Montagsinterview

Sparkasse kommt gut durch die Krise

Stefan Grunwald ist seit Vorsitzender des Vorstandes der Solinger Stadt-Sparkasse. Das Kreditinstitut investiert derzeit in neue Filialen am Neumarkt und nahe dem Ohligser Marktplatz. Foto: Christian Beier
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Stefan Grunwald ist Vorsitzender des Vorstandes der Solinger Stadt-Sparkasse. Das Kreditinstitut investiert derzeit in neue Filialen am Neumarkt und nahe dem Ohligser Marktplatz.

Stefan Grunwald über die Lage der Wirtschaft, neue Standorte und Aufbruchstimmung in der Stadt.

Von Björn Boch

Herr Grunwald, viele befürchten einen ungemütlichen Herbst für die Wirtschaft. Wie bewerten Sie die Auswirkungen der Corona-Krise derzeit?

Stefan Grunwald: Es kann im Herbst, vielleicht auch eher zu Jahresbeginn eine schwierige Entwicklung geben. Alle Erfahrungen, die wir aus der Vergangenheit haben, zeigen: Solche Einbrüche der Wirtschaftsleistung haben Folgen. Im Moment wird das noch abgemildert durch das Konjunkturpaket und die Maßnahmen von Bund und Land. Das ist gut gemacht und verschafft der Wirtschaft Zeit.

Die Konsequenzen werden auch davon abhängen, ob die Zahlen noch einmal so stark steigen wie im Frühjahr.

Grunwald: Ja. Und davon, wie die Produktion wieder anläuft. Die Konjunkturerwartungen der Wirtschaft sind derzeit gar nicht so negativ. Deswegen bin ich mit einer Prognose vorsichtig. Wenn die Gesamtwirtschaft, auch weltweit, schnell zurückkommt, könnte es weniger schlimm werden als von manchen befürchtet.

Wie kommt die Stadt-Sparkasse selbst durch die Krise?

Grunwald: Geht es der Wirtschaft in Summe nicht gut, kommt das auch bei uns an. Da die Folgen bei vielen Unternehmen aber noch nicht so stark erkennbar sind, spüren auch wir wenig Auswirkungen. In der Geschäftsentwicklung werden wir unsere Planungen erreichen. Wir haben ein sehr intensives Kreditgeschäft, Immobilienfinanzierung steht hoch im Kurs. Auch das Wertpapiergeschäft ist sehr lebhaft. Klassische Altersvorsorge hat aber nachgelassen, was daran liegen könnte, dass sich die Menschen derzeit nicht langfristig binden wollen. Solingen hat ja eine der höchsten Kurzarbeiterquoten.

Fast jeder zweite sozialversicherungspflichtig Beschäftigte ist betroffen.

Grunwald: Da merken wir die Unsicherheit natürlich an einigen Stellen. Gerade deshalb war und ist es wichtig, in der Krise für die Kunden da zu sein. Nicht nur als Teil der Infrastruktur für Bargeldversorgung, sondern auch für Beratungen. Was uns Sorge bereitet, ist die Entwicklung im Zinsniveau, das weiter sinkt.

Thema Immobilien: Wie bewerten Sie den Konflikt zwischen Wohn- und Gewerbeflächen, etwa auf dem Gelände Evertz/Omega?

Grunwald: Das Thema muss man differenziert betrachten. Wir haben in der Stadt teilweise das Problem, dass wir zwar Flächen haben, aber mit schwieriger Topographie. Dann kommt die Lage dazu. Nehmen Sie Evertz: Das ist keine optimale Lage für produzierende Industriebetriebe. Dort aber Wohnen und verträgliches innovatives Arbeiten zu kombinieren, wird die Stadt voranbringen. Und wie sich die Corona-Krise zum Beispiel auf die Nachfrage nach Büroflächen auswirkt, ist noch nicht absehbar. Ja, wir brauchen Gewerbeflächen und müssen diese auch ausweisen, um Arbeitsplätze in der Stadt zu halten. Wir brauchen aber auch attraktive Wohngebiete, um die Urbanität der Stadt zu stärken. Die Projekte von Kondor Wessels in Mitte, Wald und Ohligs erzeugen Aufbruchstimmung.

Sowohl beim Omega- als auch beim O-Quartier sind Sie ja quasi direkter Nachbar – mit dem Neubau am Neumarkt und der kommenden Ohligser Filiale im alten Globus.

Grunwald: Wir begrüßen diese Maßnahmen sehr. In Ohligs laufen die Arbeiten ja bereits, auch am Neumarkt sind wir im Bebauungsplanverfahren schon recht weit. Was wir abstimmen werden, ist die Nachnutzung der Fläche an der Kölner Straße, nachdem wir umgezogen sind. Dort wird ja auch Wohnen entstehen in unmittelbarer Nähe zu Evertz. Das ergänzt das Quartier.

Wie viele Wohnungen entstehen an der Kölner Straße?

