Montagsinterview

„SPD hebt sich durch ihr Gesamtpaket ab“

Sabine Vischer-Kippenhahn und Manfred Ackermann wollen als neues SPD-Führungsduo geschlossen auftreten. Sie setzen auf Transparenz, mehr parteiinterne Kommunikation und auf sozialdemokratische Themen.
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Sabine Vischer-Kippenhahn und Manfred Ackermann wollen als neues SPD-Führungsduo geschlossen auftreten. Sie setzen auf Transparenz, mehr parteiinterne Kommunikation und auf sozialdemokratische Themen.

Neues sozialdemokratisches Führungsduo spricht im Montagsinterview über parteiinterne Kommunikation und thematische Inhalte.

Von Andreas Tews

Frau Vischer-Kippenhahn, Herr Ackermann, die SPD hat lange gebraucht, um Kandidaten für den Parteivorsitz im Solinger Unterbezirk zu finden. Wie lange mussten Sie überlegen, ob Sie dieses Amt anstreben?
Sabine Vischer-Kippenhahn: Ich bin schon relativ früh gefragt worden. Allerdings war mir von Anfang an klar, dass ich aufgrund meiner zeitlichen Möglichkeiten nicht alleine zur Verfügung stehen möchte. Und dann hat es etwas gedauert, bis Manfred Ackermann und ich uns in dieser Sache gefunden haben. Das hat in erster Linie an Corona gelegen. Hätten wir uns wie sonst üblich öfter im Parteibüro getroffen, wäre es bestimmt schneller gegangen. Außerdem wollten wir bei unseren Genossinnen und Genossen auch ausloten, was sie von einer Doppelspitze halten. Wir haben schon früh klargestellt, dass es uns nur als Paket gibt.
Manfred Ackermann: Hinzu kommt aber auch, dass es wichtig ist, ein Team zusammenzustellen, das bei unseren Ideen und unserer Arbeitsweise mitzieht. Auch dafür muss man vorher Gespräche mit den Leuten führen. Außerdem wollten ja auch unsere Familien gefragt werden.
Was wollen Sie anders machen als Ihr Vorgänger Josef Neumann?
Ackermann: Josef Neumann war zehn Jahre lang als Vorsitzender sehr erfolgreich. In dieser Zeit haben wir es geschafft, wieder den Oberbürgermeister zu stellen. Auch haben wir uns bei der Kommunalwahl gegen den Trend stabil gezeigt. Was Sabine Vischer-Kippenhahn und mich angeht: Wir sind große Kommunikatoren. Es liegt uns sehr am Herzen, noch stärker in die Kommunikation mit unseren Mitgliedern zu kommen. Wir wollen auch in den Unterbezirksausschüssen, den Ortsvereinen und in den Arbeitsgemeinschaften der SPD präsent sein. Auch wollen wir wieder einen guten Draht zur Ratsfraktion herstellen. Da war nicht alles schlecht. Aber es gibt Luft nach oben.
Was muss besser laufen?
Vischer-Kippenhahn: Neu ist ja auf jeden Fall, dass Manfred Ackermann – im Gegensatz zu Josef Neumann – der Ratsfraktion angehört und schon allein deswegen näher dran ist. Ich denke, dass ein enger Kontakt – nicht nur zur Fraktion – nicht unbedingt eine Frage des Wollens ist, sondern der zeitlichen Belastung. Unser großer Vorteil ist, dass wir zu zweit sind. Da wollen wir uns als Doppelspitze vernünftig aufteilen, um möglichst alle Fäden aufzunehmen und zusammenzubringen. Ich sehe mich zum Beispiel in der Rolle, mir bei jedem Mitglied anzuhören, wo der Schuh politisch drückt.
Bei der Mitgliederversammlung, bei der Sie gewählt wurden, war viel von gemeinsamem Handeln die Rede. Fehlt es in der SPD an Geschlossenheit?
Vischer-Kippenhahn: Die Gemeinsamkeit war ein so großes Thema, weil wir extrem darunter leiden, dass wir uns wegen Corona nur ganz selten zusammensetzen, um über ein Sachthema zu debattieren. Bei der soundsovielten Videokonferenz am Tag, hat man irgendwann nur noch das Ziel, möglichst schnell fertig zu werden. Das ist nicht nur bei der SPD Solingen so. Gerade in der ehrenamtlichen Politik sind persönliche Treffen wichtig, um über etwas zu diskutieren. Dazu müssen wir wieder zurückkehren – wenn es die Corona-Lage zulässt.
Ackermann: Hinzu kommt: Auch in einer Partei macht die Pandemie vorhandene Schwierigkeiten besonders deutlich. Wir haben zum Beispiel die vielen Stadtteile und Ortsvereine. Da ist es wichtig, nach diesen eineinhalb Jahren noch einmal deutlich zu machen, dass wir gemeinsam auf Solingen als Gesamtes schauen.

