Der Grundwasserspiegel sinkt

Die Sorgen um bergisches Wasser wachsen

Die Trockenheit lässt den Grundwasserspiegel sinken. Dadurch sterben viele Bäume ab. Das Wasser der Talsperre ist aber nicht in Gefahr. Foto: Christian Beier
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Die Trockenheit lässt den Grundwasserspiegel sinken. Dadurch sterben viele Bäume ab. Das Wasser der Talsperre ist aber nicht in Gefahr.

Die Natur leidet: Umweltschützer sehen den Gewässerschutz in Gefahr.

Von Andreas Tews

Solingen. Sorgen um das Wasser lassen in den Rathäusern die Idee einer Bergischen Wasserkonferenz reifen. Auslöser für diese Anregung, die aus Remscheid stammt, ist eine umstrittene Änderung des NRW-Landeswassergesetzes, durch die auch nach Meinung Solinger Umweltschützer der Schutz der Gewässer aufgeweicht wird. Aus Sicht der Solinger Stadtverwaltung ist dies aber nicht das Hauptproblem, sondern der sinkende Grundwasserspiegel. Der habe vor allem Folgen für die Umwelt, sagt Sprecherin Sabine Rische.

Grundwasserspiegel: Den sinkenden Grundwasserspiegel führt das Rathaus auf die trockenen Sommer der vergangenen Jahre zurück. In Zahlen ausdrücken lasse er sich nicht, weil das Grundwasser wegen des felsigen Untergrunds keinen einheitlichen und damit messbaren Spiegel bilde (| Kasten). Eindeutige Hinweise auf einen bereits gesunkenen Grundwasserspiegel seien aber, dass im Sommer Bäche oder Quellen trockenfielen und dass flach wurzelnde Pflanzen vertrocknen.

Natur: Für die Natur sind die Folgen dramatisch. Schon jetzt sterben laut Rische ganze Fichtenbestände ab, die mit ihren flachen Wurzeln die tieferen Grundwasserreserven nicht mehr erreichen. Dies mache sie anfälliger für Borkenkäfer. Auch andere Baumarten – sogar alte Eichen – seien gefährdet. Aber auch der Lebensraum von Fröschen, Molchen und anderen Amphibien werde bedroht, wenn Böden, Tümpel oder Teiche austrockneten.

Gewässerschutz: Die Sorgen um die Gewässer wachsen bei den Naturschützern auch durch eine Gesetzesänderung, die der NRW-Landtag Ende April beschlossen hat. Henning Pless, Vorsitzender des kommunalen Naturschutzbeirates, befürchtet eine „gravierende Verschlechterung der Umweltsituation“ an Bächen und Flüssen. Er will das Thema bald im Naturschutzbeirat aufgreifen. Nach dem Gesetz ist es künftig auch in Wasserschutzgebieten erlaubt, Rohstoffe wie Kies und Sand abzugraben. Dies dürfte sich laut Pless vor allem auf die Grundwasserverhältnisse in angrenzenden Auenbereichen auswirken.

Er kritisiert zudem, dass der Schutz der Gewässerrandstreifen wegfalle. Diese Streifen verhindern laut Pless, dass Pestizide und Nitrate aus der Landwirtschaft in die Bäche gelangen. Er weist darauf hin, dass die geschützten Streifen auch verhindern, dass Nutzvieh die Ufer zertrampele und dass ihr Bewuchs die Bäche beschatte und damit im Sommer kühler halte.

Auch bei der Stadt sieht man das neue Gesetz kritisch. Gewässern im Innenbereich der Städte werde „jede Möglichkeit zur naturnahen Entwicklung genommen“. Die Randstreifen könnten künftig nur noch durch Verordnungen geschützt werden. Dies sorge für einen rechtlichen Konflikt zwischen Landnutzung und Wasserwirtschaft.

Trinkwasser: Die Qualität des Trinkwassers ist laut Rische auch mit dem neuen Gesetz ausreichend geschützt. Auch bei den Stadtwerken sieht man hier laut Lisa Nohl als Wasserversorger „so gut wie keine Auswirkungen“.

Der sinkende Grundwasserspiegel kann sich laut Rische aber langfristig auf die Wasserpreise auswirken, weil die Aufbereitungsverfahren für Grund- und Oberflächenwasser aufwendiger werden. Wegen der Wasserversorgung sei man aber nicht beunruhigt.

Konferenz: Die Idee einer Wasserkonferenz sehen Pless und Rische positiv. Die sollte sich laut Rische aber inhaltlich nicht nur auf die Gesetzesänderung beschränken.

Grundwasser

In Solingen komme das Grundwasser wegen des felsigen harten Untergrunds vor allem als „Kluftgrundwasser“ – also in Gesteinsklüften und Trennfugen – vor, berichtet das Rathaus. Im Gegensatz zum „Porengrundwasser“ bilde sich dabei kein einheitlicher messbarer Spiegel.

Standpunkt: Gemeinsam handeln

Von Andreas Tews

andreas.tews@solinger-tageblatt.de

Über Generationen galt das Bergische Land als wasserreiche Region, in der es nach dem Geschmack vieler Menschen eher zu viel als zu wenig Niederschlag gab. Dass wir uns jetzt mit einem besorgniserregend sinkenden Grundwasserspiegel und vertrocknenden Wäldern auseinandersetzen müssen, ist ein Alarmsignal. In Sachen Klimawandel ist es höchste Zeit zum Handeln – und zwar zum gemeinsamen Handeln. Die Idee von einer Bergischen Wasserkonferenz, wie sie jetzt in Remscheid entwickelt wurde, geht deswegen in die richtige Richtung. Auf regionaler Ebene wird es aber nur darum gehen können, wie wir die Symptome vor Ort möglichst in Grenzen halten und wie wir mit den Folgen umgehen können. Auch das muss natürlich besprochen werden. Wichtig ist aber überregionales und internationales Handeln. Dies gilt für den Klimaschutz wie für den Schutz unseres wichtigsten Rohstoffes: Wasser.

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