Grunwald: Wir waren mal von rund 200 Wohnungen ausgegangen, das wird aber eher die untere Grenze sein.

Wie kann das in ein Gesamtkonzept für die City eingebunden werden?

Grunwald: Da sind wir am Anfang, der Investor Kondor Wessels für das Evertz-Gelände ist ja noch recht neu. Jetzt geht es an die Realisierung. Es macht Sinn, das abgestimmt zu entwickeln. Dann wird die Achse von der Lutherkirche über den Dickenbusch bis zum Neumarkt ein gutes Eingangstor sein.

„Wenn alles nach Plan läuft, wollen wir den Bauantrag im Herbst stellen.“

Stefan Grunwald über den Neubau am Neumarkt

Die Chance muss aber auch für ein schlüssiges Verkehrskonzept genutzt werden, oder?

Grunwald: Aus Sicht der Sparkasse ist das kaum zu beantworten. Ja, die Verkehrssituation ist schwierig in der Stadt, aber historisch und topographisch gewachsen. Das ist nicht unsere Kompetenz.

Aber die Verkehrsplanung muss ja auch Teil des B-Plan-Verfahrens für den Neumarkt sein.

Grunwald: Ja. Natürlich. Wir haben einen Verkehrsgutachter eingeschaltet und es gibt Ideen, die Verkehrsströme zu optimieren. Da möchten wir aber noch die Abstimmungen mit Verwaltung und Politik abwarten.

Wann ziehen Sie in den Neubau am Neumarkt ein?

Grunwald: Wenn alles nach Plan läuft, wollen wir den Bauantrag im Herbst stellen und könnten dann nach der Genehmigung Ende des ersten Quartals 2021 starten. Für den Umzug streben wir das zweite Halbjahr 2023 an. In Ohligs wollen wir im ersten Quartal 2021 eröffnen.

Stichwort „urbane Lebensqualität“: Mit den Filialen am Neumarkt und am Ohligser Marktplatz werden Sie an zwei sehr gefragten Punkten präsent sein.

Grunwald: Der Einzelhandel wird sich im E-Commerce-Zeitalter deutlich verändern, keine Frage. Die Voraussetzung in Ohligs aber – mit vielen inhabergeführten Geschäften – wird durch das Olbo-Gelände und die Achse zum Hauptbahnhof noch einmal deutlich besser. Wir sind mit dem kommenden Standort am Marktplatz also sehr glücklich. In Mitte wird sich vieles rund um den Neumarkt konzentrieren, ohne diese Konzentration wird es nicht gehen. Der Neumarkt als Marktplatz ist ein logisches Zentrum der Stadt. Insofern ist auch das für uns eine Verbesserung. Und von unserer Frequenz werden wieder andere profitieren. Die Achse zu den Clemens-Galerien kann weiter funktionieren. Schwieriger wird es an der Hauptstraße.

Die Veränderungen im Einzelhandel treffen auch die Banken. Wie wichtig sind Filialen noch im Zeitalter von Online-Banking?

Grunwald: 2016 haben wir unser Zukunftskonzept aufgestellt, bei dem wir auch Filialen zusammengezogen oder in SB-Standorte umgewandelt haben. Die Arbeiten in Ohligs sind da die letzten Auswirkungen. Wir haben die Standorte einschneidend verändert – und das sehr erfolgreich. Gleichzeitig haben die Sparkassen deutschlandweit die Online-Kompetenz deutlich ausgebaut. Wir fühlen uns in dieser Aufstellung sehr wohl und sind weiter flächendeckend in der Stadt vertreten. Für beratungsintensive Themen wie Baufinanzierung haben wir uns auf unsere Geschäftsstelle in der Innenstadt konzentriert, werden das aber auch in Ohligs anbieten. Ansonsten bekommen Kunden in jeder Geschäftsstelle alles. Das ist unser Alleinstellungsmerkmal.

Stefan Grunwald und die Stadt-Sparkasse

Stefan Grunwald: Der 52-Jährige sagt über sich: „Ich bin ein Kind des Bergischen Landes.“ Er wurde in Burscheid geboren, machte dort bei der Sparkasse seine Ausbildung und lebt auch heute in Burscheid-Hilgen. Nach dem Wechsel zur Sparkasse Leverkusen stieg er dort bis zum Vorstandsmitglied auf. Seit 2013 ist er Vorsitzender des Vorstandes der Solinger Stadt-Sparkasse. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.

Zahlen 2019: Die Bilanzsumme lag erstmals bei mehr als 3 Milliarden Euro. Rund 4 Millionen Euro wurden als Überschuss erwirtschaftet. Träger der Stadt-Sparkasse ist die Stadt Solingen, an den Haushalt wurde aufgrund von Empfehlungen der Finanzaufsicht im laufenden Jahr noch kein Gewinn abgeführt. Grund ist die Corona-Pandemie.

Standorte: 11 Geschäftsstellen, 10 SB-Stellen

Mitarbeiter: 539

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