7-Tage-Inzidenz sinkt - Bedeutung wird diskutiert

Solinger Dezernentin will mehr Rechte für Geimpfte

Schuldezernentin Dagmar Becker (Grüne) vertritt aktuell den Ordnungsdezernenten Jan Welzel (CDU).
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Schuldezernentin Dagmar Becker (Grüne) vertritt aktuell den Ordnungsdezernenten Jan Welzel (CDU).

Die 7-Tage-Inzidenz in Solingen sinkt. Dagegen steigt das Tempo der Debatte, ob diese Zahl noch für Einschränkungen durch die Corona-Schutzverordnung taugt.

Von Philipp Müller

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Solingen. Schuldezernentin Dagmar Becker (Grüne), die aktuell den zuständigen Ordnungsdezernenten Jan Welzel (CDU) vertritt, sieht in mehr Impftempo die Antwort und will Geimpften mehr Freiheitsrechte einräumen. Prof. Boris Pfaffenbach vom Städtischen Klinikum sagt: „Die Corona-Epidemie ist noch nicht überstanden. Es gibt keinen Grund für eine Verharmlosung der Inzidenzzahlen. Aber für zukünftige Regelungen sollten aus meiner Sicht die stationär behandlungspflichtigen Corona-Patienten und insbesondere die intensivpflichtigen Corona-Patienten in eine intelligente Planung mit einbezogen werden.“

Die Debatte um die Bedeutung der Inzidenz nahm in dieser Woche für Solingen Fahrt auf. Morgens rutschte die Stadt in Stufe 3 mit vielen Einschränkungen – von der Schließung der Innengastronomie über Einschränkungen für den Sport bis zu einer begrenzten Zahl an Kunden im Handel. Am Nachmittag ging es zurück auf Stufe 2 – das Land hatte die Kriterien verändert.

Ab Samstag hätte aufgrund der Inzidenzwerte erneut Stufe 3 gegriffen, weil Solingen auch am Donnerstag – und damit acht Tage in Folge – mit 50,2 denkbar knapp einen zu hohen Wert hatte. Doch das Land setzte diese Stufe bis 19. August aus. Begründung: Aufgrund der geringen Zahl schwerer Krankheitsverläufe und Krankenhauseinweisungen erfolgt vorläufig keine Zuordnung zur Inzidenzstufe 3. Am Freitag sank der Inzidenzwert auf 38,9.

Die Beigeordnete Dagmar Becker verhandelte all das seit Tagen mit dem Gesundheitsministerium in Düsseldorf. Aber sie will sich an der Debatte, welche Bedeutung die 7-Tage-Inzidenz künftig haben soll, nicht beteiligen. „Das ist eine Sache für die Experten.“ Für sie ist der Ausweg der Pandemie aber klar definiert: „Wesentlich ist aus meiner Sicht die weitere Erhöhung der Impfquote, damit wir die Pandemie tatsächlich in den Griff bekommen.“

„Es ist solidarisch, sich impfen zu lassen.“

Dagmar Becker, Beigeordnete

Dazu sei es erforderlich, dass es möglichst keine Einschränkungen für Geimpfte gibt. Das führe letztlich zu Einschränkungen und Konsequenzen für Nicht-Geimpfte. Die „Impfpflicht durch die Hintertür“ hält sie für gerechtfertigt: „Denn es ist gesellschaftlich solidarisch, sich impfen zu lassen – gegenüber allen, die nicht oder noch nicht geimpft werden können. Außerdem ist es wichtig, dadurch auch die Entwicklung weiterer Mutanten zu stoppen.“

Doch das Impfen allein wird nicht die Antwort auf die Zeitspanne sein, bis alle erreicht worden sind. Für Prof. Dr. Boris Pfaffenbach, den stellvertretender Ärztlicher Direktor des Klinikums, stellt sich aus wissenschaftlicher Sicht die Situation so dar: „Es ist so, dass trotz aktuell gestiegener Corona-Inzidenz in Solingen die Zahl der stationären Patienten äußerst gering ist. Insofern stellt sich die Frage nach der klinischen Relevanz der Inzidenzzahlen bei hoher Impfquote in der älteren Bevölkerung. Insbesondere haben wir erfreulicherweise derzeit kaum intensivpflichtige Corona-Patienten.“ Aktuell gibt es gar keinen Solinger Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen der drei Kliniken. Vor diesem Hintergrund hält Prof. Pfaffenbach es für sinnvoll, neben der Inzidenzzahl als Indikator auch die stationären Coronafälle, insbesondere die Coronafälle auf den Intensivstationen, zu betrachten. Sein Fazit: „Die Intensivstationen stellten in der ersten und zweiten Welle den medizinischen Engpass dar.“

Impfkampagne

Das Impfangebot muss aus Sicht Dagmar Beckers weiter niederschwellig ausgebaut werden, um noch mehr Solinger zu impfen. Sie kündigt Impfkampagnen zum Schulstart an. Auch beim Fest „Leben braucht Vielfalt“ kann sie sich vorstellen, die Menschen zu impfen. Weitere Aktionen würden vorbereitet.

Standpunkt: Möglichst viele erreichen

Von Simone Theyßen-Speich

simone.theyssen-speich@solinger-tageblatt.de

Das große Interesse am ersten Tag der offenen Impfaktion für die 12- bis 15-Jährigen zeigt, wie groß der Wunsch der Jugendlichen ist, auch gegen das Coronavirus geschützt zu sein. Es geht gerade in dieser Altersgruppe aber auch sicherlich darum, wieder ein Stück Normalität zu erlangen. Viele Monate haben gerade Kinder und Jugendliche einen Großteil der Corona-Last getragen. Homeschooling, ständige Quarantäne nach Coronafällen in den Schulen, Verzicht auf Sport und Treffen mit Freunden – all das könnte ihnen im nächsten Schuljahr erspart bleiben. Die Impfung von möglichst vielen Schülern ist ein wichtiger Schritt dahin. Denn auch bei all diesen Themen wird man zukünftig genau schauen, wer geimpft oder genesen ist und wem damit Einschränkungen – sollte es sie wieder geben – erspart bleiben. Der Einsatz von Stadt und Impfzentrum, Noch-nicht-Geimpfte überall zu erreichen, im Stadtteil, beim Einkauf und bald auch in den Schulen, ist absolut lobenswert.

Alle aktuellen Nachrichten über die Corona-Lage in Solingen finden Sie in unserem laufend aktualisierten Coronavirus-Blog.

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