Schäden sind noch nicht behoben

Solinger hadern weiter mit Flutfolgen

Thomas Czeckay zeigt die Wiese der Freizeitanlage Ittertal, auf der gerade ein neuer Weg verlegt wird. Foto: Tim Oelbermann
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Thomas Czeckay zeigt die Wiese der Freizeitanlage Ittertal, auf der gerade ein neuer Weg verlegt wird.

Das Hochwasser im Juli 2021 hatte Anlagen im Ittertal stark getroffen.

Von Kristin Dowe

Solingen. Nicht nur in Unterburg, auch in Wald im Bereich des Ittertals schlug das Hochwasser im Juli vergangenen Jahres Schneisen der Verwüstung, mit deren Folgen die Betroffenen noch immer zu kämpfen haben. Schwer gezeichnet war etwa die Freizeitanlage Ittertal mit Freibad, Eisbahn und Gastronomie, erinnert sich Betriebsleiter Thomas Czeckay. „Es sind immer noch nicht alle Schäden beseitigt und wir haben noch viel Arbeit vor der Brust.“ So stünden unter anderem noch Reparaturen an der Kälteanlage an, deren Abdeckungen geöffnet werden müssten. Wegen eines technischen Defekts unabhängig vom Hochwasser musste die Eissaison zudem kürzlich vorzeitig beendet werden.

Hinsichtlich des Freibads mussten geflutete Pumpen und Motoren vollständig ausgebaut werden. Bevor das Becken vor Saisonstart wieder in Betrieb genommen werden könne, müsse es noch geleert und gereinigt werden – im Herbst habe bislang nur eine grobe Säuberung stattgefunden. „Auch die Liegewiese sieht noch verheerend aus“, bedauert Czeckay, dort müssten Platten für einen Gehweg komplett neu verlegt werden. Die gesamten Reparaturkosten an der Anlage infolge des Hochwassers schätzt er auf rund 250.000 Euro .

Neues Hochwasser-Warnsystem kommt 2024

Mittelschwere Schäden gab es 2021 bei der Event-Location „Quitte“ auf der Freizeitanlage zu verzeichnen, wenngleich Rüdiger Gruß, dessen Lebensgefährtin Stefanie Rottinghaus das Restaurant betreibt, noch von „Glück im Unglück“ spricht. „Wir sind wenigstens gut versichert und die Doppelscheiben konnten das Wasser einigermaßen abhalten.“ Dennoch hätten nach dem Unwetter etliche faulende Tische, Stühle und anderes Mobiliar entsorgt werden müssen – auch das Parkett blieb nicht verschont, ein neuer Boden sei inzwischen verlegt. Gut zwei Wochen habe das Team unter anderem mit Nasssaugern versucht, die Räume zu trocknen. Die fehlende Planungssicherheit durch die Corona-Pandemie habe das Geschäft zusätzlich belastet.

Dennoch blicke das Team der Quitte nun nach vorn, versichert Rüdiger Gruß: „Wenn die Pandemie es zulässt, könnten wir jetzt theoretisch wieder öffnen. Wenn ich das mit der Situation in Unterburg vergleiche, sind wir noch mal mit einem blauen Auge davongekommen.“

Drei Wohnungen im Schloss Caspersbroich sind unbewohnbar

Bleibende Spuren hat das Hochwasser auch an der Wohnanlage im Schloss Caspersbroich an der Stadtgrenze zu Haan hinterlassen. Mit Schrecken erinnert sich Mona Dörpfeld daran, wie die Bewohner am 14. Juli schon den ganzen Tag über sorgenvoll beobachtet hatten, wie sich immer mehr Wasser der Itter in der Senke sammelte, in die das Schloss gebaut ist. „Um 19.30 Uhr lief das Wasser dann über die Begrenzungsmauern.“ Und es ließ sich nicht mehr aufhalten – nach und nach lief zuerst der am Schloss gelegene Teich, die Keller des Gebäudes sowie und eine Souterrain-Wohnung voll, deren Mieter sich in eine höher gelegene Wohnung zu ihren Nachbarn flüchten konnten. Durch die verschachtelte Bauweise seien alle sechs Parteien im Schloss in unterschiedlicher Weise von den Wassermassen betroffen gewesen, so Mona Dörpfeld. Behoben seien die Schäden noch keineswegs. „Aktuell sind drei Wohnungen noch immer unbewohnbar.“

In den Abendstunden des schicksalhaften Julitages spielten sich dann dramatische Szenen an der Schlossanlage ab, als die Feuerwehr die Anwohner mit Schlauchbooten aus ihren Wohnungen in Sicherheit brachte. Die Betroffenen mussten alles hinter sich lassen. Eine Familie habe mitsamt ihrem Hund bei der Rettungsaktion durch ein schmales Fenster klettern müssen.

Familie Dörpfeld hatte insofern Glück, dass sie nach zwei Tagen in ihre Wohnung zurückkehren konnte und hauptsächlich der Eingangsbereich betroffen war. Letzter sei immer noch ramponiert, berichtet die Solingerin. „Wir wohnen unten quasi in einem Rohbau.“ Die verbleibenden Eigentumswohnungen werden mit einer Notheizung beheizt. Von der Stadt habe sie sich in puncto Hochwasserschutz mehr Unterstützung gewünscht. „Ich habe manchmal den Eindruck, wir sind das vergessene Denkmal am Rande des Ittertals“, so Dörpfeld.

Ein weiterer Schauplatz des Hochwassers im vergangenen Jahr war die Bausmühle, wo Jenny Dinnebier naturpädagogische Veranstaltungen und Aktionen für Kinder anbietet. Das historische Anwesen wurde ebenfalls von den Wassermassen heimgesucht. „Über den Winter haben wir das Wohnzimmer weitgehend wieder in den Griff bekommen, teilweise gibt es aber immer noch Restfeuchtigkeit“, berichtet die Naturpädagogin. Wie viele Fußgängerbrücken im Stadtgebiet sei auch ein Exemplar im Bereich der Bausmühle weggeschwemmt und bislang nicht neu gebaut worden. Die Familie blickt dennoch nach vorn. „Mit unseren Angeboten wollen wir bald wieder loslegen.“

Hochwasserhilfe

Die Hochwasserhilfe Solingen ist für Betroffene von montags bis donnerstags von 8 bis 16 Uhr sowie freitags von 8 bis 13 Uhr unter Tel. (02 12) 290-67 00 erreichbar.

hochwasserhilfe@solingen.de

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