Montagsinterview

St. Lukas Klinik: „Abriss ist wohl die einzige Alternative“

Kai Siekkötter ist seit Oktober Geschäftsführer der Kplus Gruppe. Unternehmenssitz ist die Schwanenstraße. Das soll auch nach der Schließung der St. Lukas Klinik so bleiben.
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Kai Siekkötter ist seit Oktober Geschäftsführer der Kplus Gruppe. Unternehmenssitz ist die Schwanenstraße. Das soll auch nach der Schließung der St. Lukas Klinik so bleiben.

Kplus-Chef Kai Siekkötter über die Verlagerung der St. Lukas Klinik und die geplante Unternehmensfusion.

Von Anja Kriskofski

2026 sollen die Abteilungen der St. Lukas Klinik ans St. Josefs Krankenhaus in Hilden verlagert werden. Wie weit sind die Pläne für den Zusammenschluss?

Kai Siekkötter: Wir haben im November 2021 einen Strukturfonds-Antrag beim Land gestellt. Solange über Fördermittel nicht entschieden ist, dürfen wir mit den Baumaßnahmen nicht beginnen. Deshalb haben wir hierfür noch keinen Architekten beauftragt. Wir haben aber die Zeit genutzt, um intern zu arbeiten. Wir binden die Mitarbeiter mit ein, damit wir ihre Vorstellungen für den Neubau berücksichtigen können. Es haben sich Teams aus beiden Häusern gebildet, so lernen sie sich schonmal kennen. Es ist gesundheitspolitisch, wirtschaftlich, baulich und personell sinnvoll, die beiden Häuser zusammenzulegen. Wir müssen über die Stadtgrenzen hinausblicken. Wir versorgen nicht nur die 160 000 Einwohner in Solingen, sondern auch die 260 000 Einwohner im Südkreis Mettmann. Der zentralere Standort in Hilden ist vorteilhaft für die Patientenversorgung.


Wie wird das finanziert?

Siekkötter: Wir haben 2021 eine förderungsfähige Bausumme von 58 Millionen Euro kalkuliert, aber das war vor der Inflation. Aus dem Strukturfonds haben wir rund 43 Millionen Euro beantragt. Wir können noch nicht sagen, wie viel wir bekommen. Den Rest müssen wir über Eigenmittel und Bankdarlehen finanzieren.


Gibt es schon Signale vom Land zu Ihrem Antrag?

Siekkötter: Ich bin zuversichtlich, dass unser Antrag positiv beschieden wird. Es liegen mehrere Anträge aus ganz NRW vor, da muss geprüft werden, welche das Land finanzieren will. Unserem Antrag liegt ein Medizin-Konzept zugrunde, das mit den Trägern der zwei anderen Solinger Krankenhäuser – Städtisches Klinikum und Bethanien – und des St. Martinus Krankenhauses in Langenfeld abgestimmt ist. Auch die Krankenkassen unterstützen es inhaltlich. Aber wir müssen uns in Geduld üben.


Was machen Sie, wenn der Antrag nicht positiv beschieden wird?

Siekkötter: Davon gehe ich nicht aus. Warum soll ein sinnvolles Konzept, das eine bessere Versorgung für die Menschen gewährleistet, insbesondere bei Schlaganfällen, nicht finanziell gefördert werden?

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Bleibt es beim Zeitplan – die Verlagerung nach Hilden war 2026 geplant – oder ändert sich etwas durch die Entwicklung im Baubereich?

Siekkötter: Wir wären gerne etwas weiter. Aber sobald wir das positive Signal vom NRW-Gesundheitsministerium bekommen, fangen wir an zu planen – unabhängig von der Entwicklung im Bausektor. Teilweise gehen die Baukosten jetzt schon wieder zurück. Wenn Fördermittel genehmigt werden, braucht es rund ein Jahr, bis die Baugenehmigung vorliegt. Wir werden sehen, wie sich die Inflation bis dahin entwickelt. Nichts zu machen, ist keine Option. Wir haben eine Versorgungsvision, und die müssen wir umsetzen, um wirtschaftlich stabil zu bleiben.

Bleiben alle Fachbereiche durch die Verlagerung nach Hilden erhalten?

Siekkötter: Es ist geplant, alle Fachabteilungen in der Region zu erhalten. Die Dependance der Stroke Unit im Städtischen Klinikum unter unserer fachlichen Leitung ist Teil des Konzepts der vier Träger. 60 bis 70 Prozent der Schlaganfallpatienten – wir behandeln 1300 pro Jahr – kommen aus dem Südkreis Mettmann. Durch die Verlagerung sechs Kilometer nach Hilden können wir weitere Randbereiche in die Versorgung mit reinnehmen, ohne eine Versorgungslücke in Solingen entstehen zu lassen. Die Kooperation mit dem Klinikum funktioniert gut, unter anderem beim Kopf-Hals-Tumorzentrum. Und schon jetzt übernehmen unsere Neurologen dort die neurologische Versorgung mit. Die Ärzte sind regelmäßig im Austausch miteinander.


