Innenstädte retten

Solingerin kämpft gegen das Ladensterben

Das Thema „Wie retten wir die Innenstädte?“ ist aktuell. Gloria Göllmann berichtete über die Situation der Düsseldorfer Straße. Foto: Michael Schütz
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Das Thema „Wie retten wir die Innenstädte?“ ist aktuell. Gloria Göllmann berichtete über die Situation der Düsseldorfer Straße.

Gloria Göllmann von der ISG Ohligs diskutierte mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier Ideen.

Von Timo Lemmer

Solingen. Die Frage, wie die Innenstädte mit ihren vielfältigen Problemen zu retten sind, treibt allein in Solingen zahlreiche Akteure um. Umso erfreulicher ist, was Gloria Göllmann nach einem Workshop des Bundeswirtschaftsministeriums mit Minister Peter Altmaier (CDU) sagt: „Das war ein guter Aufschlag, aber auch einfach sehr überfällig. Ein Bundesminister kann sich nicht mit allen Themen bestens auskennen und beschäftigen. Wir haben Peter Altmaier ins 21. Jahrhundert abgeholt.“

Gemeinsam mit anderen Machern war Göllmann als Repräsentantin für die Ohligser Immobilien- und Standortgemeinschaft (ISG) zu einem digitalen Runden Tisch geladen worden. Dort habe man Probleme wie Visionen vortragen können, die bislang auf politischer Ebene nicht unbedingt auf der Agenda gewesen seien. Unter der Überschrift „Ladensterben verhindern – Vitale Innenstädte“ habe sich das wirklich gelohnt, bilanziert Göllmann den Tag, der es bis in die Tagesschau geschafft hatte:

„Ich glaube fest daran, dass sich aus diesem Auftakt etwas entwickelt. Es sind wirklich gute Macher mit Feuer dabei. Der Arbeitskreis wird in den nächsten Wochen wieder zusammenkommen und in drei Monaten will ich etwas Konkretes auf dem Tisch haben.“ Ein Austausch und ein folgendes Positionspapier mit guten Absichtserklärungen ohne feste Verbindlichkeit: Das soll unbedingt vermieden werden.

Den Auftritt seiner Kollegin lobte Detlef Ammann, Vorsitzender der Innenstadt-Initiative W.I.R., ausdrücklich: „Das hat sie toll gemacht und ausdrücklich für die gesamte Klingenstadt geworben.“ Er unterstützt viele der angesprochenen Ansinnen. Sein Mix, um die City zu retten:

Gloria Göllmann, Geschäftsführerin der Immobilien- und Standortgemeinschaft Solingen-Ohligs.

„Die Innenstadt muss eine Erlebniswelt sein, das haben wir mit unseren Musik-Acts auf dem Alter Markt festgestellt. Aktionen müssen passieren, um die Innenstadt zu beleben.“ Des Weiteren bestünde das Zentrum der Zukunft entscheidend auch aus Wohnen, Kultur und Gastronomie, was dem Handel zugutekäme. Beim Kampf gegen Leerstände seien Hauseigentümer und Staat gefragt.

„Mein Traum ist ein Masterplan für die Innenstädte.“
Gloria Göllmann, ISG Ohligs

Göllmann, Geschäftsführerin der ISG Ohligs, war dem Bundesministerium als Teilnehmerin vorgeschlagen worden und hatte sich schließlich mit einem Best-Practice-Beispiel durchgesetzt. Sie präsentierte dabei die neue Gemeinschaftsmarke für Ohligs. Von den Positiv-Beispielen der 20 Teilnehmer sollen die anderen Mitwirkenden profitieren.

Göllmann fordert vor allem eine bessere Finanzierung für den Wandel der Innenstädte. Dabei geht es zum einen ums Geld, wie Göllmann auf der Pressekonferenz mit Altmaier klarmachte: „Die Kommunen müssen gestärkt werden. Solingen hat kein Geld.“ Ihr geht es dabei vor allem darum, dass die Förderungen niederschwelliger und unkomplizierter abgerufen werden können.

„Mein Traum ist“, sagte Göllmann im Rückblick auf den Workshop, der unter der Woche fünf Stunden lang mit Altmaier lief, „dass ein Masterplan für die Innenstädte entwickelt wird. Der kann dann beispielsweise 20 Punkte umfassen. Citymanager oder Kommunen können dann schauen, was der Standort davon schon hat und was noch umgesetzt werden muss.“ Man müsse ohne zu viel Prozedere also sagen können: „Sucht euch eure zehn relevanten Punkte raus.“ Es gehe auch um praktische Mittel, Coaches oder berufliche Bildung. Das City- oder Quartiersmanagement müsse besser und breiter, am besten im Team, aufgestellt werden. „Ich kann in Ohligs auch nicht alles allein abdecken.“ 

Innenstadt

Detlef Ammann von der W.I.R. hat zahlreiche Ideen, die der Fußgängerzone in Mitte helfen würden: „Wir brauchen kurze Wege. Die City muss kleiner werden.“ Sein Vorschlag: Den unteren Teil der Hauptstraße abbinden und für Parkraum etwa für E-Fahrzeuge oder Fahrräder nutzen. Zudem könne das Kulturangebot in den Clemens-Galerien ausgeweitet werden.

Standpunkt: Tempo mit Augenmaß

Von Philipp Müller

Das Sterben der Innenstädte ist kein Solinger Phänomen. Und doch gilt es, den Blick alleine auf Solingen, auf die Problemstellen zu richten. Warum? Schon im Sommer hatte das Tageblatt berichtet, dass Experten wegen der sich durch die Corona-Pandemie verschärfenden Lage für den stationären Einzelhandel zu mehr Tempo beim Umbau der Innenstadt rieten.

philipp.mueller@solinger-tageblatt.de

Das gilt auch für Ohligs und für Wald. Falsch wäre jetzt ein Wettbewerb der Stadtteilzentren gegeneinander um Fördermittel oder die besten Ideen. 

Das geht nur gemeinsam. In Solingen herrscht ein Bau-Boom. Tausende Wohnungen entstehen. Das bedeutet Tausende neue Einwohner. Doch wer wird kommen? Was erwarten die Menschen? Die Antworten kann die Stadt liefern, die Lösungen muss das alte Solingen umsetzen. Es gilt daher für die Immobilienbesitzer, auch mit Tempo und Augenmaß selbst Geld in die Hand zu nehmen und nicht auf den Staat zu warten. Der Handel darf sich nicht weiter den digitalen Herausforderungen des E-Commerce verweigern. Und für mehr Kultur in den Zentren muss auch die Stadt sorgen.

Grün, nachhaltig, smart und schön: So soll die Zukunft der Düsseldorfer Straße in Ohligs nach der geplanten Sanierung im kommenden Jahr aussehen. Doch bis zu diesem Ziel liegt noch ein langer Weg und eine große Baustelle vor den Einzelhändlern und Besuchern der Einkaufsmeile. „Wir müssen zwei Jahre an einem Strang ziehen, um zu überleben“, betont Gloria Göllmann, Geschäftsführerin der Immobilien- und Standortgemeinschaft (ISG) Solingen-Ohligs.

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