Eigenvorsorge

So schützen Sie sich vor Hochwasser

Die Flutkatastrophe hat in Solingen große Schäden verursacht. So sieht es ein Jahr später aus.
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Die Flutkatastrophe hat in Solingen große Schäden verursacht.

Experte des Wupperverbandes gibt Tipps zu Eigenvorsorge und Verhalten in Gefahrensituationen.

Von Kristin Dowe

Solingen. Nach der Hochwasserkatastrophe am 14. Juli 2021 appellierten die Stadt Solingen und der Wupperverband immer wieder an die Bürgerinnen und Bürger, dass Eigenvorsorge in puncto Hochwasserschutz nun das Gebot der Stunde sei. Doch welche Schutzmaßnahmen sind tatsächlich sinnvoll und auch finanzierbar? Marc Scheibel, Sachgebietsleiter Wassermengenwirtschaft und Hochwasserschutz beim Wupperverband, gibt im Gespräch mit dem ST einige Tipps.

Gefahren vermeiden

„Das mag simpel klingen, aber im Ernstfall wird dieser Grundsatz oft vergessen“, warnt Scheibel. Wenn tatsächlich Wasser in die eigenen vier Wände eindringt, gelte es, klare Prioritäten zu setzen und nicht Habseligkeiten retten zu wollen, wenn dafür keine Zeit mehr bleibt. „Der Schutz von Leib und Leben ist das Wichtigste.“ Dazu gehöre auch, nicht den Keller zu betreten, wenn dieser sich mit Wasser füllt und sich dort womöglich der Stromkasten befindet. Auch bestehe in einer hektischen Situation leicht die Gefahr, in einem überfluteten Keller eine Tür zu schließen, so dass diese sich nicht mehr von innen öffnen lässt. „Das ist alles schon vorgekommen.“

Wertsachen und technische Geräte in oberen Etagen lagern

Menschen, die in Überflutungsgebieten leben, sollten laut Scheibel Wertsachen und wichtige Papiere schnell griffbereit in oberen Etagen lagern, sofern sie die Möglichkeit dazu haben. „Gegebenenfalls sollte man sich mit Nachbarn absprechen, die im Ernstfall beim Evakuieren helfen können.“ Zwar sei es sinnvoll, sich über Hilfsmittel wie die Warnapp Nina oder Wetter-Apps über bevorstehende Extremwetterlagen zu informieren. „Hundertprozentig können wir uns auf die Prognosen aber nie verlassen, wie der 14. Juli ja gezeigt hat“, gibt Scheibel zu bedenken.

Aufbaubaren Mobilschutz bereithalten

Dabei handelt es sich um eine bewegliche Vorrichtung, die bei Bedarf spontan aufgebaut werden kann. „Das ist in der Regel eine halbe Stunde Arbeit“, so Scheibel. Neben den klassischen Sandsäcken gibt es auch Balkensysteme, um Türen und Fenster zu sichern. „Das ist eine Art professioneller Sandsack“, erklärt der Experte. Auf den Seiten des Hochwasser Kompetenz Centrums (HKC) in Köln, mit dem der Wupperverband eng zusammenarbeitet, finden Sie eine Auswahl zertifizierter Anbieter und Produkte. () Ebenso sind im Fachhandel unter anderem spezielle Türen erhältlich, durch die von außen nahezu kein Wasser eindringen kann.

Hochwasserschutz bereits beim Neubau berücksichtigen

„Es ist immer teurer, ein Haus später mit technischen Vorrichtungen für den Hochwasserschutz nachzurüsten, als von vornherein gewisse Vorbereitungen zu treffen“, rät Scheibel. Mit mehreren Tausend Euro müsse man beim Neubau dafür kalkulieren. Auch komme es auf architektonische Details des Hauses an. „In einem Gebiet in unmittelbarer Flussnähe sollte man sich schon fragen, ob unbedingt ein Keller benötigt wird.“ So sei es in typischen Überflutungsgebieten wie an der Mosel oder im Ahrtal durchaus üblich, eher im Hochparterre zu bauen und bei der Wahl der Böden etwa auf Fliesen statt auf Holz zu setzen. „Angesichts immer häufiger werdender Extremwetterereignisse stellt sich auch die Frage, ob man in einem Hochwassergebiet bauen muss“, sagt Scheibel, wenngleich er nachvollziehen könne, dass Menschen sich in ihrem Ort stark verwurzelt fühlen können.

Bei einem Neubau könne es darüber hinaus sinnvoll sein, dass Gebäude in einer „Wanne“ im Erdreich zu errichten, so dass kein Wasser durch den Boden ins Haus eindringen kann. Mit Blick auf Garten und Grundstück rät der Experte außerdem, Gefälle, die womöglich zum Haus hinführen, baulich zu vermeiden.

Regenrinnen regelmäßig säubern

Gerade in Gebieten mit erhöhtem Überschwemmungsrisiko sei es zudem notwendig, verstopfte Regenrinnen regelmäßig zu säubern, damit kein Wasser zum Haus gelangen kann. Dies könne im Ernstfall bei der Frage eine Rolle spielen, ob die Versicherung, sofern vorhanden, für den Schaden aufkommt oder nicht. Generell gelte der Grundsatz: „Ein Ereignis wird erst dann zur Katastrophe, wenn man nicht vorbereitet ist.“

Für den Fall einer Katastrophe sollten Bürger selbst vorsorgen

Hintergrund

Das Hochwasser Kompetenz Centrum, ein Verein mit Schwerpunkt Hochwasserschutz, dem auch der Wupperverband angehört, bietet mit dem „Hochwasserpass“ gegen einen Kostenbeitrag eine individuelle Risikoanalyse an. Weitere Tipps gibt auch der Wupperverband.

hkc-online.de
https://t1p.de/3uxy

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