Neues Citydeck vorgestellt

So arbeitet Ohligs an einer urbanen Zukunft

Am Mittwochabend wurde das neue Citydeck bei einem kleinen Umtrunk vorgestellt.
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Am Mittwochabend wurde das neue Citydeck bei einem kleinen Umtrunk vorgestellt.

Eine moderne Sitzgelegenheit soll einen Vorgeschmack auf das geplante Szeneviertel geben.

Von Manuel Böhnke

Solingen. Gutes Wetter, kühle Getränke, Gespräche, Musik – so stellen sich die Ohligser Jongens die Zukunft der Lennestraße vor. Der Verein kämpft dafür, im Ohligser Zentrum ein Szeneviertel zu entwickeln. Seit dieser Woche gibt es einen Vorgeschmack, wie das einmal aussehen könnte. Über zwei Parkbuchten auf Höhe des Bayrischen Wirtshauses steht für drei Monate eine moderne Sitzgelegenheit. „Wir möchten zeigen, wohin sich die Lennestraße entwickeln könnte“, erklärt Dr. Jörg Wacker.

Er ist Vorstandsmitglied der Ohligser Jongens. Die Gruppe setzt sich seit 2020 öffentlich für eine bus- und autofreie Lennestraße ein. Zudem streben die Jongens an, den Doppelkreisel an der Weststraße zu begrünen. Die damit verbundenen Hoffnungen: mehr Aufenthalts- und Lebensqualität, Impulse für Gastronomie und Handel sowie eine Verbesserung des Mikroklimas.
„Wir möchten nicht nur reden, sondern Impulse für die Umsetzung geben“, betont Wacker.

Deshalb sei kurzerhand die Idee aufgekommen, auf der Lennestraße ein Pilotprojekt für eine moderne, lebenswerte Stadt zu starten. Der Zeitpunkt ist günstig: Bis Ende Oktober ist der kurze Abschnitt für große Teile des Verkehrs gesperrt. Durchfahrt ist lediglich für die Buslinien 691 und NE 21 sowie Liefer- und Baustellenfahrzeuge erlaubt.

„Es reicht nicht aus, die Straße zu sperren – man muss sie mit Leben füllen.“

Dr. Jörg Wacker, Ohligser Jongens

Jörg Wacker ist überzeugt: „Es reicht nicht aus, die Straße zu sperren – man muss sie mit Leben füllen.“ Und genau dazu sollen die neuen Sitzmöbel beitragen. Sie stammen von der Mannheimer Firma Citydecks, die sich auf modulare Terrassensysteme zum Überbauen von öffentlichen Parkplätzen spezialisiert hat. Flankiert wird die Sitzgelegenheit von sommerlicher Bepflanzung, für die der Ohligser Landschaftsgärtner Gaspare Militello verantwortlich ist.

Mindestens einmal wöchentlich soll die Fläche in den kommenden Monaten mit Leben gefüllt werden. Dabei denken die Jongens etwa an Musik und gastronomische Angebote. Man befinde sich in Gesprächen mit verschiedenen Akteuren aus dem Stadtteil – weitere Ideen willkommen.

„Dieses Projekt ist ein Symbol, dass wir uns die Straße zurückerobern“, gibt sich Jörg Wacker kämpferisch. Er und seine Mitstreiter sind von dem Vorhaben überzeugt. In den kommenden Monaten soll sich herausstellen, ob das auch für die Ohligser gilt. Bei positivem Feedback sei denkbar, das Citydeck mit vereinten Kräften anzuschaffen und sukzessive um zusätzliche Elemente zu erweitern.

Idee stößt auf Widerstand

Bislang seien die Rückmeldungen positiv, wenngleich es auch kritische Stimmen gibt. Teile der Händlerschaft fürchten, die wegfallenden Parkplätze an der Lennestraße könnten Kunden vergraulen. Zudem führt die testweise Umleitung der Buslinien 782, 783, 791 und 791 an anderer Stelle zu einem höheren Verkehrsaufkommen. „Wir haben uns schon Gedanken darüber gemacht, wie sich die Situation auf lange Sicht entspannen ließe“, erklärt Michael Vermoehlen von den Ohligser Jongens.

Um das Projekt Lennestraße und den Stadtteil allgemein weiterzuentwickeln, brauche es die Unterstützung von Politik, Verwaltung und Stadtspitze, macht Jörg Wacker deutlich. Bei der Rückendeckung aus dem Rathaus hapere es. Diesen Eindruck haben zumindest Vereinsmitglieder wie Michael Vermoehlen. „Wir stoßen immer wieder auf Widerstand“, sagt er. Dabei hätte eine dauerhafte Sperrung der Lennestraße für den Auto- und Busverkehr seiner Einschätzung nach hauptsächlich Vorteile: autofreie Zentren seien im Trend, mehr Grün, steigende Aufenthaltsqualität.

Für drei Monate ist das Citydeck angemietet – 6000 Euro kostet das Projekt. Spenden machten die Umsetzung möglich, unter anderem steuerte die Immobilien- und Standortgemeinschaft Ohligs ein Drittel bei. Deren Geschäftsführerin Gloria Göllmann erklärt: „Diese Fläche gibt uns die Möglichkeit, Ideen für die Zukunft des Stadtteils zu entwickeln.“ Auch Bezirksbürgermeisterin Gundhild Hübel (SPD) ist angetan: „Farbgebung, Konstruktion und Bepflanzung gefallen mir gut. Jetzt müssen wir abwarten, wie es ankommt.“ Jörg Wacker weist darauf hin, dass die Citydecks in angesagten Viertel wie dem Prenzlauer Berg in Berlin und der Kölner Südstadt zu finden seien. „Mit diesen Namen messen wir uns gerne.“

Wie es im Stadtteil gelingt, spontan tolle Straßenfeste auf die Beine zu stellen, bewies das Ohligser Maifest.

In unserer Serie „ST vor Ort“ blicken wir jede Woche auf einen Stadtteil

Umfrage

An ihrem Infostand haben die Ohligser Jongens am 18. Juni Interviews zur Entwicklung des Stadtteils geführt. 54 Personen beteiligten sich, berichtet Cathrin Rohleder. 91 Prozent gaben an, Gastronomie von einem lebenswerten Ohligs zu erwarten. Je knapp vier Fünftel wünschten sich Stadtteilfeste, Einkaufsmöglichkeiten, verkehrsberuhigte Zonen und öffentliche Grünflächen.

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