung des Städtischen Klinikums Solingen, weist darauf hin, dass es nun für den Aufsichtsrat und die Geschäftsführung des Städtischen Klinikums Solingen wichtig sei, dass ein Kooperationsvertrag mit Absicherung über die Krankenhausplanung NRW geschlossen werde: „Nach der ersten Unterrichtung über die Pläne der Kplus-Gruppe in diesem Jahr haben wir in den anschließenden Gesprächen verdeutlicht, dass ein Ausbau unseres Hauses für die Versorgung der Bevölkerung dringend notwendig ist. Insgesamt sehe ich uns auf einem guten Weg. Mehr Klarheit werden wir bekommen, wenn die weiteren Gespräche unter Hinzuziehung der Krankenkassen und des Ministeriums im Frühjahr 2022 geführt sind. Wir werden keinen Plänen zustimmen, die die Versorgung der Bevölkerung, insbesondere im Schlaganfallbereich, gefährden. In die Standorte der Kplus-Gruppe und des Klinikums müssen zusätzliche Investitionsmittel fließen, dafür ist eine Unterstützung des Landes unumgänglich.“

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