Sexualisierte Gewalt

Spuren einer Gewalttat werden anonym gespeichert

Sandra Steverding (Frauenberatungsstelle, v. l.) sowie Dorothea Grabe und Lena Manekeller (Klinikum) stellten die Arbeit vor. Foto: Christian Beier
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Sandra Steverding (Frauenberatungsstelle, v. l.) sowie Dorothea Grabe und Lena Manekeller (Klinikum) stellten die Arbeit vor.

Klinikum und Frauenberatungsstelle ziehen nach einem Jahr Bilanz.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Sexuelle Gewalt zu erfahren, ist für jede Frau ein Alptraum. Dann nach der Tat auch noch mit jemandem darüber zu sprechen, das fällt vielen Betroffenen aus Angst oder Scham besonders schwer. Die Tat zur Anzeige zu bringen, dazu brauchen Frauen oftmals Zeit, um das Geschehene selbst zu verkraften.

Um Beweise gegen den Täter in der Hand zu haben, ist es aber ein wichtiger Schritt, die Spuren der Tat möglichst schnell zu sichern. Seit einem Jahr gibt es deshalb das Projekt „Anonyme Spurensicherung nach sexualisierter Gewalt“ (ASS), das in Solingen vom Klinikum und der Frauenberatungsstelle gemeinsam angeboten wird.

„Wir sind vor einem Jahr mit dem Projekt gestartet und haben seitdem viel gemacht, aber es gab – auch bedingt durch die Pandemie – bislang erst wenige Frauen, die das Angebot genutzt haben“, blickt Sandra Steverding von der Frauenberatungsstelle auf das erste Projektjahr zurück. In der aktuellen Aktionswoche „Nein zu Gewalt gegen Frauen“ möchten die Akteurinnen deshalb noch mal auf das Projekt hinweisen und betroffenen Frauen Mut machen.

Das ASS-Projekt bietet Frauen, die Opfer einer sexualisierten Gewalttat geworden sind, die Möglichkeit, sich anonym ans Klinikum zu wenden. Acht Ärztinnen und Ärzte sind speziell ausgebildet, um Gespräche mit den Opfern zu führen und Verletzungen oder andere Spuren zu sichern. „Wichtig dabei ist, dass die Spuren in einem speziellen Programm anonym gespeichert werden, das Klinikum muss dabei die Patientendaten nicht erfassen“, betont die Klinikum-Gleichstellungsbeauftragte Dorothea Grabe.

Daten sind zehn Jahr lang mit einer Chiffrenummer abrufbar

Oft kämen Frauen mit eindeutigen Verletzungen ins Krankenhaus. „Sie lassen dann den Jochbeinbruch behandeln, sprechen aber nicht darüber, dass ein Faustschlag des Partners die Ursache war“, weiß Grabe. Durch das Projekt sei auch bei den Mitarbeitenden im Haus die Sensibilität verstärkt worden, auf Betroffene zuzugehen und ihnen das anonyme Angebot vorzustellen.

Die Daten werden, nur mit einer Chiffrenummer versehen, zehn Jahre lang in der Plattform Igobsis aufbewahrt. Eine Anzeige kann also auch noch Jahre später erfolgen, ohne dass Beweismaterial verloren geht. Die spezielle Ausbildung der Klinikum-Mitarbeiter ist über die Rechtsmedizin der Universität Düsseldorf erfolgt. Anfang 2022 sollen weitere Schulungen folgen.

Das Projekt richtet sich an Frauen und Mädchen ab 16 Jahren. „Bei jüngeren Kindern ist es schwer, den Fall anonym zu behandeln, weil es immer eine Straftat ist, die zur Anzeige gebracht werden muss“, erklärt Sandra Steverding. Und natürlich gebe es auch Hilfe für betroffene Männer.

Aktionswoche: 22. November, 18 bis 20 Uhr, Ausstellung „Ein Jahr ASS“, Forum Gymnasium Vogelsang

Anmeldung: gleichstellungsstelle@solingen.de

23. November, 16.30 bis 17.30 Uhr, Infostand zur ASS im Eingangsbereich des Klinikums; 25. November, „Orange Day“, orange angestrahlte Gebäude als Zeichen gegen Gewalt.

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