Reise nach San Francisco

Solingen soll vom Silicon Valley lernen

Codecentric-Vorstand Lars Rückemann berichtete von seinen Eindrücken aus dem Silicon Valley.
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Codecentric-Vorstand Lars Rückemann berichtete von seinen Eindrücken aus dem Silicon Valley.

Wirtschaftsdelegation berichtet von Reise nach San Francisco. Fonds soll lokale Investitionen fördern.

Von Manuel Böhnke

Die Veranstaltung fand im ehemaligen Flora-Frey-Gebäude an der Prinzenstraße statt, das Mirko Novakovic aufwendig umbauen lässt.

Solingen. Eines machte Mirko Novakovic deutlich: „Wir müssen uns verändern, um im Wettbewerb zu bestehen.“ Der IT-Unternehmer gehörte der 15-köpfigen Solinger Delegation an, die vom 14. bis zum 20. August in San Francisco weilte. Eine der zentralen Erkenntnisse für Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD), der die Reise in die USA anführte: Es braucht Investitionen in junge Unternehmen mit guten Geschäftsideen und das „Ökosystem Solingen“. Ziel müsse eine Lebensqualität sein, „die Menschen anzieht“. Einen Beitrag dazu soll ein Solingen-Fonds leisten, den die Stadt-Sparkasse mit lokalen Unternehmen anstrebt.

Am Dienstagabend berichteten die Teilnehmer der Reise von ihren Erfahrungen. Die Veranstaltung fand im Maku an der Prinzenstraße statt. Das Restaurant befindet sich im früheren Flora-Frey-Gebäude, das Novakovic gekauft und entwickelt hat. Neben Gastronomie befinden sich dort unter anderem Co-Working-Flächen.

Der Gründer der IT-Unternehmen Codecentric und Instana ist im Silicon Valley gut vernetzt. Er organisierte der Delegation vor Ort viele Termine. Das Ergebnis: „Eine sehr intensive Woche“, wie es Lars Rückemann ausdrückte. Der Codecentric-Vorstand schilderte seine Eindrücke von Gesprächen mit Start-ups, Investoren und Banken. Zudem besuchte die Gruppe Co-Working-Spaces, die örtliche Stadtverwaltung, die Stanford University und Stadtviertel, deren Gesicht die dortige Start-up-Szene prägt. Rückemanns Fazit: „Die Rahmenbedingungen und die Mentalität sind vollkommen anders als bei uns.“

„Das Gute adaptieren, das Schlechte vermeiden.“

Jörg Föste über die Lehren der USA-Reise für Solingen

Diese Denkweise zu verstehen, sei ein Grund für die USA-Reise gewesen, führte Frank Balkenhol als Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung aus. Den Teilnehmern blieben unterschiedliche Aspekte hängen. Jörg Föste (Conceptum GmbH und Bergischer HC) führte „den unerschütterlichen Glauben daran, dass man etwas bewegen kann“ an. Mirko Novakovic nannte unbedingten Wachstumswillen und schnelle Reaktion auf Veränderungen, Stefan Grunwald als Vorstandsvorsitzender der Stadt-Sparkasse einen anderen Blick auf unternehmerische und finanzielle Risiken.

„Die haben begriffen, dass Menschen die wichtigste Ressource sind“, sagte Tim Kurzbach. Nachwuchs für das Unternehmen zu finden, sei nicht alleine eine Frage des Geldes. Zusätzlich brauche es „gute Stimmung und coole Projekte“ – und ein attraktives Umfeld. „Man muss Talenten Lebensqualität bieten.“

Hier kommt eine weitere Frage ins Spiel, die Balkenhol während des Aufenthalts im Silicon Valley beantworten wollte: Was kann Solingen von San Francisco lernen? „Das Gute adaptieren, das Schlechte vermeiden“, gab Jörg Föste als Ziel aus. Und ergänzte rhetorisch: „Veränderungen finden sowieso statt. Die Frage ist: Lassen wir sie über uns ergehen oder gestalten wir aktiv mit?“

Zu den Gästen im Restaurant Maku zählten Vertreter Solinger Unternehmen und Initiativen sowie von Politik und Verwaltung.

Die Stadt zu verändern – das haben sich die Teilnehmer der Reise Kurzbach zufolge geschworen. Insbesondere in den aktuellen Zeiten seien Innovationen und Investitionen gefragt, „sonst wird uns die Krise wegfegen“. Durchaus könne Solingen Profiteur aktueller Entwicklungen sein, vom Trend zum ortsunabhängigen Arbeiten etwa. Die Klingenstadt punkte mit guter Lage und hohem Freizeitwert. Das könne Gründer und Arbeitnehmer überzeugen, von hier aus zu arbeiten. Dafür brauche es Strukturen, betonte Dr. Jörg Wacker. Der Präsident der Ohligser Jongens warb dafür, „Projekte wie hier an der Prinzenstraße“ zu multiplizieren. Denn wer in Solingen arbeite, konsumiere und engagiere sich auch vor Ort. „Wir können uns die Arbeitsplätze zurückholen, die in den letzten Jahren verloren gegangen sind.“

Aufgabe der Kommune ist es dem Oberbürgermeister zufolge, die Rahmenbedingungen für Investitionen zu schaffen. Kurzbach warb um Unterstützer beim Aufbau einer attraktiven Infrastruktur: „Niemand anderes ist verantwortlich für die Zukunft unserer Stadt – nur wir.“ Ein Ökosystem zu entwickeln, dürfe sich nicht auf Ohligs beschränken. Davon zeigte sich Mirko Novakovic, der im Westen der Stadt im großen Stil investiert, überzeugt. „Solingen hat viele tolle Stadtteile.“ Es gehe darum, ihre Potenziale zu schöpfen.

Hintergrund

Bereits 2020 wollte die Wirtschaftsförderung mit Unternehmern in die USA reisen, die Corona-Pandemie durchkreuzte die Pläne. Die damalige Gruppe bildete den Kern der 15-köpfigen Delegation, die im August eine knappe Woche in San Francisco verbrachte. Die Aufwendungen für die Wirtschaftsförderung lagen Geschäftsführer Frank Balkenhol zufolge bei rund 20 000 Euro.

Passend zum Thema: Gemeinsam im Städtedreieck gegen den Fachkräftemangel

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