Inzidenzstufe 3

Solinger genießen die Lockerungen der vergangenen Woche diszipliniert

Auch das Team des Solinger Vogel- und Tierparks konnte sich am Samstag über regen Zulauf freuen.
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Auch das Team des Solinger Vogel- und Tierparks konnte sich am Samstag über regen Zulauf freuen.

Die sich rasch ändernden Corona-Verordnungen sorgen häufig für Verwirrung

Von Jutta Schreiber-Lenz (Text) und Moritz Alex (Fotos)

Solingen. Kunden, die zaghaft an der Türschwelle zum Laden stehenbleiben, freundlich hineinzubitten, ist für Brigitte Kiekenap im Moment etwas, das sie häufig tut. „Die Menschen sind unsicher, welche Regeln tagesaktuell gelten“, sagt sie, nimmt aber dennoch große Erleichterung und vorsichtige Freude über die neuen Möglichkeiten wahr: Einkaufen im Einzelhandel ohne vorherige Terminbuchung. Lediglich die Kundenzahl im Laden muss im Auge behalten und eventuell gesteuert werden. „Besonders am Freitag zum Wochenendauftakt war hier in Ohligs in Kombination mit dem schönen Wetter fast Normalbetrieb in der Fußgängerzone“, sagt sie. „Die Teststation auf dem Marktplatz hatte Hochbetrieb, viele Menschen nutzen das Angebot, das inzwischen wohl für viele Routine geworden ist.“

„Jeder scheint happy, dass es wieder losgeht“, sagt Detlef Ammann vom Bekleidungsgeschäft Modepartner in der Innenstadt.

Nach wie vor gilt in den Fußgängerzonen und in anderen Bereichen, wo viel Begegnungsverkehr ist, Maskenpflicht – „aber das ist den Solingern wohl inzwischen in Fleisch und Blut übergegangen“, sagt Detlef Ammann vom Bekleidungsgeschäft Mode-Partner in der Innenstadt. Er sei mit der vergangenen Woche sehr zufrieden. Ohne nötige Tests und Vorab-Buchung sei gefühlt eine Schleuse aufgegangen, die Beschränkungen hatten doch wohl viele noch zu Hause gehalten. Er habe viel zu tun gehabt. „Jeder scheint happy, dass es wieder losgeht“, sagt er.

Gastronomen mussten Gäste ohne Schnelltests wieder abweisen

Auch Petra Hoffmann vom Walder Modeladen Freudenhaus erlebt, dass ihre Kundinnen sich als geradezu „beseelt“ von den seit dem 27. Mai geltenden Reglen bezeichnen. „Wir hatten hier immer gut zu tun, ich mache ja sowieso seit langem viel übers Internet, aber trotzdem ist die Stimmung spürbar erleichtert geworden“, sagt sie.

Die Gastronomie hatte es flächendeckend schwerer. Bei aller Freude darüber, im Freien wieder bedienen zu dürfen, erzählen die Betreiber der Cafés Kirchner in Ohligs und Kersting in der City sowie des Eiscafés La Luna im Hofgarten wie mit einer Stimme von verwirrten Kunden, die offenbar die aktuell geltenden Regeln nicht parat haben. „Mehrfach musste ich Gäste ohne frisches Schnelltestergebnis abweisen“, sagt zu Beispiel Susanne Kirchner. Zu Unmut habe das aber nie geführt. „Trotzdem freue ich mich darauf, ab Sonntag zumindest außen ohne Test oder Impfnachweis bedienen zu können“, sagt sie. Genau wie das Team des Cafés Kersting. Hier fielen in der vergangenen Woche auch schon mal unfreundliche Worte an die Adresse der Mitarbeiter. „Mehrfach mussten wir zum Beispiel darauf hinweisen, dass die Impfung 14 Tage her sein muss und wir ansonsten den Nachweis über einen frischen Test brauchen“, berichtet Ana Ekmekcibasi, die hinter der Theke Torten und Kuchen außer Haus verkauft und Verständnis für die Enttäuschung derjenigen hat, die sich auf eine Kaffeepause in gemütlicher Atmosphäre gefreut hatten. „Solche Situationen waren mitunter anstrengend für alle Beteiligten.“

Susanne Kirchner freut sich darüber, dass der Betrieb in ihrem Kaffee an der Düsseldorfer Straße wieder anlaufen darf.

Auch das Team des Solinger Vogel- und Tierparks konnte sich am Samstag über regen Zulauf freuen. Begeistert amüsierten sich die kleinen Besucher und ihre erwachsenen Begleiter über den sprechenden Beo oder verwöhnten Lamas und Ziegen mit Leckerchen aus der Tüte, die am Kiosk gekauft worden war. Überfüllung allerdings drohte nie.

Besucher im Tier- und Vogelpark halten sich an alle Regeln

So hatte Nathalie Schubert, die am Kassenhäuschen Dienst hatte, die Möglichkeiten, auch spontane Besucher einzulassen. „Solange die Obergrenze von 200 Menschen zeitgleich nicht erreicht ist, kann ich darum bitten, die Formulare zur Kontaktnachverfolgung vor Ort auszufüllen“, sagt sie. Sie könne nachvollziehen, dass viele Vogelpark-Besucher den Überblick darüber verloren haben, was derzeit gilt und wie es gehändelt wird. „Das ändert sich ja im Augenblick dermaßen rasch, dass auch wir kaum hinterherkommen“, sagt sie.

Dass die Inzidenz seit Wochen im Sturzflug ist, finde sie großartig und hoffe inständig, dass dieser Trend weiterhin anhält. „Unsere Gäste hier sind ausgesprochen diszipliniert und verständnisvoll. Abstände werden inzwischen wie automatisiert eingehalten, das bereitstehende Desinfektionsmittel benutzt und wie selbstverständlich der Mund-Nasen- Schutz getragen.“

Ordnungsamt

Das Ordnungsamt kontrollierte am Samstag in gewohnter Mannstärke – und mit Augenmaß, also eher beratend und hinweisend als scharf abstrafend. „Wie immer in Übergangssituationen, wenn neue Regeln im Anmarsch sind, aber die bisherigen noch gelten, ist uns die Verunsicherung der Bürger sehr bewusst“, sagt dazu Stadtsprecher Thomas Kraft. Stichprobenartig seien daher potenziell problematische Plätze abgefahren worden.

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