Prozess

Solinger (40) wegen schwerer Kindesmisshandlung zu Haftstrafe verurteilt

Landgericht Wuppertal
+
Landgericht Wuppertal

In einem Prozess um gewaltsame und erniedrigende Misshandlungen eines sieben Jahre alten Jungen in Solingen hat das Landgericht Wuppertal den früheren Freund der Mutter (40) verurteilt.

Solingen. Der Mann soll für Kindesmisshandlung, Körperverletzung und Freiheitsberaubung vier Jahre in Haft, wenn das Urteil rechtskräftig wird. Bewährung ist bei dieser Höhe ausgeschlossen. Die Vorsitzende Richterin stellte in der vorläufigen Urteilsbegründung klar: „Wir haben viele Zeugen gehört. Es geht um die Geschichte eines Jungen, der schlimmes Leid erfahren hat und der nun in einer Therapie viel Unterstützung erhält.“

Das Gericht wertet die Aussagen des Jungen als entscheidenden Beweis: Der Angeklagte habe den Jungen über Monate geschlagen, mit einem Gürtel geprügelt, ans Treppenhaus-Geländer gefesselt, seine Finger in einem Bett-Gitterrost eingeklemmt und sich dann drauf gesetzt. Er habe das Kind gezwungen, Essen zu sich zu nehmen, das ihn ekelte, den Toilettenbesuch verboten und dann gezwungen, den eigenen Urin zu trinken. Das Ziel laut Gericht: Machtausübung zur Durchsetzung seiner Vorstellungen von Erziehung.

Der Mann hatte Ende 2016 die Mutter des Jungen kennengelernt und war zu ihr gezogen. Im Prozess hat er Schläge mit einem Gürtel zugegeben. Der Junge hatte zu seinem Schutz unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgesagt. Das Gericht stellte fest, dass er durch die Taten an schweren Entwicklungsstörungen leidet.

Das Gericht glaubt ausdrücklich seiner Aussage. Die Vorsitzende Richterin verdeutlichte dem Angeklagten: „Alles, was abweichend berichtet wurde, glauben wir nicht.“ Einige Übergriffe seien nicht in das Urteil übernommen worden, weil sich die Beschreibungen über die Jahre verschoben hatten. Damit lassen sie sich nicht so feststellen, wie für ein Strafurteil nötig wäre. Für den Angeklagten spreche das Teilgeständnis und dass die Taten lange zurückliegen.

Das Jugendamt hatte die beiden Kinder der damaligen Freundin des Angeklagten Ende 2017 in Obhut genommen, während Ermittlungen liefen. Der 40-Jährige befindet sich derzeit in Untersuchungshaft. Gegen ihn läuft ein neues Verfahren wegen Vorwürfen der Übergriffe auf ein weiteres Opfer: Den minderjährigen Sohn seiner neuen Lebensgefährtin.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Gefahrguteinsatz: Vier Personen wegen giftiger Dämpfe vorsorglich im Krankenhaus
Gefahrguteinsatz: Vier Personen wegen giftiger Dämpfe vorsorglich im Krankenhaus
Gefahrguteinsatz: Vier Personen wegen giftiger Dämpfe vorsorglich im Krankenhaus
Internationale Ermittlungen gegen Trickbetrüger - Durchsuchungen auch in Solingen
Internationale Ermittlungen gegen Trickbetrüger - Durchsuchungen auch in Solingen
Internationale Ermittlungen gegen Trickbetrüger - Durchsuchungen auch in Solingen
Gymnasium setzt auf entschleunigte Schultage
Gymnasium setzt auf entschleunigte Schultage
Gymnasium setzt auf entschleunigte Schultage
Corona: Weiterer Todesfall - Inzidenz steigt auf 1272,7
Corona: Weiterer Todesfall - Inzidenz steigt auf 1272,7
Corona: Weiterer Todesfall - Inzidenz steigt auf 1272,7

Kommentare