70. Geburtstag

Solinger feiern ihr Stangentaxi

Viele Gäste kamen zum Betriebshof an der Weidenstraße, darunter auch Vertreter befreundeter Vereine aus Berlin, München und Stuttgart.
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Viele Gäste kamen zum Betriebshof an der Weidenstraße, darunter auch Vertreter befreundeter Vereine aus Berlin, München und Stuttgart.

Der Verein Obus-Museum richtete den 70. Geburtstag gemeinsam mit den Stadtwerken aus.

Von Ann-Christin Stosberg

Solingen. Franz Grantl strahlt übers ganze Gesicht: Der Schatzmeister des Vereins Obus-Museum Solingen freut sich, dass am Sonntag auf den Tag genau das Jubiläum des Solinger Oberleitungsbusses gefeiert werden kann. Am 19. Juni 1952 rollte der erste O-Bus über Straßen der Klingenstadt. Damals von der Innenstadt aus Richtung Ohligs. Seitdem hat sich vieles getan, im Bus-Netz, aber vor allem bei den Fahrzeugen und der Technik.

Zum 70-jährigen Bestehen öffnen die Wagenhalle am Betriebshof der Stadtwerke sowie die Halle des Vereins ihre Tore zum Tag der offenen Tür. Vor allem Interessierte und Bus-Fans zieht es an die Weidenstraße. Viele kommen aus Solingen, einige sind extra angereist. Hans Eder (86) kommt aus Bielefeld und hat Familie in Solingen. „Ich bin schon als Kind mit meinen Solinger Großeltern Bus gefahren“, sagt er, der bis heute in jedem O-Bus-Modell unterwegs war. „Immer von Ohligs aus nach Merscheid rein“, sagt Eder, der sich als Andenken eine dunkelblaue Krawatte mit kleinen gestickten O-Bussen gekauft hat.

Elke Büscher (59) verbindet mit den Stangentaxis vor allem Erinnerungen an ihre Schulzeit. „Ich bin in den 1970ern immer mit dem Bus zur Schule gefahren, später dann auch meine Tochter und mittlerweile auch meine beiden Enkel“, sagt die Solingerin, die heute noch gerne mit dem Bus in der Klingenstadt unterwegs ist. „Das ist Solinger Tradition, die bis heute erlebbar ist. Die O-Busse gehören einfach zur Stadt dazu“, findet sie.

„Das ist Solinger Tradition, die bis heute erlebbar ist.“

Elke Büscher, Besucherin

So wie Elke Büscher ist auch Franz Grantl mit dem Bus zur Schule gefahren. Sein Lieblingsmodell ist deswegen auch heute noch der Trolleybus Solingen, kurz TS-Bus. Von diesem Fahrzeugtyp wurden zwischen 1968 und 1974 80 Fahrzeuge gebaut. „Diese Busse gab es nur in Solingen“, sagt Grantl. Im Dezember 1987 fuhr der letzte TS in Solingen. Dann wurden die Busse nach Argentinien verkauft. Der Wagen 68 konnte durch den Verein Obus-Museum Solingen wieder zurückgeholt werden. „Auch deswegen ist dieses Fahrzeug besonders für mich“, sagt Grantl.

Neben den TS-Bussen können die Besucherinnen und Besucher alle O-Bus-Generationen von Herstellern wie Henschel, Krupp/Ludewig oder MAN bestaunen – die ganz alten bis hin zu den modernen Fahrzeugen, die aktuell über Solingens Straßen rollen. Dabei sind auch Perspektivwechsel möglich: In der SWS-Wagenhalle wird die Technik erklärt, die im Dach des Bustyps Trollino 18 des Herstellers Solaris verbaut ist. Eine kleine Treppe führt hinauf zu einer Plattform in Höhe des Busdaches. „Die Evolution der Busse ist schon beachtlich. Bemerkenswert, was sich da in 70 Jahren getan hat“, sagt ein Besucher.

Für die Kinder ist vor allem ein Ort spannend: der Sitz des Fahrpersonals. Viele machen es sich auf den federnden Sitzen hinter dem Lenkrad gemütlich und spielen Busfahrerin oder Busfahrer. Für Besucher Nick (11) ein Berufswunsch: „Ich wäre gerne Busfahrer in Solingen“. Den ganzen Tag durch die Klingenstadt fahren, das wäre sein Ding. „So sehe ich viele Menschen und auch immer, wenn es etwas Neues in der Stadt gibt“, sagt der Schüler. Sein Fahrtalent kann er auch direkt testen, nicht im großen Bus, dafür aber im Fahrsimulator, den die Stadtwerke bereitgestellt haben. Da fährt Nick noch zaghaft. „So einen großen Bus zu steuern, das ist nicht einfach“, sagt er beeindruckt, während er sein virtuelles Fahrzeug der Linie 681 über die Berliner Brücke in Ohligs Richtung Merscheid steuert.

Begehrt sind die Rundfahrten mit den historischen Bussen; in rund 80 Minuten geht es entweder nach Hästen oder runter nach Burg und wieder zurück. Neben den Bussen gibt es viele Infostände und Wissenswertes über das Bus-Netz, E-Mobilität und andere Verkehrsbetriebe.

„Wenn wir feiern, dann nie alleine“, sagt Franz Grantl vom Verein Obus-Museum Solingen. Befreundete Vereine sind gekommen, darunter aus Berlin, München und Stuttgart. Sogar aus Tschechien sind Obus-Fans gekommen.

Obus-Museum

Beginn: Seit 1999 gibt es den Verein, der heute rund 130 Mitglieder umfasst. Diese kümmern sich um den Erhalt der historischen Fahrzeuge und organisieren die Sonderfahrten mit den alten O-Bussen.

Vermietungen: Die Busse können auch privat etwa für Hochzeiten oder Geburtstage gemietet werden. Alle Informationen zum Verein und zu den historischen O-Bussen gibt es im Internet.

obus-museum-solingen.de

Dazu auch: Museum vermietet historische Obusse - diese Modelle gibt es

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