Gerhard-Berting-Haus

Sie fand ihren Traumberuf trotz Handicap

Lisa-Marie Lingnau (M.) beim Spielen von „Mensch, ärgere dich nicht“ mit Elisabeth Braszok (l.) und Helga Bäcker. Sie liebt ihre Aufgabe als Alltagsbegleiterin in einer Senioreneinrichtung.
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Lisa-Marie Lingnau (M.) beim Spielen von „Mensch, ärgere dich nicht“ mit Elisabeth Braszok (l.) und Helga Bäcker. Sie liebt ihre Aufgabe als Alltagsbegleiterin in einer Senioreneinrichtung.

Nach Praktikum und Ausbildung arbeitet Lisa-Marie Lingnau jetzt als fest angestellte Alltagsbegleiterin.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Dass Lisa-Marie Lingnau ihren Beruf als zertifizierte Alltagsbegleitern im Gerhard-Berting-Haus liebt, spürt man schnell: Scherze fliegen zwischen ihr und ihren Schützlingen im Seniorenalltag hin und her, als sie gemeinsam fürs Pressefoto posieren, es wird viel gelacht. Dann flitzt die 23-Jährige schnell noch los, um die Tageszeitungen für die Bewohner ihres Bereiches zu holen und zu verteilen. Erst danach hat sie Ruhe und Zeit für ein Gespräch.

Am 1. Januar 2023 wird ihre derzeitige Stelle, ein sogenannter „integrierter Arbeitsplatz“, in eine reguläre sozialversicherungspflichtige Beschäftigung umgewandelt. Nach einem mehrmonatigen Praktikum, um zu „schnuppern“ – und auch um sich „beschnuppern zu lassen“, ist für Lisa Marie Lingnau nun ihr Traum vom Wunschjob als Alltagsbegleiterin in einer Senioreneinrichtung in Erfüllung gegangen. Bedingung dafür war, die Online-Zertifizierung zur Alltagsbegleiterin zu absolvieren, eine Hürde, die sie mit Hilfe der Lebenshilfe gut gemeistert hat.

Integrationsbeauftragte ist offen für Berufswünsche

Die junge Frau hat aufgrund ihrer geistigen Behinderung ihren beruflichen Weg in der Werkstatt der Lebenshilfe begonnen. Wer sie aber mit ihrer Sprachgewandtheit, ihrer Souveränität und der positiven Einstellung kennenlernt, mit der sie den ihr anvertrauten Bewohnern der Senioren-Einrichtung begegnet, nimmt keinerlei Defizit oder gar Handicap wahr. Gutgelaunt erzählt sie von ihrem langjährigen Berufswunsch, in einem solchen Altenzentrum dafür zu sorgen, dass „die Leute Freude, Gesellschaft und Unterhaltung in ihrer Freizeit haben“. Sie bereite Kreativangebote vor, gehe mit ihnen spazieren, singe mit ihnen, lese ihnen vor oder halte manchmal einfach nur die Hand, erzählt sie aus ihren täglichen Einsätzen. „Mit meiner Kollegin, mit der ich für die Wohneinheit zuständig bin, spreche ich mich ab.“ Schon zu Schulzeiten habe sie als Betreuungshilfe in Wohngruppen in Bethanien erste Erfahrungen gesammelt. „Und als ich in die Werkstatt kam und die zweijährige Berufsbildung dort startete, habe ich schnell den Kontakt zu Frau Oelze gesucht, um mit ihr einen Weg zu besprechen, wie ich in einem Seniorenheim arbeiten kann.“

Julia Oelze ist in der Lebenshilfe eine der beiden Integrationsbeauftragten und offen für Berufswünsche außerhalb der Werkstatt. Sie ist die Schnittstelle zwischen Arbeitgebern und potenziellen Arbeitnehmern aus der Werkstatt, die gerne ausprobieren möchten, ob ein Job außerhalb der Werkstatt für sie infrage käme. „In Gesprächen finden wir gemeinsam heraus, was jemand gerne machen möchte und welche Stärken, aber auch welche Schwächen er hat“, sagt sie. „Für Lisa-Marie Lingnau haben wir den Kontakt zum Gerhard-Berting-Haus gesucht und uns nach Gesprächen dort gemeinsam auf den Weg gemacht“, berichtet Oelze. „Ihr Wunsch war außergewöhnlich klar, das ist natürlich nicht bei jedem Lebenshilfe-Mitarbeiter so, der zu mir kommt.“

Dennoch sei es schon öfter gelungen, Menschen mit Behinderung über erfolgreich absolvierte Praktika in ein dauerhaftes Beschäftigungsverhältnis zu vermitteln. „Die Arbeitgeber, die sich darauf einlassen, lernen unsere jungen interessierten und motivierten Menschen erst über ein Praktikum und dann in einem betriebsintegrierten Arbeitsplatz kennen zu lernen. Sie bekommen von uns so lange Unterstützung wie nötig. Beratungen in diversen Richtungen, engmaschige Gespräche – und natürlich jederzeit die Möglichkeit, auszusteigen.“ Umgekehrt seien auch die Werkstatt-Mitarbeiter jederzeit frei, dieses Ausprobieren zu beenden. „Im Grunde nicht anders als bei jeder Probezeit.“ Paul Dicke, Leiter des Sozialen Dienstes im Gerhard-Berting-Heim, möchte auf Lisa- Marie Lingnau nicht mehr verzichten. „Sie gibt alles – und genau deshalb muss man ihr manchmal ein bisschen helfen, sich besser zu strukturieren, damit sie ihre Kraft nicht überstrapaziert.“

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