Suche nach neuem Standort

Silag überdenkt Pläne für Lebenshilfe-Werkstatt

Der Vorstand der Lebenshilfe wünscht sich eine neue Werkstatt auf dem früheren Silag-Gelände an der Wuppertaler Straße. Foto:
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Der Vorstand der Lebenshilfe wünscht sich eine neue Werkstatt auf dem früheren Silag-Gelände an der Wuppertaler Straße.

Investor zieht alternative Nutzung des Grundstücks an der Wuppertaler Straße in Erwägung.

Solingen. In die Diskussion um die Suche der Lebenshilfe nach einem neuen Standort für eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung kam am Dienstag erneut Bewegung: Laut einer Pressemitteilung hat der Aufsichtsrat der Silag Handel AG einstimmig den Beschluss gefasst, den Vorständen des Unternehmens „dringend zu empfehlen, das Engagement für das Projekt der Lebenshilfe in Verbindung mit dem ehemaligen Firmenhauptsitz der Silag Handel AG zu überdenken“, heißt es in dem Schreiben.

Als Investor steht der Solinger Unternehmer Siegfried Lapawa als Vorstand der Silag AG hinter dem Projekt. Er hatte der Lebenshilfe zuletzt das Grundstück des ehemaligen Silag-Geländes an der Wuppertaler Straße für den Bau einer Werkstatt angeboten. Gemäß den Plänen hätte Lapawa den Neubau nach vorherigem Abriss der alten Backsteingebäude verantworten und später an die Lebenshilfe vermieten sollen.

Dieses Ansinnen stieß in den vergangenen Monaten vor allem in den Reihen des Elternbeirats und der Werkstatt-Beschäftigten auf massiven Widerstand. Insbesondere die aus Sicht vieler Betroffener eher randständige Lage an der Wuppertaler Straße sorgte für Kritik. Ursprünglich war der jetzige Standort der Eishalle im Südpark für die neue Werkstatt anvisiert – diese soll nach dem Willen der Stadt aber offenbar am alten Platz bleiben.

Siegfried Lapawa bleibt für Gespräche rund um die Lebenshilfe-Werkstatt offen

Grundsätzlich sei das Projekt, in Gräfrath eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung stets ein „sozialpolitisches Anliegen“ gewesen – „verbunden mit dem großen Interesse, den Standort mit seiner idealen Verkehrsanbindung und Naturnähe in unmittelbarer Umgebung des historischen Gräfrather Ortskerns in sinnvoller Weise gemäß den gesetzlichen Richtlinien des LVR zu nutzen und der Lebenshilfe eine moderne Einrichtung anzubieten“, teilt der Aufsichtsrat der Silag AG schriftlich mit.

Der mögliche Bau wäre für das Unternehmen mit einem hohen Investment von 35 bis 40 Millionen Euro verbunden gewesen, stehe aber „trotz der positiven Bewertung des LVR konträr zur öffentlichen Meinung“. Somit stelle sich die Frage nach alternativen Möglichkeiten, den Standort wirtschaftlich zu entwickeln. Frühere Konzeptvorschläge könnten im Herbst bei der nächsten Aufsichtsrat- und Hauptversammlung der Silag AG noch einmal thematisiert werden, teilt Silag weiter mit.

Ich möchte nicht als Sündenbock herhalten.

Siegfried Lapawa, Silag AG

Gegenüber dem Tageblatt machte Lapawa die Gründe für seinen Kurswechsel deutlich. „Ich wollte den Menschen mit Behinderung etwas Gutes tun. Aber der Bumerang, der zurückkommt, ist brutal.“ Zudem habe er der Lebenshilfe seit einem Jahr das Grundstück reserviert und wolle sich mit der Idee für das Projekt keineswegs aufdrängen. „Wenn es nicht gewollt ist, ziehen wir uns eben zurück. Ich habe meine Hausaufgaben gemacht.“ Für Gespräche wolle er aber weiterhin offen bleiben und die weiteren Schritte „von den handelnden Menschen abhängig machen“.

Lebenshilfe-Vorsitzende will mit Investor in Kontakt treten

Prof. Dr. Susanne Schwalen, die Vorstandsvorsitzende der Lebenshilfe, zeigte für Lapawas Reaktion Verständnis. „Ich verstehe, dass die Silag Handel AG das geplante soziale Engagement überdenkt.“ Dies führt sie auf die zahlreichen Zeitungsartikel und Leserbriefe zurück, die sie als „zum Teil gegenüber dem Eigentümer der Wuppertaler Straße 342 diffamierend“ empfinde. Sie kündigt an: „Zur Klärung werde ich mit Herrn Lapawa in Kontakt treten.“ Die für morgen Abend geplante Informationsveranstaltung über das Projekt sowie die anschließende Mitgliedersammlung finden plangemäß statt. (| Kasten)

Aufseiten des Elternbeirats lehnt man den Standort in Gräfrath weiterhin ab. Auf die Mitteilung von Silag angesprochen sagte dessen Vorsitzender, Norbert Junge: „Das wäre in unserem Sinne.“ Gegner der Pläne brachten gestern Abend bei einer Demo vor dem Rathaus ihre Ablehnung zum Ausdruck. Siegfried Lapawa hält derweil fest: „Ich möchte nicht als Sündenbock herhalten.“

Veranstaltung

Für den morgigen Donnerstagabend lädt die Lebenshilfe ihre Mitglieder in die Eissporthalle Solingen zu einer Informationsveranstaltung über den Werkstattneubau ein. Dabei wird der Solinger Sozialdezernent Jan Welzel (CDU) ein Grußwort sprechen – außerdem werden Vertreter der Lebenshilfe Nordrhein-Westfalen sowie des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) erwartet.

Standpunkt: Konsequenter Schnitt

Kommentar von Kristin Dowe

kristin.dowe@ solinger-tageblatt.de

Die Suche nach einem neuen Standort für eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung gerät für die Lebenshilfe Solingen zur Zerreißprobe. Derweil ist klar: Wirtschaftlich nötig hätte ein erfolgreicher und äußerst solventer Unternehmer wie Siegried Lapawa ein solches Projekt sicherlich nicht. Die Kritik der vergangenen Wochen aus verschiedenen Organen der Lebenshilfe ist nicht spurlos an ihm vorbeigegangen. Wie immer man auch sonst zu dem Investor stehen mag, ist seine Haltung konsequent, einen solchen Bau nur unter der Voraussetzung zu realisieren, dass er aus der Lebenshilfe volle Rückendeckung erfährt. Bislang konnten die Gegner der Pläne nicht von den Vorteilen überzeugt werden, die der Standort Gräfrath aus Sicht des Vorstands mit sich bringt. Die unglückliche Kommunikation des Vorhabens am Anfang haben das Wohlwollen diesbezüglich getrübt – auch wenn dies wohl nicht in böser Absicht geschehen ist. Positiv anzuerkennen ist, dass die Lebenshilfe danach auf Transparenz gesetzt und etwa die geplante Informationsveranstaltung auch für die Presse geöffnet hat. Es bleibt zu hoffen, dass am Ende eine Entscheidung steht, mit der alle gut leben können.

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