Tipps und Tricks

So kann man alle Krisen meistern

Die Psychologin und Psycho-Onkologin Mareike Romünder hilft Patienten im Klinikum nach schockierenden Diagnosen. Das Bild zeigt sie in der neuen Chemoambulanz im Zentrum für Hämatologie und Onkologie des Klinikums. Foto: Tim Oelbermann
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Die Psychologin und Psycho-Onkologin Mareike Romünder hilft Patienten im Klinikum nach schockierenden Diagnosen. Das Bild zeigt sie in der neuen Chemoambulanz im Zentrum für Hämatologie und Onkologie des Klinikums.

Psycho-Onkologin Mareike Romünder erklärt, wie man Probleme – private wie weltweite – meistern kann.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Die Corona-Krise mit all ihren Belastungen ist noch nicht überstanden, dann kam die Flut, und jetzt bringt der Krieg in der Ukraine neue Sorgen und Ängste. Mareike Romünder, Diplom-Psychologin und Psycho-Onkologin im Städtischen Klinikum, erklärt, wie man ganz persönlich solche Krisen meistern kann, welche Parallelen es etwa zum Umgang mit einer Krebs-Diagnose gibt und wie man selbst Resilienz (siehe unten) trainieren kann.

So bekommt jeder sein Leben selbst in den Griff

Was zeichnet einen resilienten Menschen aus?

Jede Krise, persönlich wie gesellschaftlich, sei eine Stress- und Testsituation zugleich, erklärt Mareike Romünder. „Menschen, die über eine höhere psychische Widerstandskraft verfügen, haben ein tragfähiges soziales Netzwerk und nutzen dieses auch. Oder sie nehmen sich andere Menschen zum Vorbild, erinnern sich beispielsweise daran, wie die Oma damals im Krieg die schwierige Situation gemeistert hat.“ Studien zeigen, dass ältere Menschen häufiger psychisch widerstandsfähiger sind als jüngere. „Sie haben in der Regel schon mehr schwierige Situationen erlebt, sind krisenerprobter und damit resilienter“, so Romünder.

Gelten für den Umgang mit einer Krebs-Diagnose die gleichen Muster wie bei der Angst vor einem Krieg?

„Grundsätzlich ja“, erklärt die Fachfrau. Es gehe immer darum, den eigenen Stress zu reduzieren, den Umgang damit zu lernen. So sei bewiesen, dass Krebspatienten einen besseren Krankheitsverlauf haben, wenn sie soziale Unterstützung nutzen, wenn sie Emotionen wie Angst formulieren können und auch bereit sind, Hilfe anzunehmen. „Letztendlich kann man an überstandenen Krisen sogar wachsen, die Krise als Chance sehen, über das Leben zu reflektieren, Ressourcen besser zu nutzen und bestehende Belastungen zu reduzieren“, so Romünder.

So kann jeder sein persönliches Ziel erreichen

Was sind die kleinen Schritte zu einer Krisenbewältigung?

Der erste Schritt sei, selbst aktiv zu werden, eigene Handlungsspielräume zu überlegen. Und mit Blick auf den Krieg in der Ukraine hilft es vielen Menschen, aktiv zu werden, ehrenamtlich mit anzupacken, zu demonstrieren oder beispielsweise Flüchtlinge aufzunehmen.“

Wie kann man verhindern, dass sich alles nur noch um das eine Thema dreht?

Zunächst sollte man versuchen, einen kühlen Kopf zu bewahren, genau auszuloten, was man mit seinem eigenen Handeln verändern kann und was nicht. „Wir dürfen uns nicht verzetteln, müssen uns auf das Wesentliche konzentrieren“, betont die Psychologin. Ganz wichtig sei es aber auch, dass die Seele zwischendurch mal ausruhen könne. „Also mal ein paar Tage keine Nachrichten mit all den schrecklichen Bildern schauen oder versuchen, mit schönen Ablenkungen das Thema Krebs für einen Tag auszublenden.“

Wie hängen Optimismus und Resilienz zusammen?

„Resiliente Menschen sind immer zuversichtlich, ohne durch eine rosarote Brille zu schauen. Sie vertrauen darauf, dass sie selbst nicht an der Krise zerbrechen“, so Romünder. Mit Blick auf den Krieg glauben sie fest daran, dass es eine Lösung geben wird. Dass sich etwas neu ordnen wird – vielleicht sogar positiv. Auch einen persönlichen Einschnitt wie eine Krebs-Diagnose könne man ins Positive wenden, sich etwa vornehmen, zukünftig mehr Sport zu treiben, sich gesünder zu ernähren, die Lebenszeit anders zu nutzen. „Optimistisch zu sein heißt aber nicht, dass man nicht auch für eine gewisse Zeit zu seiner Trauer, seiner Wut oder Ohnmacht stehen kann.“ Aber man dürfe sich in diesen Gefühlen eben nicht verlieren.

Können Außenstehende helfen?

„Bezugspersonen sind als Stütze sehr wichtig.“ Aber die Betroffenen sollten auch Vertrauen haben – in die behandelnden Ärzte bei einer schweren Krankheit, aber auch in die demokratischen Kräfte und die Politiker zur Lösung der politischen Konflikte. „Und es hilft jedem Menschen, fest daran zu glauben, dass es bei jeder Krise auch eine Zeit nach der Krise gibt – auch wenn sie im Fall einer schweren Krankheit unter Umständen nur kurz ist. Das versuchen wir den Menschen mit auf den Weg zu geben.“ Im psycho-onkologischen Team des Klinikums arbeitet neben Mareike Romünder auch Dr. Caroline Bohn. Eine weitere Stelle ist derzeit ausgeschrieben.

Resilienz

Begriff: Resilienz beschreibt die psychische Widerstandskraft, also die Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen.

Herkunft: Der Begriff kommt eigentlich aus der Werkstoffkunde, wenn es um die Spannkraft von Material geht. Ein Gummiball etwa, der nach dem Zusammendrücken wieder in seine alte Form zurückfindet, ist resilient.

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