Was wird aus der Immobilie an der Schwanenstraße?

Siekkötter: Die Bausubstanz der St. Lukas Klinik ist schlecht, ein Abriss ist wohl die einzige Alternative. Die Anschlussnutzung wird sich zeigen. Die Stadt Solingen wird da auch mitreden wollen, auch wegen der Nähe zum Naturschutzgebiet. Das St. Lukas Pflegeheim bleibt, ebenso das Verwaltungsgebäude.

Wie weit ist der Zusammenschluss mit der St. Augustinus Gruppe?

Siekkötter: Die Gesellschafter beider Unternehmensgruppen befürworten den Zusammenschluss. An den Verträgen wird mit Hochdruck gearbeitet. Gleichzeitig müssen beide Gruppen die Pandemie weiter bewältigen, die Herausforderung durch die Inflation und die Krankenhausplanung. Wir müssen die katholischen Gemeinden als Gesellschafter einbinden und in den ehrenamtlichen Gremien vorstellig werden. Es gibt aber keinen wirtschaftlichen Druck, dass die beiden Unternehmensgruppen zu einem Tag X zusammenkommen.

Wird künftig noch hier in Solingen entschieden oder nur noch in Neuss?

Siekkötter: Entscheidend für mich ist, dass Entscheidungen da getroffen werden, wo die meiste Verantwortung liegt – und zwar vor Ort in den einzelnen Einrichtungen. Nur wenige zentrale, strategische Entscheidungen trifft der Träger, zum Beispiel, wie wir übergreifend einkaufen. Wo die dann getroffen werden, ist unerheblich.

Was ändert sich für die Mitarbeiter und Patienten?

Siekkötter: Nichts. Das ist ein unternehmensrechtlicher, formaler Zusammenschluss. Die Mitarbeiter in den Einrichtungen bleiben dort beschäftigt. Auch für die Patienten ändert sich nichts.

Was wird aus dem Namen St. Lukas Klinik?

Siekkötter: Diese Frage wird sich stellen, wenn der Fördermittelantrag durch ist. Noch gibt es keine Ideen. Aber das wird ein hochemotionales Thema. Die Frage beschäftigt auch die Mitarbeiter, die sich mit ihren Häusern identifizieren. Die St. Lukas Klinik hat in Solingen eine lange Tradition und das St. Josefs Krankenhaus in Hilden sogar noch eine längere.

Wie ist die wirtschaftliche Situation der Kplus Gruppe?

Siekkötter: Wir schreiben seit 2020 schwarze Zahlen, die Kplus Gruppe ebenso wie die St. Lukas Klinik. Die Geschäftsführer haben ihre Arbeit gemacht. Wir haben die medizinische Dokumentation und das Erlösmanagement verbessert, haben im Energiebereich in Blockheizkraftwerke und eine komplette Leittechnik investiert. Wir haben uns medizinisch weiterentwickelt, zum Beispiel in der Neuroradiologie. Das hat zu einer Erlössteigerung geführt. Die Liquidität ist vorhanden, und wir liegen bei den Bilanzkennzahlen im Branchenschnitt.


Wie ist die Situation bei den Mitarbeitern?

Siekkötter: Unsere Fluktuationsquote ist niedriger als im Branchendurchschnitt. Bei den Mitarbeitern der St. Lukas Klinik ist es übrigens die geringste der vergangenen vier Jahre. Wir mussten viele Fragen zum geplanten Umzug beantworten, viel Überzeugungsarbeit leisten. Aber diese Transparenz ist gut angekommen. Ein Krankenhaus umziehen zu lassen, ist eine bauliche, führungstechnische und wirtschaftliche Herausforderung.

Zur Person

Werdegang: Kai Siekkötter ist seit 2013 bei der Kplus Gruppe beschäftigt, zunächst als Krankenhaus-Direktor im St. Josef Krankenhaus Haan, dann als Geschäftsführer für die drei Kplus-Kliniken in Haan, Hilden und Solingen, seit Oktober 2022 als Sprecher der Geschäftsführung der Kplus Gruppe. Er hat Betriebswirtschaft im Gesundheitswesen in Osnabrück studiert.

Privat: Kai Siekkötter (50) ist verheiratet und Vater einer Tochter.

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