Freizeitspaß ist stark eingeschränkt

Sport und Museen gehen in Zeiten der Corona-Notbremse digitale Wege

Wer bei einer Inzidenz jenseits der 100 die Erdmännchen in der Fauna besuchen will, braucht Termin und negativen Schnelltest.
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Wer bei einer Inzidenz jenseits der 100 die Erdmännchen in der Fauna besuchen will, braucht Termin und negativen Schnelltest.

Seit vergangenem Samstag greift die sogenannte Corona-Bundesbremse in Solingen.

Solingen. Und die muss die Stadt komplett treten, denn mit einer Inzidenz in sieben Tagen von 169,6 sind Lockerungen nicht möglich. Das trifft den Kulturbereich jetzt vollständig, Vereinssport ist nur noch für Kinder und Jugendliche in der Gruppe möglich. Auch im Handel ist nichts anderes mehr als Vorbestellung und Abholung erlaubt – über Ausnahmen wie Buchhandlungen, sie gelten wie Lebensmittelgeschäfte als lebensnotwendig – hatte das ST bereits berichtet.

Doch was ist jetzt außerhalb der Ausgangssperre zwischen 22 Uhr abends und 5 Uhr morgens überhaupt noch an Freizeitaktivitäten möglich?

Sport: Der ist nach Paragraf 28b des Infektionsschutzgesetzes als Individualsport erlaubt – bis 22 Uhr, danach geht nur noch joggen. Die bundeseinheitlichen Regelungen treffen jetzt die Vereine besonders. So berichtet Karen Leiding, die Geschäftsführerin des Stadtsportbundes: „Die Vereine sind weiter bemüht, Angebote für Kinder aufrecht zu halten. Doch mit der jetzigen Notbremse ist die Hürde noch einmal höher gelegt.“ Es seien nicht nur die sehr kleinen Gruppen, die es den Vereinen schwermachten. Der tagesaktuelle offizielle Schnelltest fürs Trainingspersonal stelle viele vor ein Problem. „Auch wenn der Test an sich schnell geht, bedeutet dies einen weiteren zusätzlichen Aufwand.“

„Freizeitsportler können weiterhin laufen und walken.“

Karen Leiding, Stadtsportbund

Sport online: Vereine und Sportbund stünden an der Seite der Sportler. Das Angebot finde zum Teil online statt – auch mit Aufgaben oder QR-Ralleys in der Umgebung. „Freizeitsportler können weiterhin Laufen, Walken oder auch Fahrradfahren. Individualsport im Freien ist weiter erlaubt“, betont Leiding. Wer möge, der könne auch bei der Sportbund-Aktion „#SolingenRunsToTokyo“ des Stadtsportbundes mitmachen. Mehr dazu auf der Homepage: www.solingersport.de

Garten: Rein in die Natur heißt es für die Gartenfreunde. Doch nicht alles kann man für den Freizeitspaß direkt kaufen. Bei Baumärkten gilt ebenfalls die Bundesbremse. Die Abholung vorbestellter Waren ist aber dort weiterhin möglich. Ausnahmen: In der Corona-Schutzverordnung des Landes NRW heißt es, dass ein Baumarkt, falls er eine Gartenabteilung hat, diese räumlich abgetrennt über einen eigenen Zugang öffnen darf. Doch verkauft werden dürfen nur Schnittblumen, Gemüse- und Topfpflanzen sowie Saatgut und Zubehör wie Übertöpfe. Der Rasenmäher beispielsweise nicht. Dieser müsste vorbestellt werden. Gewerbetreibende, Forstwirte und Handwerker mit einem entsprechenden Ausweis dürfen dagegen auch weiterhin im Baumarkt einkaufen.

Fauna und Vogelpark: Die kleinen Zoos dürfen weiter besucht werden. Dazu brauchen Besucher einen Termin und den Nachweis eines negativen Schnelltests. „Es kommen aber deutlich weniger Besucher“, erklärt Janett Heinrich vom Vogelpark. Die Tests selbst, die viele zur Sicherheit vor Treffen etwa mit der Familie machen, sind stark gefragt (| S. 14).

Museen: Geschlossen sind bei der aktuellen 7-Tage-Inzidenz auch die Museen. Sie können erst wieder bei einem Wert von unter 100 öffnen – voraussichtlich dann mit Terminvereinbarung und negativem Schnelltest. Während beispielsweise auf Schloss Burg die Zeit gerade genutzt wird, um einen Teil der Ausstellung im Grabentorhaus für die Zeit der Gereneralrenovierung aufzubauen, trifft es das Zentrum für verfolgte Künste hart. Doch Direktor Jürgen Kaumkötter will die Eröffnung von gleich drei Ausstellungen – eine davon stammt vom Verein für das künftige Max-Leven-Zentrum – am 8. Mai nun als digitales Event aufziehen. Das wird das Museum morgen als museal-digitales Paket vorstellen. „Wir werden alles im Museum mit den Besuchern nachholen, sobald wir das wieder dürfen“, verspricht er.

Standpunkt: Joggen ist keine Lösung

Von Philipp Müller

philipp.mueller@solinger-tageblatt.de

Solingen hat eine so hohe Sieben-Tage-Inzidenz, dass die Corona-Bundesnotbremse voll greift. Sie verbietet nicht nur den Aufenthalt draußen zwischen 22 und 5 Uhr. Ausgebremst sind auch viele Freizeitaktivitäten. Viele Solinger kommen sich mittlerweile wie im Hamsterrad vor. Erst drehte es sich auf Lockdown, dann kurbelte das Rad zu Lockerungen, um wieder zum Lockdown zu wenden. Aber mal ganz ehrlich: Wer blickt da eigentlich noch durch? Ja, wir haben verstanden: Es geht darum, so wenig Kontakte wie möglich zu haben. Nochmals ehrlich: Daran haben manche die Lust verloren, denn nur das ist eindeutig und wird als Bonbon serviert: Joggen zwischen 22 und 0 Uhr ist erlaubt. Das reicht nicht zur Beruhigung. Zumal wir noch dem Trommelfeuer der Wissenschaft aus „ist so“, „vielleicht“ und „da fehlen die Daten“ ausgesetzt sind. Die Bundesnotbremse hat nämlich einen entscheidenden Konstruktionsfehler: Sie wird gelöst, wenn der Wert unter 100 liegt – zurück ins Hamsterrad. Bremsen bis 35, bis dahin viel impfen und dann noch mehr öffnen, das wäre besser – und Joggen vor 22 Uhr macht wieder Spaß.

Welche Beschränkungen wegen des Coronavirus gelten aktuell in Solingen? Das haben wir für Sie in einem Artikel zusammengefasst, den Sie hier finden: Ein Überblick über die Corona-Regeln in Solingen.

Sie wollen einen Corona-Schnelltest machen? Hier finden Sie in Solingen die Kontaktdaten und Adressen der Praxen, Apotheken und Testcenter.

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