Tipps vom Experten

SMS-Betrüger machen sich Corona zunutze

Kai Mosner zeigt die Nachricht, die ihn auf dem Handy erreichte. Der IT-Experte fiel nicht darauf herein. Er rät vor allem zum vorsichtigen Umgang mit Daten. Doch nicht wenige haben zum Beispiel wichtige Pin-Nummern auf dem Handy gespeichert. Foto: Roland Keusch
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Kai Mosner zeigt die Nachricht, die ihn auf dem Handy erreichte. Der IT-Experte fiel nicht darauf herein. Er rät vor allem zum vorsichtigen Umgang mit Daten. Doch nicht wenige haben zum Beispiel wichtige Pin-Nummern auf dem Handy gespeichert.

Viele Solinger erhalten derzeit gefälschte Paketbenachrichtigungen – Experten berichten, was zu tun ist

Eigentlich falle sie nicht auf so etwas herein. Tat sie dann aber doch. Denn in der SMS, die sie im Halbschlaf auf dem Handy erspähte, war von einem Paket die Rede. Und darauf wartete sie doch gerade. „Blöd wie ich bin, habe ich dann draufgeklickt“, erzählt die 45-Jährige aus dem Bergischen – und will aus Scham mit Namen lieber nicht genannt werden.

Dabei ist sie bei weitem nicht die einzige, die nach Ostern auf Kurznachrichten hereingefallen ist, die nur zu einem Ziel versandt wurden: Telefon-, Pin-Nummern und andere geheime Daten abzugreifen, um sie zu Geld zu machen. Solingen ist nach Angaben der zuständigen Polizei in Wuppertal besonders stark von dieser Betrugsmasche betroffen, aber auch in Wuppertal und Remscheid häufen sich die Fälle. „Smishing“ nennt die Polizei diese Masche – eine Wortneuschöpfung aus SMS und „Phishing“. Das bezeichnet Versuche, sich über gefälschte Homepages, E-Mails oder Kurznachrichten als vertrauenswürdiger Kommunikationspartner auszugeben und so Daten abzugreifen.

Man will reflexartig draufdrücken. Aber: erst denken, dann klicken.

Tobias Erdmann, IT-Experte

Unter einem Vorwand wird der Adressat zum Öffnen einer Datei animiert, worauf sich eine App auf dem Handy installiert. Die greift auf sämtliche Daten des Telefons zu und versendet sich über die gespeicherten Nummern im Telefonverzeichnis automatisch weiter. Auf diese Weise erhielten zahlreiche Solinger in den vergangenen Tagen Botschaften wie diese: „Ihr DHL Packung ist Ihnen geliefert, verfolgen Sie uber . . .“ – auch wurden teils Absender gewählt, die Paketdienstleister vortäuschten, etwa „UPSPkgInfo“. Besonders perfide: Inzwischen werden die Empfänger dieser Nachrichten zum Teil schon mit Namen angesprochen.

Auch Tobias Erdmann, Geschäftsführer von Systemhaus Erdmann, hatte solche Betrugs-SMS auf dem Handy. „Man will ja reflexartig draufdrücken“, berichtet er. Zum Glück habe er sich an einen alten Spruch gehalten: „erst denken, dann klicken“. Denn eine Paketbestätigung hätte per E-Mail kommen müssen, nicht per SMS.

Wenn man bereits geklickt habe, den Fehler aber rasch bemerke, empfiehlt der IT-Experte: „Schalten Sie das Handy in den Flugmodus und informieren Sie Ihren Mobilfunkprovider.“ Möglicherweise helfe aber nur noch, das Handy auf die Werkseinstellungen zurückzusetzen. Das tat auch die 45-Jährige aus dem Bergischen. Nun hofft sie, dass der Angriff auf ihr Handy keine weiteren Folgen hat.

Drittanbietersperren verhindern, dass Schadsoftware teure Telefonnummern anruft

Generell empfiehlt Tobias Erdmann eine Drittanbietersperre. So werde zum Beispiel verhindert, dass Schadsoftware teure Telefonnummern anrufen kann. Und: „Bestätigen Sie keine Installationen von fremden Apps oder unbekannten Programmen.“ Sollten dennoch ungewöhnliche Rechnungen kommen, gelte es wieder, den Provider einzubeziehen. „Und erstatten Sie auf jeden Fall Anzeige“, betont Erdmann. Das sei als Geschädigter wichtig wegen der Haftungsfrage. Ihm sind auch Fälle bekannt, in denen Schadsoftware für Identitätsdiebstahl eingesetzt wurde. „Und dann müssen Sie nachweisen können, dass Sie das nicht waren.“ Wer nicht auf die SMS hereinfalle, sollte sie laut Polizei direkt löschen.

Auch Verbraucherschützer warnen: „Gerade jetzt bestellen viele Menschen Waren im Internet. Genau das machen sich die Betrüger zunutze“, sagt Lydia Schwertner, Leiterin der Verbraucherzentrale in Remscheid. Sie berichtet von einem Fall, in dem die Schadsoftware 2000 SMS verschickte. Allein das hinterließ einen Schaden von mehr als 400 Euro. Auch Kai Mosner, Chef von Highspeed Media in Remscheid, hatte bereits eine Betrugs-SMS auf dem Handy. Es werde in der Corona-Pandemie nicht die letzte sein, prophezeit er. „Demnächst geht es zum Beispiel um Lieferdienste und das Wort Pizza wird zum Lockbegriff.“

Unter https://haveibeenpwned. com/About kann man sehen, ob die eigene Mailadresse oder Telefonnummer bereits in gehackten Datenbanken auftaucht. Die Polizei bietet Präventionstipps unter https://www.polizei-beratung.de/startseite-und-aktionen/

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