Mitglieder des Krisenstabs blicken optimistisch in die Zukunft

Solingen sieht Entspannung der Corona-Lage - Digitaler Impfausweis bald erhältlich

Die Stadt Solingen ist bei der Bekämpfung der Pandemie auf einem guten Weg.
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Die Stadt Solingen ist bei der Bekämpfung der Pandemie auf einem guten Weg.

Solingen ist bei der Bekämpfung der Pandemie auf einem guten Weg – dies war die Grundbotschaft, die die Verwaltung am Donnerstag beim digitalen Pressegespräch zur Corona-Lage in der Klingenstadt aussendete.

Von Kristin Dowe

Solingen. Etwa die Hälfte der Bevölkerung hat bereits ihre erste Impfung erhalten. Allerdings könnten im Impfzentrum aktuell keine Erstimpfungen durchgeführt werden, bedauerte dessen Leiter Udo Stock. „Der gesamte zugelieferte Impfstoff wird momentan für die Zweit-impfungen benötigt.“ Voraussichtlich erst Ende dieses Monats könne das Impfzentrum auch bei den Erstimpfungen wieder einsteigen.

Solingen: Impfnachweis kann in zwei Apps erfasst werden

Ab der kommenden Woche soll auch in Solingen der vom Bundesgesundheitsministerium geplante, digitale Impfausweis über die Apotheken verfügbar sein. Mit der CovPass-App oder mit der Corona-Warnapp soll der Nachweis über die Impfung digital erfasst werden können. Geimpfte können dann, so das Konzept, mit ihrem gelben Impfbuch die Apotheke aufsuchen, wo ein QR-Code für den Nachweis in der App erzeugt wird.

Personen, die nach dem 1. Juli im Impfzentrum geimpft werden, sollen das entsprechende Zertifikat – ein Blatt Papier, auf dem ein QR-Code aufgedruckt ist – dann direkt vor Ort erhalten. Dieser kann dann einfach mit dem Smartphone eingescannt werden. Personen, die vor dem Stichtag 1. Juli geimpft wurden, bekommen den QR-Code automatisch von der Kassenärztlichen Vereinigung per Post zugeschickt, haben aber zusätzlich die Möglichkeit, mit ihrem Impfzertifikat schon im Vorfeld die Apotheke aufzusuchen.

Diese Regelung gelte allerdings nur für Impfungen, die im Impfzentrum durchgeführt wurden, so Stock. Perspektivisch soll der Nachweis auch in den Arztpraxen erhältlich sein, doch seien die Apotheken erst mal „die erste Anlaufstelle“, da die Praxen mit den Impfungen zurzeit noch stark eingespannt seien.

Udo Stock begrüßt die technische Neuerung grundsätzlich: „Gerade in der Urlaubszeit ist das für die Menschen von zunehmender Bedeutung. Wir gehen davon aus, dass das Angebot jetzt auch relativ zügig umgesetzt wird.“

Einen kritischen Blick wirft der Impfzentrumsleiter auf den Wegfall der Priorisierung: „Es gibt in der Prio-Gruppe 3 noch immer Menschen, die nicht geimpft sind.“ Dazu gehören 60- bis 70-jährige Personen, solche mit einer medizinischer Vorbelastung sowie bestimmte Berufsgruppen wie Polizei und Feuerwehr oder auch Menschen im Lebensmitteleinzelhandel, die in ihrem Job viele Kontakte haben und deshalb ein höheres Infektionsrisiko tragen. Laut Stock gebe es Pläne der NRW-Landesregierung, einzelne Gruppen für gesonderte Impfungen über die Impfzentren einzuladen. Insbesondere für die Gruppe der Wahlhelfer wolle das Land ein Impfangebot schaffen. „Da ist aber noch nichts Konkretes entschieden.“

Dr. Annette Heibges, Leiterin des Solinger Gesundheitsamtes, zeigte sich am Donnerstag wie die restliche Gesprächsrunde erleichtert, dass sich die Corona-Lage in der Klingenstadt deutlich entspannt habe. Zwar seien am Donnerstag drei weitere positive PCR-Tests gemeldet worden, doch all zu dramatisch sehe sie dies nicht. „Wenn es bei diesen drei Fällen bleibt, liegen wir weiterhin unter der 35er-Inzidenz.“ Auch sei in Solingen bislang keine Virus-Mutante mit Ausnahme der britischen aufgetaucht und Ausbrüche gebe es erfreulicherweise zurzeit auch in den Schulen nicht zu verzeichnen.

In der Lungenklinik Bethanien habe sich die Zahl der Corona-Fälle deutlich reduziert, sagt deren Chefarzt Professor Dr. Winfried Randerath: „Wir haben aktuell neun Patienten auf der Intensiv- und sechs auf der Infektionsstation. Das ist massiv weniger als wir noch vor wenigen Wochen hatten.“ Dennoch sei die Situation weiterhin fragil. „Wenn wir die Reproduktionszahl von 1,3 erreichen, wird es auch die vierte Welle geben.“ Somit sei „trotz aller Freude“ weiterhin Vorsicht geboten und die Maßnahmen müssten unbedingt weiter eingehalten werden.

Zu begrüßen sei laut Randerath die hohe Impfbereitschaft der Solinger, da besonders die Impfungen eine wichtige Schutzfunktion im Kampf gegen die Virus-Mutanten hätten. „Wenn wir uns die Medizingeschichte der letzten 150 Jahre anschauen, dann ist die Lebenserwartung gestiegen, die Kindersterblichkeit gesunken und in vielen anderen Bereichen konnten große Fortschritte erzielt werden. Das hat ganz entscheidend mit besserer Hygiene und Impfungen zu tun.“

Standpunkt: Freude ja, Übermut nein

Von Kristin Dowe

kristin.dowe@solinger-tageblatt.de

So optimistisch hat man die Mitglieder des Solinger Krisenstabs in den vergangenen Wochen selten erlebt. Gestern wurde die erlösende Botschaft deutlich: Jetzt geht es aufwärts. Auch die leichten Schwankungen, die es zuletzt bei der Sieben-Tage-Inzidenz gegeben hatte, seien angesichts der sehr niedrigen Infektionszahlen zurzeit durchaus normal und nicht besorgniserregend – beim Gesundheitsamt bleibt man diesbezüglich gelassen. Nur dürfen wir jetzt nicht den Fehler machen, die berechtigte Freude in Übermut umschlagen zu lassen, denn die Lage kann schnell kippen. Das hat uns der Sommer 2020 auf schmerzhafte Weise vor Augen geführt. Nachdem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in seinem bisherigen Pandemie-Management nicht nur mit Erfolgen glänzte (wenn man etwa an das Chaos um die Gratistests in Apotheken zurückdenkt), ist ihm mit dem digitalen Impfausweis offenbar eine sinnvolle Innovation gelungen. Viele Menschen dürften das Angebot gerne nutzen, insbesondere bei einer Reise nicht ständig ihr analoges Papierimpfbuch mit sich herumschleppen zu müssen. Das Smartphone soll da in Zukunft genügen – ein weiterer Schritt in Richtung Digitalisierung.

Alle weiteren Nachrichten zur Corona-Lage in Solingen finden Sie in unserem Live-Blog.

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