Strategie

Solingen soll als „Wohnstadt“ Investoren anlocken

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60 Wohnungen und ein Haus mit 27 Kurzzeitpflegeplätzen entstehen derzeit mit dem Neubau an der Ellerstraße in Ohligs.

Handlungskonzept Wohnen sieht als einen der ersten Schritte eine Marketingstrategie vor. Die stößt auf Kritik aus Teilen der Politik.

Von Andreas Tews

Ohne ein Gegensteuern fehlen bis 2040 rund 5000 Wohnungen in Solingen. Darum sieht das vom Rathaus vorgelegte „Handlungsprogramm Wohnen“ unter anderem eine Wohnbauoffensive, die Sanierung bestehender Objekte und die strategische Entwicklung geeigneter Flächen vor. In einem der ersten Schritte soll auf Vorschlag der Verwaltung und des Bochumer Fachbüros Inwis eine Marketingstrategie erstellt werden. Dies wurde bei der Vorstellung des Konzepts bei einer gemeinsamen Sitzung aller Bezirksvertretungen deutlich. Solingen solle für sich vor allem als Wohnstadt werben. Hierzu äußerten diverse Politiker Bedenken.

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Standpunkt von Andreas Tews

Den Entwurf für das Handlungskonzept Wohnen hat das Institut für Wohnungswesen, Immobilienwirtschaft, Stadt- und Regionalentwicklung (Inwis) in den vergangenen zwei Jahren im Auftrag der Stadt erarbeitet. Es soll laut Stadtdirektor Hartmut Hoferichter (parteilos) eine Strategie für die Wohnbauentwicklung bis 2040 festlegen. Dabei geht er von einer wachsenden Stadt aus. Das Konzept basiert auf aufwendigen Untersuchungen des Bochumer Büros – unter anderem einer Befragung von 500 Bürgern. Die brachte zum Beispiel an den Tag, dass etliche Mietwohnungen für junge Familien benötigt werden.

Das Wachstum sei in erster Linie auf Zuzüge aus benachbarten Städten zurückzuführen, berichtete Inwis-Geschäftsführer Dr. Torsten Bölting. Hier bestehe Handlungsbedarf, betonten auch Politiker aus den Bezirksvertretungen. Da könne man nicht warten, dass zunächst ein Marketingkonzept erstellt werde, kritisierte Alexandra Mehdi (Linkspartei, Burg/Höscheid). Auch der Ohligser Grüne Thilo Schnor erklärte, er habe den Eindruck, dass in den kommenden Jahren nichts Konkretes geschehen werde. Bezirksvertreter Bernd Daniels (SPD, Ohligs/ Aufderhöhe / Merscheid) kritisierte den Werbebegriff „Wohnstadt“. Der erinnere an das negativ klingende Wort „Schlafstadt“.

Eine reine „Schlafstadt“ ist nicht das Ziel

Eine Schlafstadt ohne Leben sei aber genau nicht das Ziel, entgegnete Hoferichter. Man strebe vielmehr eine für Zuzügler attraktive Wohnstadt mit Einkaufs- und Freizeitangeboten, modernen Kitas sowie Vereins- und Kulturleben an. Eine Entwicklung des Wirtschaftsstandorts soll davon nicht beeinträchtigt sein. Laut Bölting kann Solingen als Stadt nahe der Metropolen am Rhein punkten – sowohl durch ihre grüne Lage als auch durch attraktive Angebote.

Ein Marketingkonzept sei nötig, so erklärten er und der Stadtdirektor, um nicht nur potenzielle Neubürger für Solingen zu interessieren, sondern auch Investoren, die die benötigten Wohnungen bauen. Das Konzept sieht als einen der ersten Schritte auch vor, Eigentümer geeigneter Grundstücke gezielt anzusprechen, um sie mit Bauträgern zusammenzubringen.

BERATUNGEN

POLITIK Die gemeinsame Sitzung der fünf Bezirksvertretungen war der Auftakt der politischen Beratungen zum Handlungskonzept Wohnen. Der Rat und seine Ausschüsse folgen in den kommenden Wochen. Mit einem Beschluss ist im Februar zu rechnen.

BÜRGERBETEILIGUNG Auch eine öffentliche Info-Veranstaltung ist geplant.

Die vorhandenen Flächen reichen laut Hoferichter und Bölting aus, um den Bedarf an neuen Wohnungen zu decken. „Sie brauchen also keine Wälder abzuholzen“, sagte der Geschäftsführer. Stadtplanungsdezernent Hoferichter berichtete, dass für 60 Hektar bereits Baurecht bestehe. Der Stadt gehöre nur gut ein Zehntel der Grundstücke. Darum hält er es für wichtig – mit Zustimmung der Eigentümer – auch die zur Verfügung stehenden privaten Flächen in einem Online-Kataster zu veröffentlichen.

Wichtige Ziele des Handlungskonzepts sind neben dem Neubau von durchschnittlich 220 Wohnungen pro Jahr – vor allem in Mietshäusern – und der Modernisierung bestehender Immobilien unter anderem auch die Stärkung des Angebots für Familien, die Förderung von Wohnen in Stadt- und Stadtteilzentren und der Ausbau des staatlich subventionierten (günstigen) Wohnungsangebots.

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