Telefonie-Dialer

Spam-Anrufer rauben Solingerin die Nerven

Mehrfach täglich wird Helga Kämpf von ihr unbekannten Nummern angerufen.
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Mehrfach täglich wird Helga Kämpf von ihr unbekannten Nummern angerufen.

Callcenter setzen häufig auf sogenannte „Telefonie-Dialer“. Die Bundesnetzagentur und Verbraucherzentrale geben Tipps.

Von Manuel Böhnke

Solingen. Helga Kämpf hat es gereicht. Wer ihre Festnetznummer anwählt, landet direkt auf dem Anrufbeantworter. In der Ansage bittet sie darum, eine Nachricht zu hinterlassen oder es mobil zu versuchen. Es ist eine resolute Reaktion auf wochenlangen Telefonterror. Seit mindestens zwei Monaten kommen bei der Solingerin laufend Anrufe ihr unbekannter Telefonnummern an. Fünf bis sieben sind es derzeit täglich, es waren schon mehr. Sie alle haben gemein: Hebt Kämpf ab, hört sie am anderen Ende der Leitung nur Schweigen.

Hinter der Belästigung könnte ein sogenannter „Telefonie-Dialer“ stecken. Callcenter setzen laut Angaben der Bundesnetzagentur häufig auf diese Technik. Das Ziel sind viele ausgehende Anrufe in kurzer Zeit, „um die Personal- und Kosteneffizienz zu steigern“. Das Programm wählt nach definierten Kriterien Anschlüsse an – gleichzeitig. Geht ein Teilnehmer ans Telefon, wird die Person mit einem freien Mitarbeiter des Callcenters verbunden. „Sobald der erste der Angerufenen das Gespräch entgegennimmt, werden häufig die anderen laufenden Anrufe abgebrochen, die Rufnummern auf Wiedervorlage gelegt und zu einem späteren Zeitpunkt erneut angewählt“, erklärt die Bundesnetzagentur. Das Szenario könne sich mehrmals am Tag und über einen längeren Zeitraum wiederholen.

„Dann muss ich die Nummer wechseln.“

Helga Kämpf über ihre Probleme mit ungewollten Anrufen

Für die Callcenter bedeutet das eine bessere Auslastung. Für Betroffene eine Nervenprobe. Die Behörde betont, dass der Einsatz von Dialern sowie das Verhalten von Callcentern nicht gesetzlich geregelt sind. Kommt es jedoch „zu einer sehr massiven und unzumutbaren Belästigung“, könne die Bundesnetzagentur Maßnahmen wegen rechtswidriger Nummernnutzung einleiten. Dabei gehe es um Verstöße gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb.

Die Experten nehmen Beschwerden auf. Dabei sei das Ausmaß der Belästigung im Einzelfall wichtig. Die Meldung an die Bundesnetzagentur sollte daher möglichst detailliert sein: Wie viele Anrufversuche sind in welchem Zeitraum um wie viel Uhr eingegangen? Sollten Verstöße vorliegen, können die Konsequenzen von Abmahnungen über das Abschalten von Rufnummern bis hin zu Zwangsgeldern reichen.

Darüber hinaus rät die Bundesnetzagentur, den Netzbetreiber zu kontaktieren. Demnach ermöglichen es einige Telefonanbieter, einzelne Rufnummern oder ganze -gruppen zu sperren. Zudem könne es sinnvoll sein, zu prüfen, ob sich die Nummern im Telefon, Router oder in der Telefonanlage sperren lassen.

Das Problem: Helga Kämpf wird von unterschiedlichen Anschlüssen kontaktiert, mal von Mobiltelefonen, mal mit Vorwahlen wie 030, 050 und 060. Die Deutsche Telekom als großer Netzbetreiber macht auf ST-Anfrage wie Vodafone noch auf ein weiteres Problem aufmerksam: Demzufolge sitzen die Callcenter häufig im Ausland. Mittels einer „Spoofing“ genannten Technik erwecken sie den Eindruck, eine deutsche Mobilfunknummer rufe an. Diese Möglichkeit werde allerdings zum Jahreswechsel durch eine Gesetzesnovelle verhindert.

„Dadurch wird es wieder einfacher möglich sein, Anrufe aus dem Ausland für bestimmte Anschlüsse zu unterbinden. Für Mobiltelefone richten wir darüber hinaus einen Dienst ein, der die Nutzerinnen und Nutzer beim Klingeln davor warnt, dass der Anruf möglicherweise einen werblichen oder gar kriminellen Hintergrund haben könnte“, erklärt die Telekom.

Spam-Anrufe wie in Helga Kämpfs Fall begegnen der Solinger Beratungsstelle der Verbraucherzentrale selten, sagt Leiterin Dagmar Blum. Ein verbreiteteres Problem seien Werbeanrufe. Diese seien nur nach vorheriger Zustimmung zulässig – die Erlaubnis könne jederzeit widerrufen werden. Immer wieder komme es vor, dass sich die Kontaktierten in solchen Telefonaten überrumpeln lassen und ungewollt etwas kaufen oder abschließen. Dagmar Blum betont: „Sobald eine Vertragsbestätigung eintrifft, besteht eine 14-tägige Widerspruchsfrist.“ Die Bundesnetzagentur empfiehlt vor diesem Hintergrund, persönliche Daten wie Telefonnummern lediglich bei Bedarf an seriöse Vertragspartner und Firmen weiterzugeben.

Helga Kämpfs Festnetztelefon klingelt nicht mehr. Vor dem ersten Läuten meldet sich der Anrufbeantworter. Ab Dezember hat sie einen neuen Netzbetreiber. Sie möchte versuchen, die Nummern dort blockieren zu lassen. Mit dem gleichen Ziel denkt sie über ein neues Telefon nach. Bringt das alles nichts, bleibt nur eine Lösung: „Dann muss ich die Telefonnummer wechseln.“

Forschung

Telefonische Befragungen für die Markt- und Sozialforschung bedürfen keiner vorherigen Einwilligung des Angerufenen, stellt die Bundesnetzagentur klar. Betroffene können dem Übermitteln und Nutzen ihrer Daten dennoch widersprechen. Zudem sei zu beobachten, dass die Umfragen teils als Vorwand für werbliche Ansprache genutzt werden. Das sei ohne Zustimmung unzulässig.

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