„Es gibt viele originär sozialdemokratische Themen und Werte.“

Sabine Vischer-Kippenhahn
Nicht wenige sagen, dass Oberbürgermeister Tim Kurzbach als SPD-Mann eher grüne Politik macht. Ist das ein Problem für die SPD?
Vischer-Kippenhahn: Das sehe ich ganz anders. Ich finde, dass Tim Kurzbach sozialdemokratische Politik macht und sozialdemokratische Meinungen vertritt. Nachhaltigkeit ist ja zum Beispiel eines seiner großen Themen. Und das ist ganz klar ein Thema der SPD.
Ackermann: Das sehe ich auch so. Außerdem ist Tim Kurzbach der Oberbürgermeister aller Solinger. Da kann er natürlich keine reine Parteipolitik machen.
Wie kann sich die SPD inhaltlich von den Grünen oder der CDU abheben?
Vischer-Kippenhahn: Es gibt viele originär sozialdemokratische Themen und Werte. Dazu gehört im Bund der Mindestlohn, oder vor Ort ein vernünftiger sozialer Wohnungsbau. Wichtig sind uns auch die Unterstützung der Menschen im sozialen Bereich und Chancengleichheit in der Bildung. In der Verkehrspolitik verfolgen wir das Ziel, dass die Angebote nicht nur nachhaltig, sondern auch für alle erschwinglich sind.
Ackermann: Ein wichtiges Thema ist auf kommunaler Ebene auch das Klinikum. Da bleiben wir dabei, dass das Krankenhaus ganz klar in kommunaler Hand bleiben soll. Die Daseinsvorsorge ist uns wichtig. Darum wollen wir auch, dass der öffentliche Personennahverkehr in städtischer Hand bleibt. Das sind klar sozialdemokratische Themen.
Vischer-Kippenhahn: Das sind vor allem auch Themen, auf die andere aufspringen, wenn es interessant wird. Ich muss schon lachen, wenn für manchen in Solingen auf einmal das Fahrradfahren interessant wird, wenn er einer Partei angehört, die normalerweise die Autoindustrie ganz weit oben sieht. Wir heben uns im Gesamtpaket deutlich von den anderen ab.
Ackermann: Es ist interessant, dass die CDU plötzlich die große Baumumarmer-Partei ist. Ich finde es toll, dass es so ist. Das sind ja auch unsere Ideen. Und auch die Grünen im Bund haben bei Steuern oder dem CO2-Preis das SPD-Programm gut gelesen.
Ist das in Solingen auch so?
Ackermann: Hier muss man ja sehen, dass es mit den Grünen viele gemeinsame Ziele gibt, auf die wir uns vor der Kommunalwahl geeinigt haben. Gerade merken wir zum Beispiel in den gemeinsamen Arbeitsgruppen zur Vorbereitung der Armutskonferenz, dass es bei Themen wie der Armut älterer Menschen, bei der Familienpolitik oder beim Wohnen eine tolle Zusammenarbeit gibt. Wir können viele Themen ideologiefrei und zielgerichtet diskutieren. Das läuft sehr gut.

„Wir müssen versuchen, Frauen für die Parteiarbeit zu interessieren.“

Manfred Ackermann
Aber ist es nicht auch wichtig, sich von den anderen Parteien abzugrenzen?
Vischer-Kippenhahn: Ja, das ist es. Aber bei wichtigen Themen, wie zum Beispiel beim Armutsthema oder der Nachhaltigkeit, ist es nicht schlecht, wenn die demokratischen Parteien an einem Strang ziehen, damit die Dinge auch wirklich umgesetzt werden.
Der Kreis der ehrenamtlich Aktiven wird in der SPD – wie auch in vielen anderen Organisationen – immer kleiner. Wie begegnen Sie dem Nachwuchsmangel?
Ackermann: Bei der Kommunalwahl hatten wir ja einige junge Kandidaten. Leider haben sie es nicht in den Rat geschafft. Geschafft haben wir aber, dass im SPD-Vorstand die Hälfte der Beisitzer von den Jusos sind. Es hat also schon etwas stattgefunden. Nichtsdestotrotz müssen wir verstärkt Nachwuchs suchen. Damit meine ich nicht nur 20- bis 30-Jährige. Wir wollen grundsätzlich schauen, wie wir Menschen wieder für die politische Arbeit begeistern können. Ich finde es zum Beispiel klasse, dass wir jetzt Horst Koss oder Uli Preuss für uns im Rat haben. Das sind einfach Leute, die viel in die Partei hereinbringen. Auch das brauchen wir. Außerdem brauchen wir – ganz wichtig – eine Frauenförderung. Wir müssen versuchen, Frauen für die Parteiarbeit zu interessieren und sie einzubinden.
Vischer-Kippenhahn: Das ist ein wichtiger Punkt, denn das ist auch ein gesellschaftliches Problem. Wir müssen es schaffen, dass Frauen, aber auch Männer, zwischen 25 und 50 in der Lage sein können, ein Ehrenamt überhaupt noch in ihrem Leben unterzubringen.

Zur Person

Ackermann: Manfred Ackermann ist 52 Jahre alt und verpartnert. Beruflich ist der Diplom-Geograf als selbstständiger Eventmanager tätig. Seit Herbst 2020 sitzt er für die SPD im Stadtrat.

Vischer-Kippenhahn: Sabine Vischer-Kippenhahn ist 55 Jahre alt, verheiratet und Mutter zweier erwachsener Kinder. Sie arbeitet als Markenreferentin bei der Firma Zwilling. Dort ist sie auch Vorsitzende des Betriebsrats.

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