Kultur

So will das Theater neue Zuschauer gewinnen

Dem häufig leeren Theater und Konzerthaus will das Kulturmanagement der Stadt mit mehr Programmvielfalt begegnen, um vor allem neue Besucher und Besucherinnen für das Haus zu gewinnen.
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Dem häufig leeren Theater und Konzerthaus will das Kulturmanagement der Stadt mit mehr Programmvielfalt begegnen, um vor allem neue Besucher und Besucherinnen für das Haus zu gewinnen.

Das Theater in Solingen leidet unter Besucherschwund. Um das wieder zu ändern, und für die Programmplanung setzt das Kulturmanagement auf sechs Punkte.

Von Philipp Müller

Solingen. Das Theater und Konzerthaus leidet unter dem seit der Corona-Pandemie bundesweit zu verzeichnenden Schwund an Besuchern. Das hat unmittelbare Auswirkungen auf den Etat der Stadt Solingen. Gibt das Kulturmanagement rund eine Million Euro für das Programm und die Förderung für die Stadtkultur in diesem Jahr aus, stehen dem geplante Eintritts- und Vermietungserlöse von etwa 1,1 Millionen Euro gegenüber. Bleiben die Zuschauer aus, gerät das Konstrukt in Schieflage.

Doch das Kulturmanagement der Stadt will auf die angespannte Lage bei der Auslastung der Veranstaltungen nicht mit einer Rückkehr zu früheren Abo-Modellen reagieren. Die Lösung liegt für das Team um die Leiterin des Kulturmanagements, Sonja Baumhauer, in einer anderen Strategie: Es geht darum, neue Besucher für das Haus zu gewinnen und nicht nur darum, verlorene zurückzugewinnen.

Das führte zu einer Analyse, wie sich das Kulturmanagement aufstellen muss, wie Angebote in der Corona-Zeit und vor allem auch danach modern zugeschnitten sein müssen. Dazu tauschte sich das Baumhauer-Team auch mit anderen Häusern und Anbietern von Kultur aus, die das Haus bespielen. Auch in der Reihe „Kultur-Labor“ hatte das Kulturmanagement bereits mit Interessierten die Zukunft des Angebots besprochen. Dazu will sich die Leitung des Hauses künftig an sechs Punkten orientieren.

Solingen: Kulturmanagement tauschte sich mit anderen Städten aus

Punkt eins: Das Programm soll die kulturelle Vielfalt und die Teilhabe aller am kulturellen Leben ermöglichen und der künstlerischen Diskussion von Werten in einer pluralen Gesellschaft Ausdruck verleihen. Ziel ist es zweitens, ein aktuelles und bedarfsgerechtes Kulturprogramm zu bieten. Dritter Gedanke ist, sich als wichtige Produktionsstätte von Kunst und Kultur, Vernetzungen und Kooperationen zu verstehen, der es gelingt, gemeinsames Kulturschaffen zu initiieren.

Angebote der kulturellen Bildung, die das lebenslange kulturelle Lernen fördern und aktive Begegnungen und Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur unterstützen, sollen als vierter Leitgedanke auch zur neuen DNA des Angebots zählen. Als fünfter Punkt stellt sich das Haus der Digitalisierung, die man als Chance für alle Bereiche des kulturellen Lebens und der Kulturproduktion sieht.

„Die Theatercard ist ein Vorteil für die Kundschaft.“

Thomas Kraft, Rathaussprecher

Letzter Punkt ist eine Frage der grundsätzlichen Ausrichtung. Sie soll sich der Verantwortung für nachfolgende Generationen bewusst sein und die Nachhaltigkeit voranbringen. Damit soll auch die praktische Umsetzung eine Grundlage erhalten. Denn laut Stadtsprecher Thomas Kraft geht es dem Kulturmanagement darum, mehrere positive Effekte zu erzielen, „die alternativ sonst nur über eine Budgetausweitung umsetzbar gewesen wären“. Das Programm kann flexibler gestaltet werden, auf aktuelle Bedarfe könne man besser reagieren. Kraft teilt für das Kulturmanagement mit: „Wir stellen verschiedene Programmvorschläge zusammen, um eine Auswahl der Veranstaltungen zu erleichtern. Den Interessenlagen von bisherigen Stammkundinnen, Stammkunden und neuen Zielgruppen kann in Kombination mit der Theatercard Rechnung getragen werden.“

Die Theatercard, die es seit der vergangenen Saison statt der früheren Abo-Reihen gibt, ermöglicht in den Farben Bronze, Silber und Gold Rabatte. Das Kulturmanagement sieht darin laut Thomas Kraft einen großen Vorteil: „Die bisherigen Abo-Kunden können weiterhin ihre Veranstaltungen und Sitzplätze in der Spielzeit langfristig planen. Darüber hinaus werden neue Zielgruppen durch die Flexibilität der Theatercard angesprochen.“

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Neue Saison

Spielplan: Das Kulturmanagement setzt seinen Weg in der Saison 2022/2023 fort, auf verschiedene Reihen zu setzen. Schwerpunkte sind etwa Musicals im Block „Broadway Fieber“, auch junge Kultur wird angeboten.

Tickets: Inzwischen ist der Vorverkauf für die neue Saison gestartet. Der findet an der Theaterkasse oder online über die Seite des Kulturmanagements statt, dort gibt es auch den Spielplan als Download: theater-solingen.de

Standpunkt von Philipp Müller: Viele Ideen sind gefragt

philipp.mueller@solinger-tageblatt.de

Für die Künstlerinnen und Künstler ist es alles andere als motivierend, vor halbvollen Rängen zu spielen. Egal, ob das für ein Open-Air gilt oder für das Theater und Konzerthaus. Für Letzteres macht sich das Kulturmanagement viele Gedanken und stellte jetzt auch viele Ideen vor, wie sich das wieder ändern kann. Für die neue Leiterin keine einfache Situation.

Sonja Baumhauer kam im Mai 2020 nach Solingen und erlebte zunächst den Lockdown. Dabei hatte sie eine Fülle an Anregungen im Gepäck, mit denen sie das Haus entstauben und zu neuer Blüte führen will. Das alles muss jetzt auch noch tauglich für die Corona-Zeit sein. Es wäre aber falsch, gnadenlos den Rotstift anzusetzen. Noch weiß niemand genau, ob der Besucherschwund nicht auch der Angst vor Ansteckung mit dem Virus geschuldet ist.

Öffentliche und auch private Veranstalter erleben eine Situation, in der Vorhersagen, was sich füllen wird und was nicht, überhaupt nicht einschätzbar sind. Geduld, stete Analysen und neue Ideen sind da gefragt.

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